Nur noch Automat der Westfalenbahn am Bahnhof
Ticket-Wirrwarr in den Zügen

Greven -

Knöllchen für eine Falschfahrerin. Aber was ist, wenn die Bahn den einzigen Automaten auf Gleis 2 in Greven abbaut. Dann herrscht Chaos.

Mittwoch, 06.03.2019, 07:01 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 08:00 Uhr
Auch dieser potenzielle Zugfahrer kann aufgrund der Sonneneinstrahlung kaum etwas auf dem Display erkennen und versucht verzweifelt ein richtiges Ticket zu finden und zu beziehen.
Auch dieser potenzielle Zugfahrer kann aufgrund der Sonneneinstrahlung kaum etwas auf dem Display erkennen und versucht verzweifelt ein richtiges Ticket zu finden und zu beziehen. Foto: Peter Beckmann

Früher, da war alles einfach. Da gab es die Deutsche Bahn, da gab es den Ticketautomaten der Bahn und gut war‘s. Und: Die Fahrgäste hatten jede Menge Gelegenheiten, über die Deutsche Bahn zu fluchen.

Ja und heute? Da fahren gleich drei verschiedene Unternehmen auf der Strecke zwischen Münster und Rheine. Die Deutsche Bahn allerdings nicht mehr. Dazu kommt: Seit ein paar Tagen hat eben diese ihren Fahrkartenautomaten auf Gleis 2 abgebaut – und hinterlässt damit Gelegenheits-Zugnutzer, aber auch Vielfahrer, die nicht mehr durchblicken.

Da war zum Beispiel die Grevenerin aus dem Westen der Stadt, die mit dem Zug von Greven nach Münster fahren wollte, unter Mitnahme ihres Fahrrads. Mühlenstraße, durch den Tunnel, Treppen hoch auf Bahnsteig 2 – und dort fehlt der Fahrkartenautomat.

Tickets gibt es nicht in allen Zügen

Denn den hat die Deutsche Bahn kürzlich abgebaut. „Aber das war kein Problem, ich bin schon öfter mit der Bahn nach Münster und habe mein Zugticket im Automaten im Zug gelöst“, erklärt die Frau.

Und da kommen jetzt wieder die drei unterschiedlichen Anbieter ins Spiel, die von Greven nach Münster fahren. Denn: Normalerweise gibt es Automaten im Zug, in der Westfalenbahn aber eben nicht. Und wie das Leben so spielt: Genau diesen Anbieter erwischte die Grevenerin. Kaum war die Frau im Zug, „ich hatte das Rad gerade abgestellt“, wurde kontrolliert.

Schaffnerin vergibt trotzdem Strafticket

„Ich habe der Kontrolleurin erklärt, warum ich kein Ticket habe und habe sie gebeten, mir eine Fahrkarte auszustellen.“ Was diese aber verneinte, das gehe bei ihr nicht. Ergebnis: Die Grevenerin hat ein Strafticket in die Hand gedrückt bekommen mit der Vorgabe, die 60 Euro Strafe wegen Schwarzfahrens innerhalb von 30 Tagen zu zahlen.

Aber: Das will sie nicht und legte Protest ein – Ausgang offen. „Im Wissen der Vielfalt der Anbieter ist das Verhalten der Kontrolleurin schon reichlich unflexibel“, bemängelt die Frau. 

Noch mal: Es gibt einige Unterschiede zwischen Westfalenbahn, Eurobahn und National Express. Bei einem Unternehmen gibt es Fahrkartenautomaten im Zug, bei den anderen nicht. Und seitdem der Deutsche-Bahn-Automat von Bahnsteig 2 verschwunden ist, ist man bei allen Fahrten, die über den Nahverkehr hinaus gehen, sowieso aufgeschmissen – zumindest nach 18.30 Uhr und ab Samstagmittag und am kompletten Sonntag. Denn da hat der Ticketshop im Bahnhofsgebäude nicht geöffnet, im Automaten der Westfalenbahn gibt es aber eben nur Tickets für den Nahverkehr.

Ein neuer Automat wird kommen

Aber: Das soll sich „so schnell wie möglich ändern“, erklärt Gunnar Krampe, Regionalmitarbeiter des NWL (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe). „Wir haben bereits unseren Vertriebsdienstleister beauftragt, auf Gleis 2 in Greven einen Automaten aufzustellen.“

Dass dieser Dienstleister ausgerechnet ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ist, die ja gerade ihren Automaten abgebaut hat, ist dabei besonders kurios. Ein Trost: Dieser Automat bietet künftig auch Tickets für Fahrten über den Nahverkehrsbereich hinaus. „Das war Voraussetzung der Ausschreibung.“

Den Vorfall mit der Grevenerin findet Krampe höchst unglücklich. Er verspricht, sich für sie bei der Westfalenbahn einsetzen. Aber eines ist klar: In der Westfalenbahn wird es auch künftig keine Automaten geben. „Die Westfalenbahn fährt von Münster nach Emden, also zum größten Teil durch Niedersachsen. Philosophie der Niedersachsen, die in diesem Fall das Sagen haben, sind automatenfreie Züge“, bedauert Krampe.

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