Radeln mit eingebautem elektrischen Rückenwind
„Das ist der absolute Renner“

greven -

E-Bikes sind der absolute Renner. Der Boom begann vor vier bis fünf Jahren. Menschen aller Altersklassen wurden elektrisiert.

Sonntag, 04.08.2019, 13:36 Uhr aktualisiert: 04.08.2019, 13:40 Uhr
Dietrich und Susanne Herzberg aus Lübeck sind auf Liege-Dreirädern mit Elektrounterstützung unterwegs.
Dietrich und Susanne Herzberg aus Lübeck sind auf Liege-Dreirädern mit Elektrounterstützung unterwegs. Foto: Günter Benning

Die Dinger fahren sich wie ein Fernsehsessel mit eingebauter Fußmassage. Dietrich und Susanne Herzberg sitzen niedrig auf ihren Dreirädern. Vorne zwischen den Pedalen steckt der E-Motor, der sie beim Treten unterstützt. „Einfach herrlich“, sagt die Radlerin mit dem roten Käppi. Das Paar aus Lübeck hat auf seiner Rundreise um Münster in Greven übernachtet. Jetzt geht‘s weiter über den Emsweg.

Die Leihräder mit den drei Rädern sind absolute Ausnahmen. „Wir haben sie gemietet, 50 Euro am Tag“, sagt Dietrich Herzberg. Neu kosten die E-Bikes aus der münsterischen Schmiede von Traix Cycles schlappe 8000 Euro.

Aber elektrisch fahren geht viel günstiger. „Es ist der absolute Renner“, sagt Ulrike Remke (46), Angestellte beim Fahrradhändler Elmar Homann. Sie beobachtet den Erfolg der E-Bikes aus nächster Nähe. Der Boom begann vor vier bis fünf Jahren. Menschen aller Altersklassen wurden elektrisiert.

„50 bis 60 Kilometer am Tag sind gar nichts“, sagt Dieter Teuber (60). Er ist seit einem Jahr im Besitz eines E-Bikes.

E-Bikes haben viele praktische Vorteile. Lange Tagesausflüge sind ein Klacks. Steigung oder Gegenwind sind kein Problem mehr. Außerdem können auch Älteste den elektrischen Spaß genießen. Eine Unterstützungsstufe von Eco (schwach) bis Turbo (stark) wird ausgesucht, und ab geht die Post. Und: Das Aufladen funktioniert einfach an der Steckdose.

„Herrlich“, sagt Christine Gähr (56) und meint damit ihr E-Bike. Die 56-Jährige hat starke Beinprobleme. Die stellen aber nun für das Fahrradfahren kein Hindernis mehr dar. Seit zwei Jahren fährt sie E-Bike und ist rundum zufrieden.

„Wir fahren täglich um die 60 Kilometer und sind sechs Tage unterwegs“, sagt Burglind Schulte. Sie gehört zu einer Gruppe Fahrradtouristen, die unterwegs nach Steinfurt ist.

Insgesamt sind es 16 Leute mit Trekking-Rädern oder E-Bikes. „Die E-Bikes können um die 100 Kilometer bis zur nächsten Aufladung fahren“, so die Fahrradtouristen. Ihre Pausen verbringen sie in historischen Stadtkernen. „Die Radwege sind gut ausgebaut, und wir fahren mit einem Navi am Rad“, sagen Norbert Lanvermann und Andreas Adels. Sie sind nicht nur die Leiter der Gruppe, sondern auch Mitglieder des ADFC, des „Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs“.

Und was ist mit dem Rest?

„Wofür brauche ich das?“, fragt Walter Schlautmann (69). Er hat kein E-Bike. Der 69-Jährige legt lieber Wert auf Sport und kommt gerade aus der „Muckibude“. Allerdings, sagt er, dass die E-Bikes für Strecken von 50 Kilometern oder mehr gut geeignet seien.

Der Kaffeedurst lockt im Sommer auch oft Radtouristen ohne E-Bike in die Grevener Innenstadt. So auch Thomas Daubner (53) und Doro Hohenstein (43) aus Münster. Ihre erste Pause verbringen sie im Café „Mandala“. Bis nach Bremen soll es mit dem Rad gehen. „Wir sind um die zehn Tage unterwegs", sagt Daubner.

E-Bikes finden sie nicht schlecht. „Die sind gut für Menschen mit Kindern oder mit körperlichen Problemen“, sagt Hohenstein. Trotzdem, wenn der Akku leer ist, muss man eine Weile warten. Mit dem Fahrrad kann man jederzeit losfahren.

„Ich fahre zwei bis drei Mal in der Woche mit meinem Mountain Bike“, sagt Billy Ivanov (25). Er radelt auf den verschiedensten Strecken. Von Greven nach Emsdetten und zurück oder einen steilen Berg hinauf. Für den gebürtigen Griechen zählt einzig und allein der Sport. E-Bikes findet er gut, aber er bevorzugt die sportliche Variante.

Obwohl es ihr gefällt, benutzt Agnieszka Zuvadzka (29) sehr selten das Fahrrad. „Die Natur ist schön, man treibt Sport und kann die frische Luft genießen“, sagt sie. Jedoch fordert ihr kleiner Sohn momentan viel Zeit.

Die polnischstämmige Grevenerin hält E-Bikes für eine gute Sache, findet sie aber für sich zu teuer. Ob elektronisch oder old-school (klassisch), das ist egal. Zuvadzka sagt: „Man hat auf dem Rad einen Moment ohne Smartphone.“

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