EU bereitet Verbot von Gummi-Granulat vor
Aus für Kunstrasenplätze?

Greven -

Nein, nicht vom 1. April, sondern vom 20. Mai stammt der „Schnellbrief“ des Städte- und Gemeindebundes, der am Mittwoch die Mitglieder des Schul-, Kultur- und Sportausschusses in Aufruhr versetzte.

Freitag, 24.05.2019, 10:50 Uhr aktualisiert: 24.05.2019, 11:34 Uhr
Ende Juni soll der DJK-Kunstrasenplatz fertig sein. Er wird technisch so ausgeführt wie ursprünglich geplant.
Ende Juni soll der DJK-Kunstrasenplatz fertig sein. Er wird technisch so ausgeführt wie ursprünglich geplant. Foto: Peter Beckmann

In dem Info-Schreiben geht es um Pläne der EU, Mikroplastik aus dem Alltag zu verbannen. Betroffen sein könnten auch Kunstrasenplätze, die bislang mit Gummi-Granulat bestückt werden. Ein Verbot könnte laut Schnellbrief schon 2021 greifen, ohne Bestandsschutz für jetzige Plätze oder Übergangsfristen.

Das würde Greven (und natürlich auch andere Kommunen) vor massive Probleme stellen. Logistisch und finanziell. Und ganz akut ging es im Sportausschuss um die Frage: Wie reagiert man kurzfristig? Schließlich entsteht gerade auf dem DJK-Gelände ein neuer Kunstrasenplatz, der SCR beginnt demnächst mit dem Bau.

Alternativen nicht gleichwertig

In Reckenfeld, erläuterte SCR-Vorsitzender Andrew Termöllen, werde man den Aufbau so wählen, dass die Füllung später notfalls getauscht werden könnte – etwa gegen Kork. In der Emsaue sieht das anders aus. Man sei dort mit den Bauarbeiten bereits so weit vorangeschritten, dass der „Point of no return“ längst überschritten sei, erläuterte der im Rathaus für städtische Infrastruktur zuständige Aloys Wilpsbäumer.

Schon vergaberechtlich sei ein Umschwenken auf eine andere Füllung (Sand oder Kork) nicht mehr möglich, technisch ebenfalls nicht, weil eine andere Konstruktion nötig sei. „Eine nachträgliche Änderung des Auftrages ist nicht möglich“, verdeutlichte Wilpsbäumer. Alternativen seien zudem „qualitativ nicht gleichwertig. Ich kann nur empfehlen, den Platz so zu Ende zu bauen, wie wir es begonnen haben.“ Die Frage eines alternativen Füllmaterials sei seiner Einschätzung nach eher etwas, das bei der nächsten Generation von Kunstrasenplätzen zu beachten sei.

Problem auf Kommunen abgewälzt

Die Erkenntnis, dass nichts so heiß gegessen wie gekocht wird, ließ die zunächst lebhaft ausufernde Debatte irgendwann wieder in geordnete Bahnen zurückkehren. DJK-Präsident Stephan Bothe nannte die Debatte über Gummi vs. Kork einen „Ideologiestreit“. Überrascht und enttäuscht sei er, dass der Verein über die Entwicklung erst im Ausschuss in Kenntnis gesetzt wurde. „In der ganzen Diskussion waren wir als Verein gar nicht beteiligt.“ Die Stadtverwaltung warb um Verständnis: Man habe selbst erst am Montag vom EU-Vorhaben erfahren.

Beigeordneter Cosimo Palomba brachten die EU-Pläne regelrecht in Rage: „Das hat inhaltlich so viel Wert, als wenn wir hier etwas auf einen Bierdeckel kritzeln würden.“ Er kann sich nicht vorstellen, dass Kunstrasenplätze einfach gesperrt würden. Das Problem „einfach auf die Kommunen abzuwälzen“, findet er naturgemäß auch nicht gerade erfreulich. „So funktioniert Umweltschutz nicht.“

Zumal, wie Wilpsbäumer erläuterte, die örtliche Kläranlage gerade mit einer Reinigungsstufe gegen Mikroplastik ausgestattet werde, so dass künftig ausgeschlossen sei, dass Kunstrasenplatz-Abwässer mit eventuellen Rückständen in die Umwelt gelangen könnten.

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