Seit zwei Jahrzehnten wird über die Verbindung von Rathaus und Ems nachgedacht
Der Platz der guten Hoffnungen

Greven -

Autos, Container, Leerfläche wohin das Auge reicht. Zwischen Emsdeich und Rathaus zieht sich rechts der Rathausstraße Grevens größte Innenstadtwunde hin. Dabei gab es schon vor Jahrzehnten baureife Planungen dafür.

Sonntag, 31.03.2019, 08:24 Uhr aktualisiert: 31.03.2019, 08:50 Uhr
Auf dem weiträumigen Gelände zwischen der Straße An der Lake und dem Emsdeich parken heute vor allem Autos. Zerschnitten wird sie von der Bundesstraße.
Auf dem weiträumigen Gelände zwischen der Straße An der Lake und dem Emsdeich parken heute vor allem Autos. Zerschnitten wird sie von der Bundesstraße. Foto: Günter Benning

„Grüne Lunge Grevens, Funpark Greven, Ems-Auen Entertainment“ – auf einer Seite hatte allein der Grevener Architekt Frank Sabrowski Anfang der 2000er Jahre mögliche Namen für das Areal erdichtet. Passend zur Kommunalwahl im kommenden Jahr könnte der erweiterte Rathausplatz wieder zum Thema werden.

Denn angesichts von prognostizierten 40 000 Einwohnern in wenigen Jahren, stellt sich allen Parteien die Frage nach baulicher Entwicklung zum Wohnen und Leben. Vergangene Woche hatte bereits die SPD bestätigt, dass sie eine alte Idee des Greveners Uwe Habben interessant findet. Habben könnte sich eine bebaute Fläche von der Straße Hinter der Lake bis zum Emsdeich denken. Über die Bundesstraße hinweg.

CDU-Vorsitzender Jürgen Diesfeld kündigte an, seine Fraktion werde in Kürze Überlegungen für Wohnbebauung in der Stadt präsentieren. Und Dr. Michael Kösters-Kraft von den Grünen meinte, man könne ja auf dem Gelände „eine autofreie Siedlung“ bauen. Stadtnah, bahnhofsnah, aber weit entfernt von den Wohn- und Geschäftszentren, die andere im Blickfeld stehen.

Schon um die Jahrtausendwende gab es hochfliegende Pläne für das Gelände. Im Kern ging es zwei Investorengruppen darum, eine Art Unterhalts- und Businesszentrum an der Rathausflanke entstehen zu lassen.

Der Grevener Unternehmer Josef Rahmann hatte hier ein Kino mit vier Sälen als Ankerpunkt geplant. Dazu einen Verbrauchermarkt und Dienstleistungsgewerbe. Gespräche mit dem münsterischen Großkinobetreiber Esch waren bereits geführt worden. „Wir hatten auch Überlegungen“, sagt Rahmann, „den Busbahnhof im Gebäude zu integrieren.“

Konkurrierend dazu hatten die Architekten Bernhard Schulze Gronover und Andreas Galert einen Entwurf präsentiert, der über die Bundesstraße hinwegreichte. Im Schatten des Emsdeichs war darin auch Wohnbebauung eingeplant.

Kino, Disco, Einkauf, Wohnen – all diese Stichworte geisterten jahrelang durch die Diskussion. „Kino in Greven schon in zwei Jahren Realität“, titelte diese Zeitung im November 1999. Drei Jahre später war das Projekt gestorben. CDU, UWG und FDP votierten gegen die Baupläne. SPD, Grüne und damals Pro G hätten die Investoren lieber weiterentwickeln lassen. Die Schlacht ging knapp aus, wie oft in Greven: 19 gegen 17 (zwei Enthaltungen).

Zwischendurch hatte übrigens 2001 Kunstvereinsvorsitzender Stephan Kube eine Ausstellung im Kunstturm angeregt, die Visionen für Greven ins rechte Licht rückte. Mit von der Partei Schulze Gronover und Galert, die in ihrem Plan die Ems anstauten, eine Marina anlegten und Motorboote vorm Rathaus ankern ließen. Schulze Gronover: „In Holland lässt sich sowas bauen, die können mit Wasser umgehen.“

Fast zwei Jahrzehnte danach stehen die Zeiger wieder auf Anfang. Das Gelände, findet Investor Josef Rahmann, „schreit danach, bebaut zu werden – auch der Schritt zum Emsdeich ist realistisch.“ Für Schulze Gronover wichtig ist auch, dass der Überwurf-Entwurf von Uwe Habben Freiraum enthält: „Die Kirmes könnte weiter dort stattfinden.“

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