Der offene Ganztag der Martin-Luther-Grundschule
Murmelbahn und Wackelbretter

Greven -

56 Kinder der Martin-Luther-Grundschule werden in der OGS in zwei Gruppen zwischen 11.30 und 16 Uhr betreut. „Und die Plätze reichen bei Weitem nicht aus“, erklärt die Gruppenleiterin. Die Einführung einer dritten Gruppe sei in Planung.

Dienstag, 26.03.2019, 11:53 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 17:00 Uhr
Die Murmelbahn gehört zu den beliebtesten Spielen der Mädchen..
Die Murmelbahn gehört zu den beliebtesten Spielen der Mädchen.. Foto: Felicia Klinger

„Ich geb‘ euch jetzt Freundinnenunterricht“, verkündet die aufgedrehte Mia einer Gruppe ruhig malender Erstklässlerinnen, „da lernt ihr, wie ihr nett zu mir seid.“ Im hellen Obergeschoss des OGS im Martin-Luther Haus schauen Jara und Sarah von ihren Zeichnungen auf und sind nicht sonderlich begeistert von dem Angebot der Viertklässlerin. „Dann eben nicht“, meint diese und zieht Helene Fischer singend weiter zur Murmelbahn.

Dort tüfteln schon Ida und Chiara an dem perfekten Kurvenverlauf für die Murmel. „Alle Spiele sind toll, alle tausend“, meint Chiara und zeigt auf die Wackelbretter, die große Brettspielsammlung, die selbst gebauten Kartonhäuser und das Bücherregal. Vor allem Gregs Tagebuch hat es den Kindern angetan. „Das ist so lustig“, sagt Ida. Manchmal gebe es aber durchaus Gerangel um die Spielsachen meint Gruppenleiterin Jutta Dolscheid. „Dann überlegen wir uns im Stuhlkreis zusammen, wie wir das handhaben wollen“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, dass die Grundschulkinder selbst mitbestimmen und ihr Zusammenleben regeln.

56 Kinder der Martin-Luther-Grundschule werden in der OGS in zwei Gruppen zwischen 11.30 und 16 Uhr betreut. „Und die Plätze reichen bei Weitem nicht aus“, erklärt die Gruppenleiterin. Die Einführung einer dritten Gruppe sei in Planung. „Momentan ist es schwierig, die Plätze fair zu vergeben“, so Dolscheid. „Einerseits sind die Doppelverdiener-Eltern wirklich auf uns angewiesen, andererseits möchten wir auch besonders Kinder aus sozialschwächeren Familien oder mit Fluchterfahrung bei uns fördern.“

Wenn die Pädagogin von ihrer Tätigkeit erzählt, meint man, sie bräuchte eigentlich einen eigenen Logistiker, um den Überblick zu behalten. „Ja, vieles ist Organisation und gute Kommunikation“, sagt sie. „Mal wird ein Kind früher abgeholt, ein anderes ist mit seiner Gruppe auf dem Spielplatz. Aber das bekommen wir hin.“

Alle Kinder auf einem Schlag seinen sowieso selten im Raum. „Sonst würde es tatsächlich sehr eng und laut werden“, so Dolscheid. Um 11.30 Uhr haben die ersten Erstklässler Schule aus und werden dann von einer Betreuerin abgeholt. Über den Mittag verteilt trudeln die älteren Kinder ein. Gegen 13 Uhr gibt es dann Mittagessen. Auf jeweils eine halbe Stunde getaktet, damit der Essensraum nicht zu voll wird. „Zwecks Extrawünsche ist das beim Essen eigentlich unproblematisch“, sagt die Betreuerin Miriam Rankin. „Die Eltern entscheiden ja auch selbst, ob das Kind aus der Küche isst oder sein Essen selbst mitbringt.“

Heute gibt es Rohkost, Pizza und Pflaumenstreuselkuchen zum Nachtisch. „Manchmal ist das Essen lecker, manchmal doof“, kommentiert die junge Sarah die Küche.

Nach dem Essen kommt das „Pflichtprogramm“ – die Hausaufgaben. In kleinen Gruppen werden die Schüler betreut. „Da wir insgesamt acht Betreuerinnen hier sind, haben wir die Möglichkeit wirklich in Ruhe zu arbeiten“, erklärt Jutta Dolscheid. „Außerdem unterstützen uns auch die Lehrer der Schule.“ Für die sei es vor allem interessant, ihre Schüler in einem anderen Lernkontext zu erleben. „Davon profitieren alle“, so Dolscheid. Außer freitags, da bleiben die Schüler von den Hausaufgaben verschont. „Uns ist es wichtig, dass die Eltern am Wochenende mit ihren Kindern lernen, damit sie etwaige Schwierigkeiten selbst mitbekommen“, erklärt die Pädagogin. Einen Nachmittag ohne Lernstress zu haben, ist auch für die Betreuerinnen schön. „Dann haben wir mehr Zeit für eigene Projekte oder AGs“, sagt Jutta Dolscheid. „Momentan haben wir eine kleine Koch-AG.“ Andere AGs wie Schach, Breakdance, Fußball oder Trommeln hat die OGS etwas reduziert. „Die Kinder wollen nach dem Schultag oft nur frei spielen“, so Dolscheid. Viel schöner finde sie es, spontan und individuell auf die Gruppe einzugehen und das anzubieten, was sie selbst kann.

In dem Moment rasen die Kinder durch den ganzen Raum, um stolz ihren Tischkicker zu präsentieren. Der steht in einem kleinen Raum, in den sich manche auch zum Tuscheln oder Lesen zurückziehen. „Aber immer nur lesen, wäre auch langweilig“, meint Mia. Als die ersten Eltern zum Abholen kommen, ist bei vielen Jüngeren die Freude groß. Antonia hingegen muss noch schnell die Murmelbahn fertig aufbauen und bittet: „Mama, darf ich noch länger bleiben?“

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