Osterfeuer-Ärger in Gimbte
Nabu: „Wir sind der Anwalt der Natur“

Greven -

Stress statt alljährlicher Osterromantik in gewohnten Gefilden: Der Naturschutzbund Deutschlands sorgte in Gimbte für ein Umrücken des Osterfeuers in letzter Sekunde. War das nötig? Im Interview beziehen die Naturschützer jetzt Stellung.

Donnerstag, 25.04.2019, 16:38 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 18:58 Uhr
Kerstin Panhoff ist Kreisvorsitzende des Nabu, Gisbert Lütke dessen Geschäftsführer.
Der Naturschutzbund Deutschlands bewirkte in Gimbte den kurzfristigen Umzug des Osterfeuers. Dafür erntete er viel Kritik. Foto: Jannis Beckermann

Der Schutz der bedrohten Natur steckt beim Naturschutzbund Deutschlands (NABU) schon im Namen. In jüngster Zeit führten Interventionen der Naturschützer vermehrt zu Konflikten mit  Bürgern. So kritisierten sie etwa das Osterfeuer in Gimbte. Unser Redaktionsmitglied Günter Benning sprach mit der Nabu-Kreisvorsitzenden Kerstin Panhoff und Geschäftsführer Gisbert Lütke.

Wie sieht es mit Osterfeuern in Naturschutzgebieten aus?

Kerstin Panhoff: Die sind grundsätzlich nicht erlaubt. Es würde den Begriff Naturschutzgebiet ad Absurdum führen, wenn ich dort etwas veranstalte, das die Natur schädigt.

Jahrhundertelang gab es Osterfeuer in viel größerem Ausmaß als heute. Die Bedingungen haben sich verschärft. Warum ist das so?

Gisbert Lütke: Osterfeuer waren in der Vergangenheit Feuer, die von der Gemeinschaft durchgeführt wurden. Wir müssen feststellen, dass sich das aufsplittert. Nahezu jede größere Familie brennt heute. Es ist erfreulich, dass die Stadt Greven dies mit einer Verordnung in den Griff zu bekommen versucht. Dennoch sind die Entwicklungen nicht immer positiv.

Panhoff: Früher gab es auch nicht die Notwendigkeit, Naturschutzgebiete in diesem Maße auszuweisen. Jetzt haben wir durch den Flächenverbrauch und die Beeinträchtigung der Umwelt die Notwendigkeit, mehr Flächen zu schützen. Da kann es durchaus sein, dass sich ein traditioneller Standort für Osterfeuer plötzlich in einem Naturschutzgebiet befindet.

Sollen aus der Sicht des Nabu überhaupt noch Osterfeuer stattfinden?

Lütke: Sie müssten deutlich reduziert werden. Dort, wo Brauchtum gepflegt wird, haben wir überhaupt keine Einwände. Nur die große Anzahl der Feuer lässt daran Zweifel aufkommen. Sie das nicht immer mehr kommerzielle Veranstaltungen?

Sie kritisieren auch, dass Müll mitverbrannt wird?

Panhoff: Ja, in Gimbte, sind die technischen Betriebe nach dem Osterfeuer informiert worden, den restlichen Sperrmüll wegzubringen. Das hat dann mit Brauchtum nichts zu tun.

Der Nabu steht oft wie ein Spielverderber in solchen Situationen da. Sehen Sie das auch so?

Lütke: Wir sind Anwalt der Natur. Wir geben ihr Ausdruck, sie selber kann sich nicht artikulieren.

Man hat den Eindruck, dass die Naturschützer immer stärker ihr Veto einlegen. Ein Beispiel ist die geplante Geothermie-Anlage in der Emsaue. Hat sich die Sachlage insgesamt verschärft?

Lütke: Nein, in anderen Kommungen ist es nur so, dass, wenn Bedenken geäußert werden, mit den Bedenkenträgern Gespräche geführt werden. Das hat es in Greven weder beim Friedwald noch beim Ausbau der Ems-Geothermie gegeben. Gespräche finden nicht statt. Gespräche machen Sinn, wir sind dazu bereit.

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