Planungsausschuss setzt Signal
Jetzt wird das Rathaus ein Denkmal

Greven -

Lange Rede, kurzer Sinn: Grevens Rathaus wird in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Das beschloss am Donnerstag der Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt (ASU), der damit einen Schlussstrich unter eine mindestens sechsjährige Diskussion setzte: Einstimmig, keine Gegenstimme.

Samstag, 16.03.2019, 07:54 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 08:43 Uhr
Die Fassade des Rathauses: Der Ratstrakt öffnet sich zur Stadt hin – ein architektonisches Symbol.
Die Fassade des Rathauses: Der Ratstrakt öffnet sich zur Stadt hin – ein architektonisches Symbol. Foto: Günter Benning

Die lange Rede hielt Grevens ehrenamtlicher Denkmalpfleger Hans Galen. Der war CDU-Fraktionschef, als das Rathaus gebaut wurde. Und seither leidet er an einer der größten politischen Schwarten, die ihm zugefügt wurden. Als der Rat entscheiden sollte, ein Lichtkunstwerk des Nagelkünstlers Günther Uecker an der Betonwand des Ratstrakts zu installieren, sorgte ein Umfaller aus seiner Fraktion für ein 50:50-Prozent-Patt.

Das Rathaus als Leuchtturm – aus der Traum. Die Kunst kam nicht, dafür zwei Bäume. „Die müssen abgeholzt werden“, forderte Galen. Und mit etwas Glück könnte der greise Künstler Uecker in Düsseldorf ja dann doch noch seine Lichtinstallation in Greven verwirklichen. Interessierte Kreise arbeiten daran.

„Nennen Sie mir ein anderes Gebäude, das die Identität Grevens darstellt“, warb der Architekt Prof. Jan Cejka (Reckenfeld direkt) im Ausschuss für die Unterschutzstellung, „die Wahrzeichen der Stadt sind die Kirche und das Rathaus.“

Schon 2013 hatte der ehemalige FDP-Ratsherr Ulrich Brinkhoff den Antrag gestellt, das Rathaus zu schützen. Hans Galen unterstützte das Ansinnen. Damals lehnte der ASU ab. Die Mitglieder fürchteten die Konsequenzen, denn die Möglichkeit, das Rathaus abzureißen und ein neues zu bauen, wäre damit stark eingeschränkt worden. In Ahlen, wo ebenfalls ein Rathaus aus der Ära existiert, hat jetzt ein Ministererlass den Abriss ermöglicht.

Für die anstehende Sanierung des Rathauses plant die Stadt 8,3 Millionen Euro ein, erklärte im Ausschuss Matthias Herding, Fachbereichsleiter im Planungsamt. Die Hürden bei den energetischen Vorgaben, wies er auf den Vorteil des Denkmals hin, seien deutlich niedriger als bei Neubauten.

Das Rathaus wurde von 1971 bis 1973 errichtet nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen aus Hannover. Oesterlen gilt als einer der namhaftesten Architekten der Nachkriegsmoderne. Prägend an dem Gebäude ist der aufgeständerte Ratstrakt, der sich deutlich von dem Verwaltungsteil abhebt. Denkmalswert ist übrigens nur das Rathaus selbst – nicht das nachträglich angebaute Parkhaus.

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