Verfahren gegen den ehemaligen Leiter der Grevener Feuerwehr
Bewährungsstrafe in Abwesenheit

Greven -

Es ging um Besitz und Weitergabe kinderpornografischer Schriften. Aber eigentlich war vorher klar, was kommen würde. Richter Dr. Marc Büning, die Staatsanwältin, die Gerichtsschreiberin, zwei Mitglieder der Grevener Feuerwehr und drei Journalisten hatten nicht wirklich erwartet, dass der ehemalige Chef der Grevener Feuerwehr im Saal 1 des Amtsgerichtes Steinfurt erscheinen würde.

Freitag, 15.03.2019, 10:08 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 10:26 Uhr
Die Stühle vor der „Anklagebank“ blieben leer. Der angeklagte ehemalige Leiter der Grevener Feuerwehr und sein Anwalt erschienen nicht vor Gericht. Aus diesem Grund wurde ein Strafbefehl erlassen.
Die Stühle vor der „Anklagebank“ blieben leer. Der angeklagte ehemalige Leiter der Grevener Feuerwehr und sein Anwalt erschienen nicht vor Gericht. Aus diesem Grund wurde ein Strafbefehl erlassen. Foto: Peter Beckmann

 Statt einer mündlichen Verhandlung wurde gegen den Angeklagten ein schriftlicher Strafbefehl erlassen. Der setzt eine einjährige Freiheitsstrafe, auf drei Jahre zur Bewährung fest, ebenso wie eine Geldstrafe von 1000 Euro.

Die Vorgeschichte des Verfahrens hatte für Aufregung gesorgt. Mitte Februar des vergangenen Jahres wurde der Familienvater von seinem Amt als Leiter der Rettungswache und Leiter der Freiwilligen Feuerwehr suspendiert. Die Gründe blieben zunächst im Dunklen. „Stellen Sie sich das Schlimmste vor und legen Sie noch eine Schüppe drauf“, hatte der Erste Beigeordnete Cosimo Palomba damals erklärt und sich in Schweigen gehüllt.

Ähnlich die Staatsanwaltschaft Münster. Die berief sich auf laufende Ermittlungen. Und als diese abgeschlossen waren, wurden ebenfalls keine Gründe für die Anklage benannt. Schließlich beantragte der Ex-Feuerwehrchef Mitte des vergangenen Jahres die „freiwillige“ Entlassung aus dem Dienst zum Ende des Jahres.

Offene Fragen

Erst kurz vor Verhandlungsbeginn wurde klar: Dem Familienvater wurde der Besitz und die Weitergabe von „kinderpornografischen Schriften“ vorgeworfen. Wie die Staatsanwaltschaft dies aufdeckte, wird wohl auch weiter eine unbeantwortete Frage bleiben. „Dazu geben wir keine Auskunft“, sagte Richter Dr. Marc Büning am Donnerstag.

Ob es mit der weltweit operierende Kinderpornoplattform „Elysium“, die im Darknet 80 .000 aktive Nutzer hatte und im vergangenen Jahr aufflog, im Zusammenhang steht, wie von einigen Seiten behauptet, wird wohl ebenfalls nicht zu verifizieren sein.

Geldstrafe geht an Kinderschutzbund 

Dass der Angeklagte, der inzwischen in Emsdetten wohnt, und sein Anwalt nicht vor Gericht erscheinen würden, war vor Prozessbeginn klar. „Das wurde uns im Vorfeld telefonisch mitgeteilt“, erklärte der Richter. Dass dann per Strafbefehl ein Strafmaß festgelegt werden kann, ist übliche Praxis. Möglich ist das bis zu Haftstrafen von einem Jahr, erklärt Richter Büning.

Die Geldstrafe muss der Angeklagte an den Kinderschutzbund überweisen. Eine weitere Auflage ist die Fortsetzung der bereits begonnen psychotherapeutischen Behandlung.

Der Angeklagte kann innerhalb einer Woche dagegen Einspruch einlegen. Das würde dann eine Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht zur Folge haben.

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