Serie „Typisch Greven“
Drei Generationen Pfeifenmacher-Kunst

Greven -

Das Haus des Piepenmakers Wesselmann steht noch heute an der Münsterstraße 32 / Ecke Friedenstraße. Darin befanden sich früher der Laden, die Werkstatt und die Wohnräume der Familie Wesselmann.

Freitag, 07.06.2019, 15:10 Uhr aktualisiert: 10.06.2019, 16:42 Uhr
Johann Theodor Wesselmann.
Johann Theodor Wesselmann. Foto: Hans-Dieter Beez

Den Piepenmaker, den Pfeifenmacher Wesselmann gab es in Greven dreimal: als Johann Theodor Wesselmann, der nach den Ausführungen von Otto Pollner im Buch „Tabakspfeifen aus zwei Jahrhunderten“ dort 1850 ein Geschäft und eine Pfeifendrechslerei eröffnete, als seinen Sohn Theodor Wesselmann und als dessen Sohn Anton Wesselmann.

Der Drechslermeister Theodor Wesselmann wurde am 29.08.1856 in Greven geboren. Verheiratet war er mit Anna Clara geb. Lanwer, sie hatten zwölf Kinder. Erhalten ist sein Wandertagebuch, beginnend 1877, endend mit einem Bericht aus dem Jahre 1881.

In der Festschrift von 1919 des Grevener Katholischen Gesellenvereins befindet sich eine Werbeanzeige, die uns mitteilt, Theodor Wesselmann verkaufte in seinem Laden Zigarren und Zigaretten und er „empfiehlt sich zu sämtlichen Holz- und Pfeifendrechslerarbeiten, Haarspangen und Schirm-Reparaturen.“ Und er bietet darin auch eine „Große Auswahl in Pfeifen, Stöcken und dergl.“ an. Er hat sich auch politisch engagiert und war Mitglied des Grevener Rates. Theodor Wesselmann starb am 17.12.1933 in Greven.

Sein Sohn Anton Wesselmann, der letzte der drei Piepenmaker, wurde am 24.8.1899 in Greven geboren. Nach seiner Schulentlassung im Jahre 1913 begann er eine Ausbildung in der Grevener Textilfabrik Cramer. Dann musste er bis 1918 am ersten Weltkrieg teilnehmen. Da er französisch sprach, wurde er beim Militärdienst in Frankreich häufig als Dolmetscher eingesetzt.

Nach seiner Rückkehr arbeitete er zunächst als Postangestellter. Da der Bruder, der das väterliche Geschäft weiterführen sollte, an einer Kriegsverletzung starb, unterstützte Anton seit Beginn der 1920er Jahre seinen Vater im Geschäft und in der Werkstatt. Nach dessen Tod führte er sie weiter.

Verheiratet war er mit Anna geb. Haring. Sie hatten sechs Kinder. Seine Schwester Antonia lebte mit ihnen im Haushalt.

Auch Anton Wesselmann stellte Pfeifen her, insbesondere die damals aktuellen Pfeifen aus türkischem Meerschaum. Zum Verkauf bot er neben Pfeifen und Tabakwaren unter anderem auch Holzschuhe, Zeitschriften, Bürsten, Schulbedarf, Kämme und einige Körperpflegemittel an, wobei einige Kunden bei Geldmangel „anschreiben“ ließen. Und er verkaufte, wie ältere Grevener berichten, Süßigkeiten in allen Variationen, Bonbons auch einzeln, Schokolade auch in Bruchstücken aus dem Glas.

Nach der Teilnahme am zweiten Weltkrieg und anschließender Kriegsgefangenschaft nahm Anton Wesselmann die Geschäfte wieder auf. Den Spinnereien verkaufte er kistenweise selbst hergestellte Spulen, den Wirten selbst hergestellte Holzkugeln zum Kegeln.

Wenige Jahre nach dem Kauf des bekannten „Haus mit den sieben Giebeln“ am Hoek ließ er dieses 1971 vom THW in einer Übung abreißen und kultivierte auf der Fläche für den Eigenbedarf Obst, Gemüse, Kartoffeln.

Trotzdem blieb ihm noch Zeit für seine Hobbys. Lange Spaziergänge mit seiner Familie gehörten ebenso dazu wie die Mitgliedschaft im Schützenverein „Einigkeit Sandweg“.

Da man ihm trotz elf Beitragsjahren wegen eines einzigen fehlenden Brückenbeitrages nach dem zweiten Weltkrieg die Rente verweigerte, führte er sein Geschäft bis zum 90. Lebensjahr weiter. Seine Ehefrau war bereits 1981 verstorben. Bis zu seinem Tode am 8.10.1992 lebte er allein in seinem Haus, unterstützt von seinen Kindern.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6672956?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker