Windenergie in Greven
Heftiger Applaus fürs Nichtstun

Greven -

Es bleibt, wie es war. Greven schiebt die Ausweisung von Windenergieflächen auf die lange Bank. Mit 23 Nein-Stimmen gegen 11 Pro-Stimmen lehnte es der Rat am Mittwochabend ab, einem Antrag der Bürgerwind Greven zu folgen.

Freitag, 22.02.2019, 06:06 Uhr
Alte Windräder am Vosskotten. Aus Sicht von Anlagenbetreibern werden sich solche Anlagen künftig nicht mehr lohnen und müssten abgebaut werden.
Alte Windräder am Vosskotten. Aus Sicht von Anlagenbetreibern werden sich solche Anlagen künftig nicht mehr lohnen und müssten abgebaut werden. Foto: Günter Benning

Die Windrad-Projektierer hatten gefordert, die Ausweisung von Konzentrationsflächen für die Windenergie erneut aufzunehmen. Die Ablehnung wurde vom Publikum nachhaltig beklatscht. Dort hatte der Gegenwind-Gründer Prof. Dr. Werner Mathys die Gegner der Windmühlen zusammengetrommelt.

Schon im Herbst 2017 hatte Grevens Politik die Diskussion über Konzentrationsflächen für Windräder im Flächennutzungsplan auf Eis gelegt.

Erst wolle man, wiederholte CDU-Fraktionschef Jürgen Diesfeld seine Position von damals, abwarten, welche Regeln die Politik in Bund und Land für alternative Energien aufstelle. Ins gleiche Horn stieß SPD-Ratsfrau Monika Erben. Seit dem Beschluss vor zwei Jahren, meinte sie, „ist ein neuer Sachstand für uns nicht ersichtlich.“

Nur der Grüne Dr. Michael Kösters-Kraft hielt den Antrag von Bürgerwind für „voll berechtigt“. Es sei in den vergangenen Jahren viel Mühe darauf verwandt worden, Windenergieanlagen im Einklang mit der Natur zu bauen, meinte er, „aber Greven fährt eine Verhinderungspolitik.“

Kaum hatte der Rat sich für weiteres Nichtstun entschieden, verließen die Windenergie-Gegner den Saal und diskutierten draußen weiter. Die sogenannten „Bürgerwind“-Vereine, meinte da etwa Werner Mathys, seien oft nur Deckmäntelchen. Im Hintergrund säßen potente Großinvestoren. Und Grevens Bürgerwind GmbH stehe, höre man, vor der Insolvenz.

Das weist allerdings deren Geschäftsführer Stephan Eilers zurück: „Wir sind nicht insolvent, aber wir stehen vor wirtschaftlich großen Herausforderungen.“ Für die Projektierung von maximal 16 Windkraftanlagen musste Bürgerwind bisher schon tief in die Tasche greifen. Geld stand in Form von Darlehen als Risikokapital zur Verfügung: „Da geht keiner privat in Haftung.“

Eilers betont auch, dass die Mitglieder der Bürgerwind-Gesellschaft Grevener sind, Anlieger, Grundstückseigner: „Wir haben keine auswärtigen Investoren im Hintergrund.“

Die politische Großwetterlage rufe geradezu nach dem Ausbau alternativer Anlagen. Der politische Wille zur Abschaffung der fossilen Energieträger nehme auch die vor Ort Verantwortlichen in die Pflicht. Die ehrgeizigen Energie- und Klimaschutzziele, die sich der Kreis Steinfurt gesetzt habe, ließen sich nach dem derzeitigen Stand nicht erreichen. Viele Altanlagen, deren Erlös für Wartung und Instandhaltung nicht mehr ausreiche, würden in den 2020er Jahren abgebaut. Wenn es kein Repowering – also den Bau größerer Ersatzräder – gebe, werde ein „Windleistungsverlust von ca. 70 Megawatt“ folgen. In der kommenden Woche geht es vor dem Verwaltungsgericht in Münster um Restriktionen des Flächennutzungsplans am Vosskotten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6584456?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker