Freilichtbühne Tecklenburg
Der Sound des Urwalds

Greven/Tecklenburg -

Im Tonstudio von Michael Voss an der Grevener Marktstraße wird gerade der neue Sound-Track des Dschungelbuchs eingespielt. Premiere ist am 19. Mai auf der Tecklenburger Freilichtbühne.

Mittwoch, 01.05.2019, 06:06 Uhr aktualisiert: 01.05.2019, 06:10 Uhr
Die Stars der Dschungelbuch-Aufführung der Tecklenburger Freilichtbühne mit dem musikalischen Leiter Giorgio Radoja, Produzent Michael Voss und Intendant Radulf Beuleke (v.l.)
Die Stars der Dschungelbuch-Aufführung der Tecklenburger Freilichtbühne mit dem musikalischen Leiter Giorgio Radoja, Produzent Michael Voss und Intendant Radulf Beuleke (v.l.) Foto: Günter Benning

Julian Schier ist ein Geier. „Perfekt“, sagt er, „mein erstes Engagement als Profi.“ Im Tonstudio von Michael Voss an der Grevener Marktstraße wartet der Geier Arthur auf seinen Einsatz. Hier wird gerade der neue Sound-Track des Dschungelbuchs eingespielt. Premiere ist am 19. Mai auf der Tecklenburger Freilichtbühne.

Das Dschungelbuch? Jetzt denkt man gleich an Walt Disney, Mogli, Balu und die Filmmusik von George Bruns. Wer das denkt, muss umdenken. Radulf Beuleke, der Intendant der Tecklenburger Bühne, streicht gravitätisch durch das Studio und verfolgt die Aufnahmen. Er hat die weltberühmte Findlingsgeschichte für seine Bühne neu eingerichtet.

„Die Geschichte“, sagt er, „ist vollkommen frei.“ Was bedeutet, dass Dschungelbuch-Autor Rudyard Kippling, 1936 gestorben, kein Recht an dem Stoff geltend machen kann. Die Tantiemen sind im Budget von Bühnen immer ein satter Posten.

An der Geschichte, sagt Beuleke, könne man nicht viel verändern. Aber am Kontext schon. Den Tieren in seinem Dschungelbuch werde schmerzlich bewusst, dass ihnen der Mensch mit seiner Technik immer näher auf den Pelz rückt. Ein Musical mit ökologischem Hintergrund.

Die Musik zu den Dialogen und Liedern von Beuleke hat Giorgio Radoja geschrieben. Michael Voss, Altrocker aus Greven, sorgt dafür, dass sie richtig abgemischt werden. Mit dem entsprechend rockigem Drive.

Tagelang herrscht dafür im Swimmingpool von Voss Hochbetrieb. Tatsächlich war sein Studio früher das Badehaus einer Fabrikantenvilla. Während in einem kleinen Raum die Sänger ins Mikrofon schalmeien, hocken Radoja und Voss hinter einer Reihe großer Bildschirme und Computer und geben Anweisungen: „So, jetzt alles noch mal.“

Draußen vor der Tür im dschungeldichten Garten stehen die Jungstars in Warteposition. Man kennt sich, hat teilweise die gleiche Hochschule besucht – oder ist nicht zum ersten Mal in Tecklenburg. Zehn junge Musiker sind für fünfeinhalb Monate fest engagiert, was in der Branche so etwas wie fünf Richtige im Lotto. „Das ist wie ein Ferienlager“, sagt einer.

Aber ein Ferienlager, in dem hart gearbeitet werden muss. Die Sänger und Schauspieler sind natürlich in mehreren Stücken aktiv. Sie wohnen in Pensionen oder – wie Geier Arthur – in einem schnuckeligen Fachwerkhaus mitten im Dorf. „Mit Mäusen“, sagt der Geier, der aus Rössrath bei Köln kommt und erstaunlich gut Hochdeutsch spricht.

„Ja“, erklärt er, „das misch und disch wird uns in der Hochschule abtrainiert.“ Professionell klingt halt preußisch. „Das Problem“, nickt dazu seine Kollegin Gülfidan Söylemez, „kenne ich.“ Sie ist eine Schwäbin aus Stuttgart.

Nach den zehn Profisängern kommt auf Tonstudio-Chef Michael Voss die nächste Herausforderung zu. 50 Kinder singen ihren Part. Da vibriert das trockene Studiobecken. Die CD soll zur Premiere fertig werden.

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