Promi-Prof Niko Paech zu Gast am Augustinianum
Sparen, verzichten – glücklich sein!

Greven -

Niko Paech ist heute, wie immer, mit dem Zug angereist. Trägt ein, so seine eigene modische Analyse, „ranziges Oberteil“. Und hält seine Präsentation in der Aula des Gymnasiums auf einem zwölf Jahre alten Laptop. Um die Welt zu retten, da macht sich der prominente VWL-Professor und Erfinder der „Postwachstumsökonomie“ nix vor, reicht das nicht.

Freitag, 29.03.2019, 19:25 Uhr aktualisiert: 31.03.2019, 12:38 Uhr
Niko Paech ist ein Prediger für die Nachhaltigkeit.
Niko Paech ist ein Prediger für die Nachhaltigkeit. Foto: Stefan Bamberg

Dass für die Menschheit trotzdem noch nicht alles verloren ist, daran glaubt er fest: „Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können.“

Was genau? Die durchschnittliche globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf zwei Grad zu beschränken. Aber dafür muss, predigt Paech nun schon seit Ewigkeiten, quasi alles anders werden.

Und wir müssen handeln. Müssen für dieses Klimaziel von zwölf Tonnen CO2-Ausstoß pro Kopf pro Jahr runter auf 2,5 (beziehungsweise weniger, wenn sich die Weltbevölkerung weiter erhöht).

Diejenigen, die das maßgeblich wuppen müssen, sitzen am Donnerstag vor ihm. Zugleich diejenigen, die – so schroff formuliert er das – vom Aussterben bedroht sind: Schülerinnen und Schüler, eingeladen vom „Arbeitskreis Nachhaltigkeit“ des Gymis. Die dieses nun wirklich weltbewegende Thema auch sichtlich bewegt; einige von ihnen haben sich auch schon an den „Fridays-for-Future“-Kundgebungen beteiligt.

Doch was sie hier hören, geht deutlich weiter: Paech steht für einen Ansatz, der drastische Genügsamkeit statt „Irgendwie-ein-bisschen-weniger“ vorsieht. Der die von der Regierung befeuerte Energiewende für eine Nebelkerze hält: „Sie basiert darauf, dass wir unseren Lebenswandel bloß nicht mäßigen müssen.“

Im Gegenteil: Die Probleme würden durch immer neue Technik nur noch verschärft – denn irgendwo müsse die alte ja schließlich hin.

Paech wirbt fürs Reparieren statt fürs Produzieren, fürs Verzichten statt Verbrauchen, fürs „Sparen, Sparen, Sparen!“ – und anhand aktueller Studien aus der Glücksforschung letztlich fürs Zufriedensein: „Ab einem bestimmten Niveau macht Konsum nicht mehr froh.“ Das Dilemma dabei: Bewusstsein für Ökologie wachse, die Bilanzen indes würden immer verheerender. Eine peinliche Statistik dazu gefällig? 50 Prozent der Grünen-Wähler finden es total dufte, dass Flugreisen nun für jedermann erschwinglich sind. Dabei könne, wer fliegt, Kreuzfahrten macht oder oft Fleisch isst, all sein Mülltrennen, Mit-dem-Rad-ins-Büro-Fahren oder „Hambi-bleibt!“-Demonstrieren – etwas überspitzt gesagt – in die Tonne hauen. Da werde der 29-Euro-Easy-Jet-Städtetrip mal ganz locker mit einer Bionade weggespült: „Das Gewissen sitzt direkt unter der Leber“, frotzelt Paech.

Der Ökonom mit dem Fuß auf der Wachstumsbremse ist ein Fan der plastischen, gelegentlich flapsigen Beispiele. Doch bei aller Radikalität – der Prof bleibt differenziert: Natürlich brauche man Autos, PCs, ja vielleicht sogar Smartphones. „Entscheidend ist nur: Wie viele?“, meint er. Und liefert einen Matchplan: Die Wochenarbeitszeit wird von 40 auf 20 Stunden reduziert. Von unserem Lohn könnten wir dennoch leben, weil wir uns die Karre mit mehreren teilen, unsere Handys zehn Jahre behalten statt immer neue zu kaufen.

Und die gewonnene Zeit würden wir nutzen, um unser Essen selber anzubauen. Noch Fragen? Eigentlich nur eine: Warum findet eine so fabelhafte Veranstaltung im schulinternen, nichtöffentlichen Rahmen statt? Das erhellt sich bei bestem Willen nicht.

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