Gerichtsverhandlung wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr
Das heftige Ausrasten einer verlassenen Frau

Greven -

In einem psychischen Ausnahmezustand brannten bei einer 54-jährigen verlassenen Ehefrau aus Nordkirchen wohl die Sicherungen durch. Sie rastete aus und fuhr mindestens dreimal in das Auto ihres Schwagers.

Mittwoch, 11.09.2019, 17:09 Uhr aktualisiert: 13.09.2019, 16:21 Uhr
 
  Foto: colourbox.de

Sie wollte ihren 59-jährigen Mann in Greven zu seinem Geburtstag besuchen. Weil er ihr keinen Zutritt in seine Wohnung gewährte, wie sie am Dienstag vor dem Schöffengericht in Rheine sagte, rastete sie aus und fuhr mindestens dreimal in das Auto ihres Schwagers, der vor der Tür parkte. Ergebnis: 12 500 Euro wirtschaftlicher Totalschaden. Die Staatsanwaltschaft warf ihr einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor und beantragte deswegen am Ende der Beweisaufnahme sechs Monate mit Bewährung sowie eine Sperre des Führerscheins für weitere vier Monate. Das Schöffengericht folgte indes dem Antrag der Verteidigung und verurteilte sie wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in einem minder schweren Fall zu einer Geldstrafe von 3150 Euro bei 90 Tagessätzen à 35 Euro und einer dreimonatigen Führerscheinsperre. Damit ist die Angeklagte auch weiterhin nicht vorbestraft.

Die 54-Jährige sagte vor Gericht, dass sie vor dem Haus gewartet und Lachen aus der Wohnung ihres Mannes gehört hätte. Deswegen sei sie sehr aufgebracht gewesen, zwischenzeitlich weggefahren, einmal sogar zurück nach Nordkirchen. Dann sei sie aber doch wieder nach Greven gefahren und hätte vor dem Haus geparkt. Als sie wegfahren wollte, hätte sie ein vorbeifahrendes Auto nicht bemerkt und ihren Pkw in die Parklücke zurückreißen wollen. Das hätte zu der ersten Kollision mit dem Fahrzeug ihres Schwagers geführt. Daraufhin hätte sie die Nerven verloren und sei mehrfach bewusst in den Wagen hineingefahren.

Ihr Schwager hörte das Anfahren mit quietschenden Reifen und den Knall, wie er als Zeuge sagte. Die Karosserie sei völlig verzogen gewesen. Seine Frau rief die Polizei. Der Polizeioberkommissar aus Greven berichtete, dass er an ihr Auto getreten sei. „Sie wirkte verzweifelt und verweint, hat mir den Autoschlüssel übergeben und gesagt: Ich war‘s“. Die Angeklagte begab sich anschließend eigenständig in psychotherapeutische Behandlung. „Er ist nach 35 Jahren ohne ein Wort gegangen, ich verstehe es bis heute nicht. Ich brauchte Hilfe“, sagte sie.

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