Gymnasiasten interviewen Bürgermeister Vennemeyer
„Wir sind nicht weiter als damals im Mittelalter“

Greven -

Rund 60 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums interviewten im Rahmen ihres Erdkundeunterrichts den Grevener Bürgermeister Peter Vennemeyer. Neben typischen Jugendanliegen wurde auch über langfristigere Engagements wie den Umweltschutz debattiert.

Montag, 18.03.2019, 20:43 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 20:50 Uhr
Rund eine Stunde lang tauschte sich Vennemeyer mit den Schülern aus. Diese hatten sich wochenlang darauf vorbereitet.
Rund eine Stunde lang tauschte sich Vennemeyer mit den Schülern aus. Diese hatten sich wochenlang darauf vorbereitet. Foto: res

Im Großen Sitzungssaal des Rathauses trafen zwei Klassen der Jahrgangsstufe 9 den Bürgermeister, sie hatten sich seit einigen Wochen unter Aufsicht des Erdkundelehrers Herrn Heinichen auf das Gespräch vorbereitet. Hierbei halfen vor allem Zeitungsartikel zu den Themen Stadtentwicklung, Infrastruktur und über die eigene Schule, doch auch eigene Fragen und Anliegen wurden besprochen.

Entgegen der Vermutung, dass das Baugebiet Wöste zugebaut sei, berichtete der Bürgermeister, nur die Hälfte der Grundstücke sei tatsächlich bebaut. Darüber hinaus lagen die Prognosen, die pro Wohnort 2,5 Bewohner vorausgesagt hatten, weit unter dem eigentlichen Niveau. Dadurch sei es zu einer hohen Nachfrage nach Infrastruktur in der Wöste gekommen.

Folglich müsste durch den hohen Zuzug an Einwohnern auch ein Anstieg an Geschäften in der Fußgängerzone der Grevener Innenstadt zu verzeichnen sein. In der Realität hingegen würden längst nicht alle Läden genutzt. Vennemeyer sieht die Ursache für die Leerstände und die Stagnation auf diesem Gebiet auf der einen Seite in den horrenden Kosten für die Mieten in den Läden, die teils denen am Prinzipalmarkt glichen, und auf der anderen Seite in der erdrückenden Online-Konkurrenz.

Auch die Altersstruktur in Greven wurde behandelt. Ein Drittel aller Grevener ist im Rentenalter. Auf die Situation könne man mit gemeinsamer Freizeitgestaltung oder mit gemeinsamen Wohnstrukturen antworten.

Auch das Augustinianum betreffende Angelegenheiten kamen nicht zu kurz. Vennemeyer sicherte der Schule die finanzielle Unterstützung für die von den Schülern initiierte kreative Umgestaltung der Lindenstraße, die die beiden Schulteile des Gymnasiums trennt, zu. Jedoch müssten Rettungswagen immer noch in der Lage sein, die Straße zu passieren. Außerdem arbeite die Stadtverwaltung laut Vennemeyer an einer künftigen Renovierung des Schulteils West 1, die bisher aufgrund eines mangelnden Angebots an Architekten noch nicht erfolgt sei.

Auf die Frage nach dem stockenden Glasfaserausbau, entgegnete der Bürgermeister, dass fast ganz Greven einschließlich des Gymnasiums von Glasfasernetzen abgedeckt sei. Der Ausbau werde teilweise nur durch die „hochkomplizierten juristischen Verfahren“ verzögert. Nichtsdestotrotz setze die Stadt alles daran, am Ende des Jahres die Weichen für den verbleibenden Ausbau zu stellen.

Die Schüler trugen zudem zwei weitere Fragen im Kontext der Zukunft Grevens vor. Zuerst wurde erfragt, was Greven in Sachen Klimawandel unternimmt. Diesbezüglich hob Vennemeyer besonders den Gold-Status Grevens im Europäischen Qualitätsvergleich hervor. Jedoch gestand er auch ein, dass sich ein kompliziertes neues Netzwerk für einen zunehmenden Gebrauch von E-Autos bisher kaum lohne, da es lediglich sieben solcher Fahrzeuge in Greven gäbe. Doch es konnten weitere kleine Erfolge verbucht werden, wie den Umbau des Fuhrparks auf E-Mobilität sowie eine ausgefeilte Strategie des „Carsharings“.

In Vennemeyers Aussagen ließe sich hineininterpretieren, dass Greven auf dem Gebiet des Klimawandels und der E-Mobilität eine stetige und kontinuierliche Innovation anstrebt.

Am Ende des Interviews wurde Peter Vennemeyer die bis dahin wohl persönlichste Frage gestellt. Seine Antwort auf die Frage, was er, könnte er in 100 Jahren Greven nochmals besuchen, an Veränderungen erwarten würde, fiel nach kurzem Überlegen relativ deutlich aus. Der Bürgermeister würde sich eine Abschaffung des Individualverkehrs, sowie eine „Schule für Alle“ wünschen. Bevölkerungstechnisch merkte er an: „Wir sind nicht weiter als im Mittelalter.“ Daraufhin führte er aus, dass wir in hundert Jahren „eine Menge alter Menschen hier haben (werden).“

Die Schüler nutzten die Chance, einen Einblick in die Arbeit des Bürgermeisters und Lokalpolitikers zu bekommen. Andererseits konnten sie sich mit Bitten, Wünschen und Fragen über Herausforderungen und Chancen Grevens an einen echten Experten wenden. Obwohl diverse Wünsche, zum Beispiel nach einem ortsansässigen Kino oder besseren Busverbindungen wohl Zukunftsmusik bleiben werden, wurde bei einigen Jugendlichen Interesse an einem eigenen politischen Engagement geweckt.

Elias Mewe, Klasse 9b Gymnasium Greven

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