Tag des offenen Denkmals im „Haus der Geschichte“
Wo Geschichte lebendig wird

Reckenfeld -

Reckenfelds bewegte Geschichte hat seit nunmehr zwei Jahren ein Zuhause: Das Haus der Geschichte.

Dienstag, 10.09.2019, 08:01 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 08:20 Uhr
Klaus Schwenken führte am Sonntag interessierte Besucher durch die Ausstellung, mit de sich die einmalige Entstehungsgeschichte Reckenfelds gut nachvollziehen lässt.
Klaus Schwenken führte am Sonntag interessierte Besucher durch die Ausstellung, mit de sich die einmalige Entstehungsgeschichte Reckenfelds gut nachvollziehen lässt. Foto: pin

Anlässlich des deutschlandweiten „Tag des offenen Denkmals“ öffnete auch das Haus der Geschichte in Reckenfeld seine Türen. Beheimatet ist das sorgfältig eingerichtete Museum in einem alten Munitionsschuppen in der Lennestraße. Kein prunkvoller Museums-Neubau, sondern ein Gebäude, das in drei Jahren mühevoller, aufwendiger Handarbeit restauriert wurde, nachdem es jahrelang leer stand. Und ein Gebäude, das bereits ein Stück Geschichte in sich ist: Reckenfeld entstand als Munitions- und Waffenlager im ersten Weltkrieg.

Im Verlauf des Krieges wurden in Reckenfeld Waffen und Munition gelagert, nach dem Krieg wurde es an eine Eisenhandelsgesellschaft verkauft, die Reckenfeld erst kaufte und dann, für fast den gleichen Preis wieder verkaufte.

Getragen wird das Haus vom Bürgerverein Reckenfeld, der vor zehn Jahren gegründet wurde. Drei Jahre lang wurde das Haus saniert, umgebaut und als Museum hergerichtet, bis es dann 2017 eröffnet wurde. Etwa acht Mitglieder des Bürgervereins kümmern sich um die Instandhaltung und Betreuung des Museums. Dabei habe sich das Team gut ergänzt, berichten einige Mitstreiter: „Einer hat viele Exponate gesucht und gekauft, einer hatte viele Fotos, mache kümmern sich um den Garten, andere um die Besucher“, erzählt Klaus Schwenken, der das Museum mitbetreut.

Schwenken führte am Sonntag auch einige Besucher durch das Museum. Er erzählte Geschichten aus den beiden Weltkriegen und von den Eisenbahnen. Von der britischen Besatzung, der Unterbringung von Kriegsgefangenen und der Vertreibung von Reckenfeldern. „Eine bewegte Geschichte“, murmelt ein Mann.

Am Sonntag waren mehrere Generationen zu Gast, um das Museum zu besichtigen: Oma mit Enkeln, Vater und Sohn. Und es kommen nicht nur Reckenfelder, wie die Verantwortlichen berichten. Es sei auch ein Besucher aus Ahaus da gewesen, zudem ein Ehepaar aus Ochtrup. Letzteres ist ganz begeistert vom Museum. „Wir sind viel länger geblieben, als wir eigentlich wollten.“ Die Geschichte sei „sehr spannend und sehr schrecklich.“

Die meisten Besucher jedoch kamen aus dem nahen Umfeld, erinnerten sich an ihre eigene Vergangenheit. „Es gab damals keine Kanalisation, entsprechend waren die Zustände und die Leute wurden krank“, erzählt Schwenken. „Also, wir waren trotzdem immer in der Ems schwimmen“, erzählt ein Besucher und lacht.

Die bewegte Geschichte Reckenfelds lässt sich im Museum gut nachempfinden. Tagebucheinträge sind ausgestellt. Zahlreiche Fotos zeigen alte Gebäude, den Gründer der Freilichtbühne, eine Hochzeitsgesellschaft. Es sind alte Bomben ausgestellt, Orden, Urkunden, Teile der alten Eisenbahn und auch eine Uniform vom Schaffner. Und vor dem Museum steht eine alte Lore, sorgfältig restauriert und unter vielen Mühen herbeigeschafft.

Einen Besuch ist es wert. Die Geschichte wird in diesen alten Mauern lebendig. Eine Führung lohnt sich auf jeden Fall. Jeden zweiten Sonntag im Monat ist das Museum geöffnet.

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