Dr. Burkhard Greulich geht in den Ruhestand
Ein Jahr nach Tansania

Greven -

Dr. Burkhard Greulich war seit 1999 Chefarzt der Internistischen Abteilung des Maria-Josef-Hospitals. Der gebürtige Düsseldorfer ist damals nach Stationen in seiner Heimatstadt und in Sendenhorst mit seiner Frau, einer Kinderärztin, und vier Kindern nach Greven gezogen. Jetzt geht er mit 63 Jahren in den Ruhestand – und hat noch große Pläne, wie er im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning berichtet.

Freitag, 02.08.2019, 19:34 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 19:40 Uhr
Dr. Burkhard Greulich in einem Untersuchungszimmer der internistischen Station im Maria-Josef-Krankenhaus. 20 Jahre lang war er hier Chefarzt.
Dr. Burkhard Greulich in einem Untersuchungszimmer der internistischen Station im Maria-Josef-Krankenhaus. 20 Jahre lang war er hier Chefarzt. Foto: Günter Benning

Sie wollen nach Afrika gehen?

Greulich: Ich habe meine ärztliche Tätigkeit in Tansania bei einer dreimonatigen Famulatur in einem Missionskrankenhaus begonnen. Jetzt werde ich meine berufliche Tätigkeit dort abschließen. Die genauen Umstände und der Ort stehen noch nicht fest.

Zurück zu den Wurzeln?

Greulich: Das war immer mein Traum, dort vollverantwortlich als Arzt zu arbeiten. Damals war ich als Student da. Jetzt möchte ich meine Erfahrung in den Dienst stellen.

Und Ihre Frau kommt mit?

Greulich: Sie kommt mit, sie ist Kinderärztin, sie kann sicherlich gut dort tätig sein.

20 Jahre in Greven – wie ist die Zeit für Sie gelaufen?

Greulich: Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Die Stelle war für mich genau richtig. Wir hatten gute und nicht gute Zeiten. Als ich 1999 anfing, sagt mir Ulrich Scheer, der CKT-Geschäftsführer, die nächsten fünf Jahre werde es sehr schwer, dann hätten wir es geschafft. Das hat sich im Rückblick nicht so dargestellt, wie man 2014 bei der Insolvenz sah.

Wie fühlt man sich als Arzt, wenn das Krankenhaus in finanzieller Schieflage ist?

Greulich: Ich habe keine große Mitschuld empfunden, aber Verantwortung für die Mitarbeiter. Das Problem ist, die Lage ist für kleine Krankenhäuser hart, auch unfair. Der Trend ist kaum aufzufangen durch Arbeit.

Wie hat sich Ihre Abteilung entwickelt?

Greulich: Sehr gut, als ich anfing hatten wir 3200 Patienten im Jahr, heute sind es 5000 Patienten pro Jahr.

Was ist der Schwerpunkt der Inneren Medizin?

Greulich: Wir sind eine Abteilung der Grund- und Regelversorgung. Alle Dinge, die häufig sind, werden vor Ort behandelt. Wer spezialisiertere Behandlung benötigt, den haben wir – schon vor der Fusion – ans Franziskus-Hospital, die CKT-Häuser oder an die Uni-Klinik vermittelt.

Hat sich Ihre Abteilung nach der Fusion mit der Franziskus-Stiftung weiter spezialisiert?

Greulich: Unsere Abteilung hat sich vor zwei Jahren durch die Hinzunahme eines Chefarztes für Kardiologie spezialisierter aufgestellt. Wir beschränken uns aber weiterhin auf die konservative, nicht-invasive Behandlung. Invasive Eingriffe bei unseren Patienten, wie Herzkatheter werden nur im Franziskus und der Uniklinik gemacht. Dort gibt es die Erfahrung – durch große Fallzahlen.

Welche Rolle spielt das Alter der Patienten?

Greulich: Wir haben eine Teilspezialisierung in der Geriatrie. Patienten benötigen neben der rein medizinischen Behandlung vermehrt physio- und ergotherapeutische sowie logopädische Behandlungen, um ihre Selbstständigkeit so weit wie möglich zu erhalten.

Die Abteilung ist hier aufgebaut worden?

Greulich: Schon vor über zehn Jahren, sie floriert sehr gut. Es ist ein Neubau der geriatrischen Station für Frührehabilitation geplant.

Gerade für ältere Menschen ist die heimatnahe Versorgung wichtig?

Greulich: Genau, sonst wäre ich hier nicht tätig gewesen. Das aktuelle Gutachten der Bertelsmann-Stiftung hat das Thema kleine Krankenhäuser ins Gerede gebracht. Heimatnähe darf nicht Ersatz für Qualität sein. Aber im Bereich der häufigen Erkrankungen können wir gute Qualität leisten. In dem Gutachten wird mit Zahlen hantiert, die man nicht nachvollziehen kann. Dass es bei einigen Krankheitsbildern wie Lungenentzündungen über 60 Prozent „Ambulantisierungspotenzial“ gäbe – kann man im Alltag nicht nachvollziehen. Das ist ein Gutachten von Gesundheitsökonomen, vom Schreibtisch aus. Für uns fühlt sich die Wirklichkeit anders an.

Hat sich die Verweildauer auch in Ihrer Abteilung verändert?

Greulich: Als ich hierher kam, lag die durchschnittliche Verweildauer bei zehn Tagen, wir sind jetzt bei rund sechs angekommen. Schon als wir 2003 eine interdisziplinäre Aufnahmestation eingerichtet haben, um diagnostische und therapeutische Prozesse schneller zu gestalten, hat sich das bewährt. Ich glaube aber, wir sind an eine Grenze gekommen.

Wird nicht vieles heute ambulant gemacht, was früher etwas fürs Krankenhaus gewesen wäre?

Greulich: Ja, 1999 wurden zum Beispiel viele Patienten aufgenommen, nur um eine Darmspiegelung zu machen. Das kommt heute fast gar nicht mehr vor.

Im Umkehrschluss heißt das, dass Sie die schwierigen Fälle bekommen?

Greulich: Es hat sich in vielen Bereichen die Behandlungsweise geändert. Zum Beispiel beim Herzinfarkt. Als ich hierher kam, fand der Umbruch statt von der Behandlung mit Gerinnselauflösenden Medikamenten hin zum Herzkatheter mit mechanischer Wiedereröffnung der Herzkranzgefäße. Dies ist erfolgreicher und war verbunden mit einer drastischen Verkürzung der Verweildauer nach einem Infarkt. Bei Patienten mit Lungenentzündung führen potentere Antibiotika dazu, dass die Behandlung im Krankenhaus verkürzt werden kann.

Was hat ihnen in Greven am meisten Spaß gemacht?

Greulich: Wir haben immer eine gute, von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit zwischen den Fachgebieten gehabt. Da wurde keine Zeit und Energie verschwendet, sich auf Kosten der anderen zu profilieren. Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegenden hat gut funktioniert.

Wie kommt der Düsseldorfer mit dem münsterländischen Temperament klar?

Greulich: Die ersten Monate waren etwas schwierig, ich habe einige Gespräche mit Patienten in Erinnerung, wo ich mich fragte, machst Du etwas falsch? Die mimischen Antworten meiner Patienten waren etwas sparsamer als ich das aus dem Rheinland kannte. Aber irgendwann ist dieses Gefühl verloren gegangen. Ansonsten ist unsere Familie enorm freundlich und wohlwollend aufgenommen worden.

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