Der Klaterberg zwischen Gimbte und Greven
Heute spukt es nicht mehr

Greven/Gimbte -

Die heutige Straße von Greven nach Gimbte, die K18, wurde erst nach jahrelangem Betreiben der Gimbter im Jahre 1956 gebaut.

Freitag, 05.07.2019, 22:46 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 23:00 Uhr
Foto in den WN vom 1. Mai 1984: Maria Janzing mit dem Fahrrad auf dem alten Weg über den Klaterberg
Foto in den WN vom 1. Mai 1984: Maria Janzing mit dem Fahrrad auf dem alten Weg über den Klaterberg Foto: Privat

Die Bürgermeister Bernhard Beckmann (Gimbte) und Anton Minnebusch (Greven) stießen anlässlich der offiziellen Eröffnung der Straße Anfang Juli 1956 mit einem „Münsterländer Doppelkorn“ an.

Das Ansinnen der Gimbter auf eine direkte Verbindungsstraße nach Greven, vom Gimbter Gemeinderat beantragt und beraten im Oktober 1918, im Mai 1930 und im Februar 1950, war mehr als berechtigt. Denn Gimbte, von 1821 bis 1954 Teil des Amtes Greven, bildete 1954 mit der Stadt Greven eine Verwaltungsgemeinschaft. Seit 1975 gehört Gimbte als Stadtteil zur 1950 gebildeten Stadt Greven.

Aber Gimbte war damals schon seit sehr vielen Jahrzehnten für die Grevener an den Wochenenden, besonders aber zur Gimbter Kirmes, ein begehrtes Familien- und Herrenabend-Ausflugsziel. „Gehste mit nach Gimbte?“ war deshalb eine in Greven häufig gestellte Frage.

Der Weg nach Gimbte führte auf einem alten ausgetretenen Sandweg, ein Pättken über den bewaldeten Klaterbiärg, den Klaterberg. Im März 1953 las man in den WN: „Der Weg über den Klaterberg gehört zwar im Sommer zu den schönsten Spazierwegen in der Umgebung Grevens, bei Regenwetter aber ist er geradezu unpassierbar. Schüler und Arbeiter, die dann nach Greven wollen, müssen ihre Fahrräder stellenweise durch den Dreck tragen. Zudem wird der Weg im Frühjahr und Herbst umgepflügt und muß erst neu ausgetreten werden.“

Im Gimbter Buch von Johannes Wilp heißt es: Der Weg „war früher ein holpriger Trampelweg quer über die Äcker der Aldruper Bauern. Erst ging es von Gimbte den Fuhrweg bis Nordhoffs Busch, dort gab es eine Gabelung. Linker Hand führte der Fuhrweg weiter nach Aldrup. Rechts ging über eine kleine Steigung das Pättken durch dichten Fichtenwald weiter über einige Äcker, unterbrochen durch Wallhecken, bis zur Höhe Höpings Wiese. Dort verlief ein Fuhrweg, im Sommer sehr sandig und im Winter oft vom Schnee verweht. Im Laufe des Jahres wurden die Äcker zweimal kräftig umgeflügt.“

Das Gedicht „De Spook up’m Klaterbiärg“ des Heinrich Schlütz (1906-1935 Lehrer in Gimbte) beginnt so: „Geiss von Gimbte du nao Greiwen löpp de Padd den Hüöwel an; / Klaoterbiärg is aolt sin Naome, un et kennt em jäddermann.“

Im Mittelpunkt dieses Gedichtes macht sich ein Gimbter um Mitternacht über den Klaterberg auf den Weg nach Hause. Völlig verschreckt durch vermeintliche Spuk-Erscheinungen erreicht er sein Heimatdorf und muss sich in einer Gaststätte erst mal stärken. Die Gäste des Lokals gehen nach seinem Bericht still nach Hause. Er wandert schon bald nach Brasilien aus, seitdem spukt es nicht mehr auf dem Klaterberg, bis heute.

Der Klaterberg war aber nicht nur für seinen Spuk bei Nacht bekannt. sondern auch für eine kulturelle Kostbarkeit, für einen barocken Bildstock, der dort seit 1766 stand. Er wird im Volksmund „Kaups Beldken“ genannt. Der Bildstock wurde von C. Bernhardus Bücker und seiner Ehefrau A.M. Adelheid geb. Crude als Station der Gimbter Prozession aufgestellt. 1927 und 1933 wurde der Bildstock mutwillig zerschlagen, aber jedesmal restauriert und erneut aufgestellt.

Wegen des Autobahnbaus musste der Bildstock 1967 den Klaterberg verlassen. Nach seiner Restaurierung durch die Grevener Firma Plagemann im Jahre 1977 wurde er zunächst vor dem Hof Thomas aufgestellt, seit 2009 steht er an der Wegegabelung der Schlage mit der Kiebitzheide.

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