Frauenliteraturtage mit Lina Atfah
Dichten in der Muttersprache

Greven -

Kreativ werden, sich austauschen und aus den Worten anderer etwas lernen – das braucht es, wenn es um das Schreiben eines Gedichtes geht. Die Kreativität lässt sich durch Situationen, Erlebnisse oder Gesehenes anregen, wie Ursel Hiltner-Warwa erklärte.

Sonntag, 11.08.2019, 21:29 Uhr aktualisiert: 15.08.2019, 16:54 Uhr
In zwei Gruppen erhielten die Frauen Tipps von Ursel Hiltner-Warwa (M.) und Lina Atfah (r.), die den Frauenliteraturtag hauptsächlich organisierten.
In zwei Gruppen erhielten die Frauen Tipps von Ursel Hiltner-Warwa (M.) und Lina Atfah (r.), die den Frauenliteraturtag hauptsächlich organisierten. Foto: Vera Gaidies

Für die Schreibwerkstatt am Frauenliteraturtag hat sie Kunstkarten, Bilder und eine Klangschale mitgebracht. „Die Klangschale trägt zu einer besonderen Atmosphäre bei“, sagte Hiltner-Warwa. Sich den Tönen hinzugeben und von seinen Gedanken zu berichten, das sind nur einige der vielen positiven Auswirkungen einer Klangschale.

Sich über Gedanken auszutauschen ist im Begegnungszentrum Hansaviertel leicht. Rund 20 Frauen sind gekommen, um am Samstagnachmittag gemeinsam zu dichten und aus dem Leben der syrischen Schriftstellerin und Lyrikerin Lina Atfah zu hören. Sie ist in Syrien geboren, aufgewachsen und hat in Damaskus arabische Literatur studiert.

Da sie vom Staat beschuldigt wurde, Gotteslästerung und Staatsbeleidigung begangen zu haben und unter dem Druck der Diktatur nicht mehr leben wollte, flüchtete sie 2014 nach Deutschland. Hier lebt sie seitdem. Dass diese Situation nicht immer leicht ist, hat sie eindrucksvoll am Frauenliteraturtag erklärt. „Ich habe bei Null angefangen, musste wie ein Kind alles neu lernen“, sagte sie. Doch das Schreiben von Gedichten und Geschichten hat ihr schon früh geholfen, alle Situationen im Leben zu verarbeiten. Bereits mit fünf Jahren hatte sie Interesse an Literatur und erhielt von Beginn an die Unterstützung ihrer Familie.

Atfah wuchs in einem Land, das von Druck, Tabus und Angst geprägt ist, auf. Ihre Erlebnisse und Erinnerung verarbeitet sie unter anderem in ihrem Buch „Das Buch von der fehlenden Ankunft.“ Daraus las sie an diesem Samstag nicht nur den Frauen vor, sie gab Tipps zum Schreiben von Gedichten. Zunächst in der großen Gruppe bekamen die Frauen erklärt, wie sie kreativ werden, welche Methoden sie wählen können und wie wichtig der Austausch untereinander ist.

Denn im Zentrum des Frauenliteraturtags stand, aus den Erfahrungen und Worten anderer zu lernen. „Wir bringen die unterschiedlichen Kulturen, Schreibwelten und die Literatur zusammen“, so Irmgard Hellmann de Manrique, Leiterin des Hansa-Begegnungszentrum. Aufgeteilt in zwei Gruppe schrieben die Frauen Gedichte in ihrer Muttersprache, die dann in die jeweils andere Muttersprache (zum Beispiel Syrisch) zurückübersetzt wurde. So konnte jede Frau in ihrer Sprache verstehen, welche Gedanken zu Papier gebracht werden.

Die Schreibwerkstatt war ein voller Erfolg und die entstandenen Gedichte voller Emotionen. Die Frauen konnten an diesem Nachmittag viel von anderen Kulturen lernen und viel mitnehmen. Für Ursel Hiltner-Warwa wäre es schön, wenn aus diesem einmaligen Erlebnis in Zukunft etwas Festes wird, ein Literaturstammtisch sozusagen, der sich alle paar Wochen trifft. Die Grundsteine sind gelegt.

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