Michael Schenker stellt sein neues Album in Greven vor
Offenbarung im Swimmingpool

Greven -

Michael Schenker wird mit einem kräftigen Handschlag begrüßt und zieht schnell die Hand zurück. Seine Hände sind schließlich sein Kapital.

Donnerstag, 04.04.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 15:56 Uhr
Im ehemaligen und glücklicherweise trockenem Swimmingpool in der Villa an der Marktstraße ziehen sich die Musik-Journalisten aus allen Herren-Ländern die neue Scheibe von Michael Schenker `rein.
Im ehemaligen und glücklicherweise trockenem Swimmingpool in der Villa an der Marktstraße ziehen sich die Musik-Journalisten aus allen Herren-Ländern die neue Scheibe von Michael Schenker `rein. Foto: Felicia Klinger

Von seiner Tasche baumeln schwarze Handschuhe. „Ich muss mir da irgendwas anderes einfallen lassen“, sagt der Gitarrist, der die Scorpions und die Gruppe UFO groß machte und nun sein neues Album vor der europäischen Musikpresse vorstellt. „Revelation“ – Offenbarung heißt es.

Eine Offenbarung ist es auch, im ehemaligen Schwimmbad einer Fabrikantenvilla, mitten in der Grevener Fußgängerzone, ein hochprofessionelles Musikstudio zu finden. Michael Voss, freudig-aufgedreht und mit wallend blonden Haaren, produziert seit zehn Jahren mit der Gitarrenlegende feinsten Hardrock. Der Pool ist mit schwarzen Teppichen verkleidet, an der Wand hängt neben einem Beatles-Plakat eine Pikachú-Plüschfigur und überall stehen Gitarren und Verstärker. Man munkelt, der Wasserhahn für das Schwimmbecken funktioniere noch. Doch der bleibt doch hoffentlich dicht . . .

Denn immer mehr Band-shirt-Träger mit Notizblock nehmen im Studio Platz, um dem neuen Werk zu lauschen. „It’s even better than the last one“, ist der 64-jährige Gitarrist überzeugt. „Ich mache das, was mir musikalisch Spaß macht.“ Der gebürtige Deutsche lebt heute in England und springt beim Sprechen munter zwischen den Sprachen hin und her. Dabei kommen auch so poetische Kreationen wie „Schritt by Schritt“ raus.

Lieber lässt er aber die Musik sprechen. Erste Gitarrenklänge tönen aus den Boxen und spätestens nach dem dritten Song wippen die konzentrierten Journalisten mit den Füßen. Einer lässt sich sogar zu einem Headbang im Sitzen hinreißen. Geflüstert wird auf Deutsch, Englisch und sogar Flämisch. Ganz vorne haben die beiden Michaels es sich bequem gemacht. Michael Voss, der Produzent, singt stumm mit, während Michael Schenker beinahe bewegungslos seinen Gitarrenklängen zuhört.

„Das ist so, als höre ich es zum ersten Mal“, sagt er, „eingespielt haben wir es ja schon im Herbst.“ Zwischen den Stücken ertönen kurze zustimmende Jubelrufe. Seine Musikkarriere beschreibt Schenker wie einen Kuchen. „Ich habe ein halbes Jahrhundert am Teig, meinem Fundament, gearbeitet, ohne zu wissen, wer ich eigentlich bin“, erklärt er. „Damit landete ich auf den größten Bühnen. Jetzt mache ich die Kuvertüre.“

Neben der Backwarenmetapher bedient er sich religiöser Bilder, um über sein Leben zu sprechen. „Jesus sprach schließlich auch in Parabeln, damit man ihn besser versteht“, meint er dazu. Für ihn stünden auf der einen Seite die Gier und auf der anderen Reinheit und Barmherzigkeit. Leitspruch: „Be true to yourself und hör‘ auf dein Herz.“ Dabei sei es ihm auch egal, wo er Musik mache, ob in Greven oder Los Angeles. Das Wichtigste seien die Menschen, mit denen er arbeitet und die Ideen kämen sowieso von Innen. „Große Städte lenken da eher ab“, sagt Schenker und streicht sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht, die unter der schwarzen Kunstfellmütze herausragt.

Nach einer guten Stunde und 13 Songs sind einige Frisuren verwuschelt und Notizzettel vollgekritzelt. Man nickt sich grinsend zu und zum Abschied gibt es eine händeschonende Umarmung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6516504?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker