Die Pottheide
Der „Friedhof“ der Bronzezeit

Schmedehausen -

In dieser Folge der Grevener Wörter gehet es um die Pottheide. Die Pottheide liegt im Osten der Bauerschaft Schmedehausen. Der Name „Pottheide“ weist ebenfalls auf eine lange Besiedlung dieses Gebietes hin.

Freitag, 01.03.2019, 18:36 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 16:58 Uhr
In der mittleren und in der jüngeren Bronzezeit bestatteten die Menschen ihre Verstorbenen nach der Verbrennung unter einem Hügel in einer Urne, in einem „Pott“.
In der mittleren und in der jüngeren Bronzezeit bestatteten die Menschen ihre Verstorbenen nach der Verbrennung unter einem Hügel in einer Urne, in einem „Pott“. Foto: Hans Röttgers

Die archäologische Dauerausstellung im Rathaus macht die mehrere 1000 Jahre alte Besiedlung Grevens durch Fundbeispiele deutlich. Ein großes Steinbeil, das in der Pottheide durch den Bauern A. Austrup gefunden wurde und als Kopie ausgestellt ist, belegt das auch für die Bauerschaft Schmedehausen. Auch „Pötte“ aus Greven sind in der Ausstellung in verschiedenen Größen zu sehen.

Die Pottheide liegt im Osten der Bauerschaft Schmedehausen. Der Name „Pottheide“ weist ebenfalls auf eine lange Besiedlung dieses Gebietes hin. Mit dem plattdeutschen Wortteil „Pott“ ist ein gebrannter Topf aus Lehm gemeint, der, mit den Leichenbrandresten gefüllt, in der Erde vergraben wurde. In der mittleren und in der jüngeren Bronzezeit bestatteten die Menschen ihre Verstorbenen nach der Verbrennung unter einem Hügel in einer Urne, in einem „Pott“. Wilhelm Schenkel weist in seinem Buch „Schmedehausen“ auf solche Urnenfunde hin.

Die Pottheide kam im Jahre 1400 im Rahmen eines Gebietsregelungsvertrages nach dem Krieg 1393-1400 zwischen dem Fürstbischof von Münster und dem Grafen von Tecklenburg von Ladbergen zu Greven, also von der Grafschaft Tecklenburg zum Fürstbistum Münster.

Diese Heide, eine „Unland-Fläche“, auch „Mark“ oder „Gemeinheit“ genannt, wurde viele Jahrhunderte von den Anwohnern genutzt zur Abplaggung als Streu- und Düngemittel und zur Ernährung von Schafen, Schweinen und Rindern der berechtigten anwohnenden Bauern. Im Buch „Schmedehausen“ erfährt man, die Pottheide war ein „mit wenigen Grasflächen untermischter Heidegrund“ auf dem „nur ganz vereinzelt Kieferngruppen“ standen.

Im Buch von Prinz „Greven an der Ems“ finden wir: „Der am 30. Dezember 1830 vollzogene Rezeß bezüglich der Aufteilung der Pott- und Ladberger Heide brachte von den 1353 Morgen, nach Abzug der für Wege, Gräben usw. verwandten Flächen noch 1295 M. unter 17 Interessenten zur Verteilung.“

Der Landwirtschaftliche Ortsverein Schmedehausen-Hüttrup stellte 1971 den Antrag auf Ausbau der Pottheide (ca. 415 ha) beim Landkreis Münster. Da 1975 in NRW die Gebietsreform erfolgte, konnte erst mit dem neuen Kreis Steinfurt die Planung fortgesetzt werden. Der Ortslandwirt Aloys Weddehage begab sich zusammen mit seinem Stellvertreter Heinz Kleinemaß erfolgreich nach Brüssel zu der EU-Behörde, die zustimmen musste, denn sie zahlte 80 Prozent der dafür benötigten 1,8 Millionen DM. Die Entwässerung und Erschließung der Pottheide begann somit erst im Jahre 1975.

Und außerdem: Seit vielen Jahren stand in der Pottheide die Vogelstange der Schützenbruderschaft St. Reinhildis Schmedehausen-Hüttrup (1907), seit einigen Jahren gibt es jedoch eine fahrbare Vogelstange. Am Tage des Schützenfestes (Fronleichnam) erfolgt nach der Totenehrung der Abmarsch in die Pottheide zum König-, Schülerprinzen- und Prinzenschießen. Am zweiten Festtag tritt die Bruderschaft an der Vogelstange an zum Kaiser- und Bierkönigschießen mit Frühschoppen und Töttchenessen.

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