Erinnerungswoche zum Thema: „Wie es früher war …“
Als Heiraten noch ganz anders ging

Reckenfeld -

Beim Betreten des Haus Marienfried waren die Gäste und Angehörigen der dort lebenden Bewohner zunächst irritiert, als sie zwei Schaufensterpuppen mit einem weißen Brautkleid samt Schleier und einem schicken schwarzen Anzug erblickten. Diese Beiden wiesen auf die jährlich stattfindende Erinnerungswoche hin, die sich in diesem Jahr rund um die Hochzeit drehte.

Dienstag, 05.03.2019, 06:54 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 07:00 Uhr
Amalia Lütke Wenning mit den Bilder ihrer Hochzeit. Das Bild wird gehütet und hängt an der Wand in ihrem Zimmer im Haus Marienfried
Amalia Lütke Wenning mit den Bilder ihrer Hochzeit. Das Bild wird gehütet und hängt an der Wand in ihrem Zimmer im Haus Marienfried Foto: Privat

„Wie es früher war …“: Das Wochenprogramm mit einem Brautpaar von früher als Titelbild in der Hand haltend, ließ bei Amalia Lütke Wenning auf den ersten Blick an ihre eigene Hochzeit und ihren Ehemann denken. „Schauen Sie mal, mein Hochzeitsbild“, zeigte sie auf ihr Hochzeitsporträt, das in ihrem Zimmer an der Wand hängt.

Erst in der vergangenen Woche eingezogen, hatte es dort einen neuen würdigen Platz erhalten. „Das Hochzeitskleid, der Schleier und der Brautstrauß sehen fast so ähnlich aus wie auf dem Titelbild des Programms in dieser Woche. Aber leider ist mein Mann schon vor 32 Jahren gestorben“, erzählte sie und sie senkte traurig und nachdenklich den Kopf.

So geht es vielen Bewohnern des Seniorenheims. Und auch nicht Verheiratete oder schmerzlich Geschiedene haben Hochzeiten in ihrer familiären Umgebung oder Nachbarschaft miterlebt und mitgefeiert. Trotzdem, oder auch gerade wegen dieser Momente im Leben tut es gut und ist es sinnvoll, sich im Alter daran zu erinnern. „Dem möchten wir mit unserem besonderen Angebot auf die Sprünge helfen. Das ist Erinnerungsarbeit, mit der das Erinnern an lebensgeschichtliche Ereignisse und gelebte Beziehungen angestoßen, belebt und ausgetauscht wird“, so Petra Drees vom Team der Sozialen Betreuung im Haus.

Beginnend mit dem Besuch des Hochzeitsbitters, der früher von den Heiratswilligen mit dem Rad oder auch zu Fuß auf den Weg geschickt wurde, um die ausgewählten Gäste zur Hochzeit einzuladen.

Agnes Drees mit adrettem dunklen Anzug, weißem Hemd und Zylinder ausgestattet, kam mit einem bunten Stock und einem Flachmann in der Tasche ins Haus. Alle Eingeladenen erhielten einen Schluck aus der Flasche und knüpften, wie es Tradition war, ein weiteres buntes Band an seinen Stock, damit er immer bunter und die Schar der Eingeladenen daran äußerlich sichtbar wurde.

Am nächsten Tag stand der Besuch von Michael Schreiber, dem ehemaligen Standesbeamten der Stadt Greven, auf dem Programm. Er berichtete über seinen langjährigen Dienst und erläuterte den historischen Entstehungsgrund der standesamtlichen Trauung von der Französischen Revolution bis zum heutigen Tage.

Dass früher noch Trauzeugen erforderlich waren, die Namensfindung aufgrund der tradierten Weise oft kein Problem darstellte und diese sich häufig tatsächlich ausschließlich als reinen Verwaltungsakt darstellte, als unbedingte Voraussetzung für die danach stattfindende und gefühlte ‚echte’ Heirat in der Kirche diente. Einige amüsante Erlebnisse besonderer Trauungen ließ die anwesenden Bewohner schmunzeln.

Dann folgte der Besuch des katholischen Pfarrers Martin Frohnhöfer, der aus seinem Dienst als Assistent der kirchlichen Trauung erzählte. Da gab’s natürlich so manche Besonderheit zu hören.

Der besondere Schmuck, der Kranz mit den selbst gemachten weißen Rosen, durfte natürlich nicht fehlen. Die Bewohner trafen sich nachmittags, das Rosenkrepppapier, das „Mühlchen“ für den Rosenrand, waren vielen bekannt und los ging’s. Beim Rosenmachen wurde so manche Erinnerung wach und erzählt und natürlich durfte auch das ein oder andere Schnäpschen nicht fehlen.

Der Abschluss der Woche bildete eine „Hochzeitliche Kaffeetafel“ am Freitagnachmittag. Bei weißer Tischdecke, schön gefalteten Servietten, Kerzenschein und spärlicher Blumendekoration auf dem Tisch aus Rosenblütenblättern wurde gefeiert. Es gab Kaffee und Frankfurter Kranz sowie bekannte Liebeslieder wie „Du, Du liegst mir im Herzen“, „Trink mal noch ein Tröpfchen aus dem kleinen Henkeltöpfchen …“ und „Ja dann ist Danz up de Deel“ – mit dem Akkordeon begleitet. „Und den liebsten Menschen, den ich geheiratet habe, trage ich in meinem Herzen immer bei mir“, so Amalia Lütke Wenning zum Schluss.

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