Zehn Jahre Draußenzeit
Abschalten in der Natur

Greven -

Zehn Jahre Draußenzeit – der Wildnisverein verbindet Naturerfahrung mit pädagogischen Programmen.

Montag, 03.06.2019, 06:03 Uhr aktualisiert: 03.06.2019, 12:29 Uhr
Väter und Kinder beim Aufwärmen im Tipi-Camp von Draußenzeit.
Väter und Kinder beim Aufwärmen im Tipi-Camp von Draußenzeit. Foto: Günter Benning

Eigentlich ist er ja Jurist und die Krawatte gehört zum Standard-Outfit. Aber jetzt ist Peter Guski Waldmensch. Feuermachen, Wasserholen, Brennesseln kochen. „Das ist eine ganz andere Lebensqualität“, sagt er im Tipi-Camp von Draußenzeit an der Hembergener Straße, „vor allem für die Kinder.“

Vater-Kind-Workshop war dort am Wochenende angesagt. Eins von vielen wildnispädagogischen Angeboten, die der Grevener Verein „Draußenzeit“ hier mitten im Wald bietet. In diesem Jahr feiert man zehnjähriges Bestehen mit einem Sommerfest.

Christiane Brosat und Felix von Schoenebeck waren von Anfang an dabei. Sie war in Rheda-Wiedenbrück in der Jugendhilfe tätig und hatte sich im Bereich Visionssuche und Prozessbegleiterin weitergebildet. „Visionssuche“, sagt Brosat, „das macht man oft in der Lebensmitte, in der sich Menschen fragen, was in ihrem Leben noch auf sie zukommt.“

Felix von Schoenebeck aus Havixbeck hatte sich eher mit Wildnispädagogik beschäftigt. Selbsterfahrung jenseits der Zivilisation, das erdet gestresste Städter. Die Wildnispädagogik, sagt er, „schafft native Zugänge zur Natur“.

„Friday for Future ist ja schön“, sagt Alexander Hupe aus Bocholt, „aber hier erleben die Kinder die Natur wirklich nahe.“ Er nimmt schon zum sechsten Mal an einem Vater-Kind-Wochenende teil, ist gerade auf dem Sprung zum Bogenschnitzen. „Am besten ist die Gemeinschaft“, sagt er. Im Wald setzen sich auch die Väter mal in aller Ruhe für ein Gespräch ab.

13 Hektar ist die Fläche an der Hembergener Straße groß. Wald, Wiese, der Walgenbach fließt durchs Gelände, auch im trockenen Sommer 2018 führte er immer Wasser. „Wir kannten den Besitzer“, erklärt Brosat, „er wollte hier ein naturnahes Projekt verwirklichen.“

Sie sitzt auf einer kleinen Bank im hohen Gras. Nebenan ist ein hohes Tipi, in dem eine Feuerstelle auch im Winter für Wärme sorgt. „Unser Versammlungsort“, sagt sie, „aber manchmal wollen Leute auch im Tipi schlafen.“ Geschlafen wird ansonsten in normalen Campingzelten, es gibt nur Kaltwasser, auch im Winter. Strom fließt hier nicht, aber den Handyempfang kann man nicht ausblenden – der funktioniert auch mitten im Wald.

Nebenan ist der Biogärtner „Die grüne Neune“. Er hat für Draußenzeit ein eigenes Feld bestellt, aus dem Workshop-Teilnehmer ihr Gemüse holen können. Gekocht wird in einer Art Feldküche, die Feuerstelle ist in die Erde eingelassen – so müssen die Menschen jahrhundertelang gekocht haben, als es weder Gas- noch Stromherde gab.

Das Programm umfasst viele Eltern-Kind-Kurse, aber auch Fortbildungen für Wildnispädagogen und Teambildungsangebote für Unternehmen. „Die Natur“, sagt Christiane Brosat, „kann ein Gefühl von Zuhause geben. Alles ist komplex, aber alles hat seinen Platz.“

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