Vereine irritiert – Verwaltung wartet ab
Schwebende Kunstrasen-Diskussion

Greven -

Die Europäische Union will das Plastik-Granulat auf Kunstrasen-Fußballplätzen verbieten, weil es als Mikroplastik Flüsse belastet. Die Stadtverwaltung wartet auf den endgültigen Beratungsprozess.

Montag, 22.07.2019, 17:58 Uhr
Kunstrasen mit dem falschen Beleg könnte Probleme mit der EU bekommen.
Kunstrasen mit dem falschen Beleg könnte Probleme mit der EU bekommen. Foto: Christian Charisius

Die DJK hofft auf die Fortführung der Baumaßnahme, der SC Reckenfeld baut einen Kunstrasen. Und die 09er hoffen auf eine Kunstrasen-Erweiterung ihres Trainingsgeländes. Schlecht, dass derzeit im Blätterwald überall die Rede davon ist, dass die Europäische Union das Plastik-Granulat verbieten will, weil es als Mikroplastik Flüsse und Meere belastet. Frank Hänel, der Mann für den Sport in der Verwaltung, meint: „Wenn man die Nachrichten liest, kann man nervös werden.“ Doch die Verwaltung wartet auf den endgültigen Beratungsprozess.

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte jedenfalls ein Sprecher des Bundesumweltministeriums in Berlin: „Es kursieren gerade einige Missverständnisse.“ 

Ob die EU-Kommission ein Verbot von Plastik-Einstreumaterial für Kunstrasensportplätze vorschlagen werde, steht noch längst nicht fest. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) sei derzeit in einer frühen Phase der Meinungsbildung zum Thema Mikroplastik und sammele Informationen und Einschätzungen zum Thema ein. Der Sprecher: „Jede und jeder kann sich hier einbringen. Wir fordern die Sportverbände deshalb auch auf, ihre Argumente in diese Anhörung einfließen zu lassen.“ 

Wichtig zu wissen sei, dass es der ECHA ausschließlich um den Neueintrag oder das Nachfüllen von Kunststoffgranulat geht – und nicht wie teils vermutet um den Abriss bestehender Sportplätze. Auch stehe nicht der Kunstrasen selbst im Fokus, sondern nur das Granulat. Dafür stünden als Ersatz aber offenbar bereits Alternativen zur Verfügung.  

Wie es weitergeht: Im Anschluss an die öffentliche Konsultation beginnen die fachlichen Prüfungen. Ein Ausschuss wird sich mit der Risikobewertung für Verbraucher, Arbeitnehmer und Umwelt beschäftigen. Der andere Ausschuss arbeitet speziell zu den sozioökonomischen Folgen, also zum Beispiel auch den Folgen für den Sportbetrieb. Auf der Grundlage dieser könne dann die EU-Kommission einen Regulierungsvorschlag machen. Erst ein solcher Vorschlag würde dann von den Mitgliedstaaten beraten.

Das Bundesumweltministerium entwickele bei dem Umweltzeichen Blauer Engel Vorgaben für umweltfreundliche Kunstrasen. Daran können sich Kommunen zukünftig orientieren. Grundsätzlich habe das BMU, so der Sprecher, ein großes Interesse daran, dass Sportvereine ihren Spiel- und Trainingsbetrieb, insbesondere im Breiten- und Jugendsport, ohne Einschränkungen durchführen können: „Dies vertreten wir gegenüber der EU-Kommission.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6823159?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker