Ausschuss soll Eintrag in Denkmalliste absegnen
Ein politisches Symbol

Greven -

Über 20 Millionen fließen ins Rathaus und in ein gewaltiges modernes Energie-Projekt. Das Riesenprogramm der Stadt im Überblick.

Donnerstag, 07.03.2019, 07:32 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 15:42 Uhr
Das Rathaus mit dem hervorragendem Ratssaal.
Das Rathaus mit dem hervorragendem Ratssaal. Foto: Günter Benning

Als das Grevener Rathaus gebaut wurde, schrieben Demonstranten schon mal „Schade, dass Beton nicht brennt“ auf die Bauwerke der neuen Betonkultur. Gegenüber dem gewohnten Backstein oder den verzierten Fassaden der Vorkriegszeit war der nackte Rohstoff gleichzeitig Affront und politische Ansage. Direkt und schnörkellos wollte man sein. Für den Stil fand sich das französische Wort „Brutalisme“. Das klingt deutsch nach „brutal“, meint aber, dass man hier die rohe Betonstruktur sprechen lassen wollte.

Das Rathaus wurde von dem renommierten Architekten Dieter Oesterlen gebaut und 1973 eingeweiht. Im vergangenen Jahr feierte man den 45. Geburtstag. Ursprünglich war vor dem „Parlamentstrakt“ noch eine Skulptur des Düsseldorfer Künstlers Günther Uecker geplant gewesen. Wegen der Kosten scheiterte das Projekt allerdings im Rat mit knappster Mehrheit. Derzeit gibt es Bemühungen, mit dem greisen „Nagelkünstler“ Kontakt aufzunehmen, um möglicherweise im Zug der Renovierung die geplante Skulptur doch noch zu realisieren.

Das Rathaus zeichnet eine klare Trennung der Funktionen aus. Im viergeschossigen zentralen Gebäudeteil sind die Verwaltungseinheiten mit großem Publikumsverkehr, im sechsgeschossigen Büroturm die Verwaltungseinheiten mit eher geringerer Besucherfrequenz untergebracht. Kennzeichnend ist die hervorgehobene Bauweise des Parlamentstraktes mit dem großen Ratssaal, dem kleinen Sitzungssaal und den Fraktionszimmern. Das Ratssaalfenster öffnet den Blick auf die Altstadt, der Trakt ist deutlich von der übrigen Verwaltung abgetrennt, um die Unabhängigkeit der Politik zu betonen. Hier ist Architektur auch eine Aussage für ein neues Demokratieverständnis geworden.

Dem Ausschuss für Stadtplanung liegt am 14. März der Beschlussvorschlag vor, das Rathaus in die Denkmalliste der Stadt aufzunehmen.

Denkmalwert, so die Begründung, sei das Rathaus mit dem vorgeschobenen Ratssaal und der bauzeitlichen Ausstattung (insbesondere Naturstein- und PVC-Fußböden sowie erhaltenes bauzeitliches Mobiliar), jedoch ohne das jüngere obere Parkdeck.

Das Umbau-Großprojekt gliedert sich in verschiedene Maßnahmen.

► 9,1 Millionen Euro kostet die energetische Sanierung des Rathauses (8,3 Mio) zusammen mit einer neuen Heizungsanlage für die Martinischule, Nahwärmenetz und Hausübergabestationen.

► 4,6 Millionen Euro sind für die Erdkollektoren und die Übergabestation in der Emsaue eingeplant.

► 4 Millionen Euro wird die Heizzentrale, ein Blockheizkraftwerk und das Wärmenetz kosten.

► Für diese drei energetischen Maßnahmen fallen 17 744 600 Euro an, 80 Prozent davon werden bezuschusst.

► Die Gesamtkosten der Maßnahmen werden aber darüber liegen. Insgesamt rechnet die Verwaltung mit Kosten von 16 Millionen Euro nur für das Rathaus (8,3 Millionen davon sind energetische Maßnahmen). Die gesamte Maßnahme wird also deutlich über 20 Millionen Euro kosten.

►Parallel will die Verwaltung auch die Umgestaltung der Rathausstraße in Angriff nehmen. Das macht Sinn, weil wegen des Bau eines Wärmenetzes die Straße sowieso aufgerissen werden muss. Auch hier rechnet die Stadt mit Zuschüssen.

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