Remondis-Pläne umsorgen Naturschützer
Rieselfelder wollen kein Windrad

Gimbte/Münster -

Dr. Michael Harengerd ist Natur- und Vogelschützers. Der Biologe ist Leiter der Biologischen Station Rieselfelder. Seine Sorge: Windanlagen-Pläne in Rieselfeld-Nähe.

Mittwoch, 07.08.2019, 17:54 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 18:01 Uhr

Wie das ganze Land ächzten auch Münster und Greven in den vergangenen Wochen unter der brütenden Hitze – was einmal mehr zum viel diskutierten Thema Klimawandel führte. Und zu dem von Deutschland favorisierten Gegenmittel Windkraft.

Auf diese Technologie hat Dr. Michael Harengerd einen speziellen Blick: den des Natur- und Vogelschützers. Der Biologe und einstige Lehrer am Grevener Gymnasium ist Leiter der Biologischen Station Rieselfelder und widmet sich seiner Passion bereits seit 1961. Da war Harengerd erst 15 Jahre alt, und von riesigen Windrotoren war weit und breit nichts zu sehen.

Nun sind die geflügelten Riesen auch im Münsterland auf dem Vormarsch. Und mag der antreibende Wind auch keine Rechnung schicken, so bezahlen doch sehr viele Vögel oder Fledermäuse die Windenergie mit dem Leben. „Bundesweit sind vor allem Großvögel, also Adler, Reiher, Störche und Gänse gefährdet“, erklärt Harengerd.

„Wir haben hier zwar keine Adler, wohl aber Störche und jede Menge Gänse; Kanada- und Graugänse, im Winter außerdem über 2000 sibirische Blässgänse.“ Beeinträchtigen die Windräder deren Bestände? „Bislang nicht, weil noch keines in bedenklicher Nähe steht“, sagt Harengerd.

„Die bereits vorhandenen Windräder stehen im Bereich Sprakel. Von der Nordwest-Ecke des Gebietes aus sind sie rund 1900 Meter entfernt und außerdem nicht so groß.“

Dann verweist Harengerd auf den aktuell umkämpften „Turm des Anstoßes“: Das Windrad an der Haskenau, stattliche 230 Meter hoch, indes vom Rieselfeld 2050 Meter entfernt – was die Vorgaben erfüllt.

Aber: Das Rad laufe erst seit Mai; ob Tiere zu Schaden kämen, lasse sich deshalb noch nicht sagen. „Da müssten wir ja permanent jemanden stehen haben, der aufpasst.“

2016 konnten sich Harengerd und seine Mitarbeiter über die Verhinderung dreier „Vogelschredder“ freuen. Nach einer bundesweiten Protestumfrage hatte der Rat der Stadt Münster („mit Zähneknirschen der Grünen“) beschlossen, die geplanten Windanlagen an der Südostseite der anderen Kanalecke nicht zu bauen.

Was Harengerd aber momentan Bauchschmerzen bereitet, ist eine mögliche Windanlage auf dem Gebiet der Entsorgungsfirma Remondis (Hessenbusch 210). Diese Anlage läge dann genauso nah an den Rieselfeldern wie jene, die 2016 verhindert wurde.

Einen offiziellen Antrag gebe es noch nicht – „aber ich habe aus gut informierten Quellen der Stadtverwaltung und der Bezirksregierung die Infos darüber“, sagt Harengerd. Die Firma Remondis hat bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme abgegeben.

Harengerd verweist auf eine Schrift der Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten Deutschland: Bei Vogelschutzgebieten nach EU-Recht (wie den Rieselfeldern) seien Abstände von mindestens 1200 Metern vorgegeben – „aber nicht rechtsverbindlich, wenngleich das Bundesverwaltungsgericht dies durchaus schon in Entscheidungen berücksichtigte“.

Außerdem wären Windräder auf dem Remondis-Gelände seiner Einschätzung nach ohnehin zu nah an der Wohnsiedlung in Gelmer. Harengerd schätzt die rechtlichen Chancen für eine Realisierung der Windanlage daher als eher gering ein.

So manchen Kampf hat der 72-jährige Vogelschützer schon ausgefochten, wie er anhand alter Presseberichte aufzeigt. Dass er im „Protestjahr“ 1968 im Rieselfeld mit ein paar Bauwagen und einer Baracke aus dem Ersten Weltkrieg anfing, passt haargenau dazu.

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