Ausprobiert: Beim Bodystyling
Ein paar Sekündchen Situps

greven -

Ist es nicht eine zutiefst gemeine Form der Folter, mich dazu bringen zu wollen, noch 30 weitere Sekunden Burpees zu machen und dabei das Wort „Sekündchen“ zu verwenden?

Montag, 01.07.2019, 00:00 Uhr
Sieht locker aus, ist aber ziemlich anstrengend. Sara Konert-Uesbeck (re.) zeigt Hannah Schrand, wie richtiges Fitness-Training aussehen muss.
Sieht locker aus, ist aber ziemlich anstrengend. Sara Konert-Uesbeck (re.) zeigt Hannah Schrand, wie richtiges Fitness-Training aussehen muss.

30 Sekündchen, die mich dem Tod näher bringen, gefühlt. Zumindest meinem Fitness-Tod. Man hört das einfach nicht raus. Diese Verniedlichung. Sekündchen.

Sara Konert-Uesbeck, oder die Tyrannin der Sit­ups, wie ich sie nach der Stunde auch nenne, gibt jeden Samstagmorgen um 10 Uhr den Kurs Bodystyling im Bildungs- und Gesundheitszentrum an der alten Lindenstraße.

Dass hinter einem so lieblich klingenden Wort wie Bodystyling eine derartige Form der Herausforderung des eigenen Körpers steckt, war mir nicht bewusst. Danach (und vor allem nach der darauf folgenden zweitägigen Ganzkörperlähmung) allerdings umso mehr.

Mit rotem Gesicht und schweißüberströmt schaue ich in die Runde. Auch meine Leidensgenossen kämpfen bei den Kniebeugen, den gesprungenen Ausfallschritten und den nachfolgenden Burpees (eine Art Liegestütz nach einem Sprung in die Luft – ziemlich fies). Jede Übung wird eine Minute lang ausgeführt. Zweimal 30 Sekündchen.

Allerdings nicht für die Trainerin. Die neun bis 13 Fitnessstunden, die sie in der Woche gibt, sieht man Sara Konert-Uesbeck an; ihr Bizeps ist fest und eisenhart.

Im BUGZ gibt die Powerfrau nur noch diesen einen Kurs, als Mischung aus den Sportkursen, die sie in ihrem eigenen, selbst gebauten Fitnessraum erteilt.

Angefangen mit ihren Kursen hat die gelernte Erzieherin in ihrem Keller. Neben Freundinnen kamen auch immer mehr Nachbarn zu ihr, um sich von ihrer Motivation anstecken zu lassen. Und die braucht man sicherlich, um sich der Tortur dieser Selbstoptimierung, hinzugeben. Mit Übungen, die ich früher für anatomisch unmöglich gehalten habe.

Danach ist sie in eine alte Fleischerei gezogen, ganz nach dem Motto „Der Speck muss weg!“. Heute hat die Fitnesstrainerin 80 eifrige Mitglieder, die ihre Fat-Burner-, Step- oder Bodyshapekurse mitmachen und die Begeisterung zum Sport teilen. Die Kundinnen sind meist zwischen Ende 20 und 30 Jahre.

„Ab und zu verirrt sich auch ein Mann zu mir“, lacht die Powerfrau. Und der ist meist überwältigt von der Intensität der Kurse, der Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining, die es in sich hat. Oft sieht man diese Männer bald nicht mehr wieder.

Sara Konert-Uesbeck macht in ihren Kursen Power-Frauen. Und sie ist das Vorbild. Sie ist schließlich nicht nur Fitnesstrainerin und Erzieherin, die aus Greven bis zur Arbeit nach Münster mit dem Rad fährt, sondern auch Mutter dreier Kinder und somit Motivation für viele Kursteilnehmer.

Das „Du“ ist für Sara Konert-Uesbeck übrigens selbstverständlich. „Ach“, lacht sie, „das sind sowieso alles meine Freundinnen.“

„Beweg, was Dich bewegt“, ruft die Trainerin nach der Stunde in die schweißgebadete, aber zufriedene Runde und lächelt.

Ich glaube, ich weiß wohin ich mich bewege – erst mal auf die Couch.

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