Containerstandort an der Hüttruper Straße
Bauern gegen Wohngebiet

Greven -

Ludger Schlautmann und seine Nachbarin Karin Horstmann saßen jüngst als Zuschauer im Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt. Aber der Tagesordnungspunkt, der die Landwirte aus Wentrup brennend interessierte, wurde verschoben. Er war brenzlig: Die Stadt will den Standort der Flüchtlingsunterkunft an der Hüttruper Straße zum „Wohngebiet“ umwidmen. Die Landwirte aus der Nachbarschaft gehen dagegen per Anwalt vor.

Donnerstag, 11.07.2019, 10:18 Uhr
Container an der Hüttruper Straße – die Stadt will die Unterkünfte für Flüchtlinge auch weiter nutzen. Auf dem Luftbild kann man erkennen, wie nah der Standort an landwirtschaftlichen Betrieben ist.
Container an der Hüttruper Straße – die Stadt will die Unterkünfte für Flüchtlinge auch weiter nutzen. Auf dem Luftbild kann man erkennen, wie nah der Standort an landwirtschaftlichen Betrieben ist. Foto: Pia Witthinrich

Als die Stadt Greven während der Flüchtlingswelle 2015 dringend Räumlichkeiten für neue Container suchte, konnte sie die Fläche neben der vorhandenen Obdachlosenunterkunft an der Hüttruper Straße erwerben. Mit Ausnahmegenehmigung wurden dort fünf Container aufgestellt. Bei Bedarf gab es dort Platz für über 100 Bewohner.

„Aber die Genehmigung“, sagt Ludger Schlautmann, der in direkter Nachbarschaft einen Schweinemastbetrieb führt, „geht nur bis zum 12. Juli 2019.“ Ab dem 13. Juli müsse seiner Meinung nach zurückgebaut werden.

Allerdings, so bestätigt Verena Schnalle, zuständige Fachdienstleiterin im Rathaus, „haben wir weiter Bedarf.“ Zwar seien die Zahlen neuer Flüchtlinge, die nach Greven kommen, rückläufig. Aber auf die Container an der Hüttruper Straße könne man derzeit nicht verzichten.

Auch Stadtplaner Matthias Herding erklärte, es gebe diesen Bedarf. Sein Amt hat daher für die Fläche einen Bebauungsplan aufstellen wollen.

Für das Grundstück, heißt es in der Vorlage, existiere zurzeit kein rechtskräftiger Bebauungsplan. Der Regionalplan stelle den Geltungsbereich als „allgemeinen Freiraum- und Agrarbereich“ dar. In der Nachbarschaft werde eine Fläche mit den Freiraumfunktionen „Schutz der Landschaft und landschaftsorientierte Erholung“ dargestellt. Außerdem liege die Containeranlage an einer „sonstigen regionalplanerisch bedeutsamen Straße“.

Im Flächennutzungsplan der Stadt Greven gilt der Containerstandort noch immer förmlich als „Fläche für die Landwirtschaft“.

Doch gegen die Aufstellung eines Bebauungsplanes, der hier Wohnbebauung erlauben würde, protestiert Ludger Schlautmann. „Seit März suchen wir das Gespräch“, sagt er. Aber erst durch seinen Anwalt habe er einen Termin beim Bürgermeister bekommen. Peter Vennemeyer habe ihm erklärt, „im Außenbereich wird nicht gebaut“.

Landwirtschaftliche Nutzung und Wohnbebauung sind häufig problematisch. Ludger Schlautmann fürchtet, wenn er seinen Schweinestall erweitern wollte, könnte die Nähe zur Wohnbebauung das verhindern. Emission spielt dabei eine große Rolle. „Aber ich habe da die älteren Rechte“, sagt der Landwirt.

„Als die Container aufgestellt wurden, hat keiner mit uns gesprochen“, sagt auch Karin Horstmann, die in der Nachbarschaft Gänse züchtet. Ursprünglich war das Gelände im Privatbesitz, aber die Stadt hatte ein Vorkaufsrecht.

Nachdem die Pläne im Planungsausschuss abgesetzt wurden, sollen sie zunächst im Ausschuss für die Bauerschaften vorgestellt werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6769619?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker