Münster und Senden bauen Kanalwege aus – Greven nicht
„Asphaltstreifen durch die Natur“

Greven -

Fahrradfahren attraktiver machen – das ist in Zeiten des Klimawandels durchaus mehrheitsfähig. Aber will Greven wirklich über zwei Millionen Euro für einen Radweg fernab der City ausgeben?

Mittwoch, 04.09.2019, 09:46 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 10:23 Uhr
Aktuell sind rund 45 Prozent der Wege am Kanal naturnah ausgebaut. Eine durchgehende, drei Meter breite Asphaltierung würde Millionen kosten.
Aktuell sind rund 45 Prozent der Wege am Kanal naturnah ausgebaut. Eine durchgehende, drei Meter breite Asphaltierung würde Millionen kosten. Foto: Oliver Hengst

Mit genau dieser Frage hatten sich die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) nun zu beschäftigen. Der Anlass: Münster will entlang des Dortmund-Ems-Kanals einen drei Meter breiten asphaltierten Radweg anlegen, um die Radfahrerquote in der Domstadt noch weiter zu erhöhen. Senden plant ähnliches. Gemäß einem Deal mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) müssen die Kommunen „nur“ gut die Hälfte der Kosten übernehmen. Greven wurde gefragt, ob man auch mitmachen wolle.

Der Unterschied hier: Der rund acht Kilometer lange Kanalabschnitt in der Emsstadt läuft – anders als in Münster und Senden – nicht mitten durch die Stadt, sondern tangiert das Stadtgebiet nur am Rand. Die Kosten, die auf Greven zukämen: 2,25 Millionen Euro. „Für einen Asphaltstreifen mitten durch die Natur“, fasste Grevens Straßenbau-Experte André Kintrup zusammen.

Geld falsch angelegt

Womit sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellt. Dr. Christian Krieges­kotte (SPD) hat eine eindeutige Antwort: „Ich denke, dass das Geld hier falsch angelegt wäre.“ Es gebe zahlreiche verkehrliche Problemstellen innerhalb der Stadt, denen man sich eher zuwenden sollte. Eine so große Summe für einen schwach frequentierten Radweg trägt die SPD jedenfalls nicht mit. „Nicht gerechtfertigt“, urteilte Kriegeskotte.

Anders sieht das der Schmedehausener Johannes Hennigfeld (CDU): „Für Berufstätige und Pendler könnte der Kanal durchaus eine Alternative sein.“ Aus Münsters Norden könne man über diese Route zum Beispiel ganz fix den Arbeitsplatz FMO erreichen. „Ich sehe die Chance, dass das auch als Alltagsroute genutzt werden kann.“ Nicht zu verachten seien auch die positiven touristischen Effekte. Zudem komme eine asphaltierte Strecke auch mobil eingeschränkten Menschen zugute. Die Finanzierung müsse man „sicher kritisch“ betrachten. Eventuell könne man Fördermittel generieren?

Prioritäten setzen

Bürgermeister Peter Vennemeyer betonte jedoch, dass die Förderung ja bereits enthalten sei, weil der WSV (sofern man das so aushandel könne) einen Teil der insgesamt fälligen knapp vier Millionen Euro (inklusive optionaler Beleuchtung) für den Grevener Abschnitt übernehme.

Für den passionierten Radfahrer Peter Borggreve (Grüne) hat die Idee etwas Reizvolles. „Es wäre schön, wenn wir das realisieren könnten.“ Aber: „Die Frage ist natürlich: Wie stark wird das genutzt?“

Im Moment wohl eher mäßig. Aber das, so argumentierte Hennigfeld, könne sich ja nach dem Ausbau durchaus ändern. „Jetzt fährt da kaum einer durch, weil es halt beschwerlich ist.“ Fraktionskollege Jürgen Diesfeld gab sich zurückhaltender. „Wir schwimmen ja nicht im Geld. Da sollte man Prioritäten setzen.“

Ausschuss gegen Asphaltierung

Auch innerhalb der Stadtverwaltung ist man nicht einer Meinung, im Gegenteil. Das Thema sei durchaus kontrovers diskutiert worden, räumte Andre Kintrup ein. Manche seien klar dafür, manche eindeutig dagegen. Das schlug sich auch in einer Beschlussvorlage nieder, in der zwei Varianten aufgeführt waren: Pro und Contra.

Letztlich stimmte der Ausschuss gegen die Asphaltierung. Zumindest zunächst. Sollten sich doch noch andere Fördermöglichkeiten ergeben, will man erneut beraten.

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