23,8 Kilometer heute noch auf Schotterweg
Paradies mit leichten Macken

Greven -

Die Stadt Münster will einen Seitenweg des Dortmund-Ems-Kanals von Amelsbüren bis zum KÜ an der Grevener Grenze asphaltieren. Für Radler, vor allem Berufspendler, soll damit eine wichtige Tangente entlang der Stadt attraktiver werden. Im Grevener Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt wurde unlängst der Antrag abgelehnt, das Gleiche auf Grevener Gebiet zu machen. Wir haben den Weg am Kanal einmal getestet. Fazit: Sehr direkt, kein Autoverkehr, aber schlechte Wegstrecke.

Donnerstag, 12.09.2019, 09:50 Uhr aktualisiert: 13.09.2019, 00:14 Uhr
Hinter der Schleuse am Wilhelmshavener Ufer in Münster. Der kleine Schotterweg wird rechts begleitet von einem bequemen Asphaltweg für Radler und Anlieger.
Hinter der Schleuse am Wilhelmshavener Ufer in Münster. Der kleine Schotterweg wird rechts begleitet von einem bequemen Asphaltweg für Radler und Anlieger. Foto: Günter Benning

Vor so einem Experiment braucht man einen Moment der Ruhe. Ich stehe mit meinem E-Bike am FMO, Abfahrt Hüttruper Heide, schließe die Augen. Und stelle mir vor, wie ich jetzt zum Hauptbahnhof nach Münster komme.

Sind Sie soweit? Können wir starten? Es ist superleicht. Ein paar Meter weiter ist das Kanalufer und ich stoße fast mit einer Radlerin zusammen, die mir verträumt entgegenjuckelt.

Rauf auf den Weg – und dann nur noch geradeaus. 23,8 Kilometer, sagt Naviki, der Fahrrad-Navigator aus Münster. 66 Meter rauf, 48 runter, da muss es sich um Böschungen handeln.

Entlang des Dortmund-Ems-Kanals vom FMO nach Münster

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  • Start in der Nähe des FMO. 

    Foto: Günter Benning
  • Zwei Seiten des Kanals, rechts eine geteilte Huckelstrecke, links durchgehend Schotter.

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  • Auf solchen geraden Schotterstrecke fährt man bei gutem Wetter angenehm.

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  • Abzweig Schmedehausen. Hier kann man am Wochenende Kafee trinken.

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  • An der Bockholter Brücke sieht man, dass der Weg allenfalls für Tourismus taugt.

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  • Wer die Kanalseite wechseln will, muss sich eine steile Treppe hochkämpfen.

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  • In der Nähe des Kanalhafens Fuestrup.

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  • Am KÜ gibt es sogar ein hölzernes Teilstück es Weges.

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  • Romantisches Bild: Angler am Westfalengas-Tanklager auf münsterischem Gebiet.

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  • Hier ist schon Münster -- und der Radweg ist erstmals asphaltiert.

    Foto: Günter Benning
  • Hier ist schon Münster -- und der Radweg ist erstmals asphaltiert.

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  • Foto: Günter Benning
  • An der Schleuse können Radler bequem auf die andere Seite übersetzen.

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  • WilhelmshavenerUfer in Münster.

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  • Foto: Günter Benning
  • Funstück: Ein Muschelbesetztes Rad am Kanalrand.

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  • Unfreiwilliges Ende der Reise wegen eines Kettenschadens am Guten Hirten in Münster.

    Foto: Günter Benning

Wenn ich 13 Stundenkilometer fahre, wäre das in einer Stunde und 51 Minuten erledigt. Ich fahre aber schneller. Mein Ziel: Knapp eine Stunde. 358 Kalorien soll der Spaß verbrauchen.

Und schon sind wir in einem Radler-Paradies. 23,8 Kilometer keine Ampel, keine Rechtsabbieger, keine Ausfahrten, gar kein Autoverkehr. Nur am Ende, in Münster teilt sich mal ein Langsamfahrer oder Jogger die Radstraße.

Dieser Weg ist die idealste Verbindung nach Münster: Von Dörenthe aus, vom FMO, von Ladbergen, von Schmedehausen und Gimbte und all den Orten am Kanalrand. In Münster ist das klar, in Greven hat der Ausschuss für Stadtplanung den Vorschlag, hier einen Asphalt-Radweg anzulegen, abgelehnt. Es gebe keinen Bedarf, der Preis sei zu hoch. Kommenden Mittwoch muss der Haupt- und Finanzausschuss darüber entscheiden.

Was richtig ist: So wie er heute aussieht, taugt der Weg nicht für den Alltag. Schon an der Hüttruper Heide lande ich auf einer Holperstrecke. In der Mitte Grasnarbe, hier ein Schlagloch, dort eines. Hier fährt man nicht schnell. Hier kann auch kein Rennrad fahren. Neidisch blicke ich zum anderen Ufer – da scheint es besser zu sein.

Also bei der übernächsten Brücke übersetzen: Ich schiebe das schwere Rad Treppen hoch, ächzend, über die Brücke. Auf der anderen Seite geht‘s treppab.

Jetzt ist der Weg breiter und durchgängig geschottert. Kleiner Stein, das fährt sich gut. Ich komme auf meine 27 Stundenkilometer. Und dann ins Grübeln. Was, wenn ich plötzlich bremsen müsste? Das gäbe eine Schlittenparty. Also drossele ich das Tempo.

An der Bockholter Brücke ein Halt. Ein westfälischer Schauer huscht vorbei. Ein Grevener steht dort, 21 Gänge, kein Strom, und sagt: „Eigentlich ist es doch ganz okay. Ich bin von Greven in 45 Minuten in Münster.“ Er trägt T-Shirt, kurze Hose, ein Mann in der Freizeit. Die Idee mit dem Alltagsradweg ist in Holland abgeguckt. Da hat das Rad Priorität. Viele Wege an Kanälen sind top-ausgebaut. Hier radelt man im Anzug, zur Arbeit, von der Arbeit, zur Schule, zum Shoppen.

Am KÜ ist es holprig, die Holzbrücke rattert unterm Rad. Gleich bin ich auf münsterischem Gelände. Bis hierher wird der Weg asphaltiert. Ab hier muss man aufpassen. Radler, Jogger, Gassigeher teilen sich den Patt.

Ein Student schaukelt vorn und hinten Gemüsekisten. Bei einem Angestellten gucken Pläne aus dem Rucksack. Das Tempo ist flott – man will nach Hause. Auf dem schnellsten Weg.

Mein persönliches Fiasko an diesem Tag: Genau drei Kilometer vor dem Bahnhof verhakt sich meine Kette. Heillos. Ich lass mich abholen – am Guten Hirten. Das hat mit dem Schotterweg rein gar nichts zu tun.

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