Reparatur mit Kaffee und Kuchen
Und der Faden klemmt nicht mehr

Greven -

Die Nähmaschine heißt Carina. „So 120 Euro hat sie gekostet“, erinnert sich ihre Besitzerin Ingrid Hülskötter. Und jetzt klemmt der Faden. Gut, dass es das Repair-Café gibt. Dort tüffteln talentierte Handwerker an allem herum, was kaputt gehen kann.

Freitag, 05.07.2019, 12:02 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 12:10 Uhr
Die Nähmaschine von Ingrid Hülskötter (r.) klemmt. Gut, dass Berndt Sebastian einen Faible für Maschinen hat.
Die Nähmaschine von Ingrid Hülskötter (r.) klemmt. Gut, dass Berndt Sebastian einen Faible für Maschinen hat. Foto: Günter Benning

Bei der Nähmaschine ist der Helfer in der Not Bernd Sebastian (73). Der gelernte Former war im Maschinenbau tätig. Als er in den Ruhestand ging, brachte ihn seine Frau dazu, Nähmaschinen für Flüchtlinge in Schuss zu bringen: „Jetzt bin ich der Nähmaschinen-Spezialist.“

Während er an Carina schraubt, setzt sich Ingrid Hülskötter nach nebenan zu Jutta Rekau. Die Frauen im Repair-Café, das jeweils am ersten Mittwoch im Monat im Pluspunkt an der Kardinal-von-Galen-Straße öffnet, sorgen für die Organisation. Und für Kaffee und Kuchen. Jutta Rekau berichtet von regem Zulauf, während sie den frisch gebrühten Kaffee eingießt. An manchen Abenden werden über 20 Reparaturaufträge erfüllt. Gegen eine Spende fürs Sparschwein.

„Früher“, erinnert sie sich, „habe ich für meine Singer-Nähmaschine einen ganzen Monatslohn bezahlt.“ Bei dem Preisverfall für viele Alltagsgeräte überlegen ihre Besitzer heute, ob sich eine Reparatur noch lohnt, wenn etwas schief läuft.

Im Repair-Café werden dagegen auch Kleinigkeiten geregelt. Etwa bei der Dame, die eine Kabeltrommel vorbeibringt. Der Stecker ist locker, muss nur neu angeschraubt werden. Kein Thema für die Helfer.

Für Wolfgang Dussa, der das EFI-Projekt mit aus der Taufe gehoben hat, ist es heute ein ruhiger Tag: „Manchmal wird es eng. Wir hatten auch schon mal vier Senseo-Maschinen hintereinander.“ Reparieren konnten die 15 Mitarbeiter auch einigermaßen kuriose Dinge: „Einen Clown, der tanzen sollte, ferngesteuerte Autos oder einen Modell-Leuchtturm, dessen Spitze sich nicht mehr drehen wollte.“

Jürgen Heidemann hat in einer Ecke sein altes Handwerkszeug ausgepackt. Er repariert Uhren. Von der Standort bis zur Kirchenuhr. Nur nichts Kleines: „Das kann ja heute fast keiner mehr.“

Und was ist, wenn nichts mehr zu machen ist? „Dann“, grinst Wolfgang Dussa, „stellen wir einen Totenschein aus.“

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