Doppelkonzert im Ballenlager: Die Stars von heute brillieren mit den Profis von morgen
Generationentreffen der Extraklasse

Greven -

Das Bundesjazzorchester, in dem Jazzgrößen wie Till Brönner oder Michael Wollny ihr Handwerk gelernt haben, legte auf Einladung der Kulturinitiative zusammen mit der WDR Big Band aus Köln einen mehr als exzellenten Jazzabend hin.

Sonntag, 22.09.2019, 18:17 Uhr aktualisiert: 26.09.2019, 10:19 Uhr
Das Bundesjazzorchester legte am Samstag zusammen mit der WDR Big Band einen mehr als exzellenten Jazzabend hin.
Das Bundesjazzorchester legte am Samstag zusammen mit der WDR Big Band einen mehr als exzellenten Jazzabend hin. Foto: Jannis Beckermann

Für die meisten Jazzliebhaber war dieser Hinweis vorm Konzert dann doch etwas Neues: Sollten Grevens Big-Band-Fans im GBS-Innenhof am Samstag von einem Fußball getroffen worden sein, so ließ Orchestermanager Dominik Seidler das Publikum wissen, bitte er um Nachsicht. Der Grund: „Da haben sich unsere Musiker noch etwas warm gekickt.“ Live-Konzert mit Radioübertragung im Nacken hin und her: Ein bisschen Sport, den wollten sich die Nachwuchstalente des Bundesjazzorchesters selbst vor ihrem Doppelauftritt mit der preisgekrönten WDR Big Band nicht entgehen lassen.

Ein paar Stunden später wusste nicht nur das Grevener Publikum im Ballenlager: So eine Aufwärmeinheit mit der Lederkugel macht sich durchaus auch musikalisch bezahlt.

Denn die nationale U 24-Truppe, in der Jazzgrößen wie Till Brönner oder Michael Wollny ihr Handwerk gelernt haben, legte auf Einladung der Kulturinitiative zusammen mit den Branchenstars aus Köln einen mehr als exzellenten Jazzabend hin, den der WDR den Hörern seiner dritten Radio-Welle obendrein live nach Hause sendete.

WDR Big Band und Bundesjazzorchester im Ballenlager Greven

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Und so konnte man über den Äther selbst am anderen Ende NRWs genießen, was Modern-Jazz-Komponist Bob Florence einst zu Papier brachte und was im Ballenlager als Auftakt furios erklang: Mit dem flott-groovigen Stück „Whatever Bubbles Up“ sprudelte es beim Bundesjazzorchester nämlich gleich zu Beginn quirlig wie ein Springbrunnen. Laut und mit Verve, wie es sich für eine Big Band eben gehört.

Unter der Leitung des Essener Folkwang-Professors Ansgar Striepens bot das Nachwuchsensemble aber auch fein gearbeitete Jazzkunst: Das wunderbar quakende Posaunen-Solo zum Eigenarrangement „Isegrim schwört Rache“ aus der Feder des versierten Bandchefs brachte nicht wenige erst zum Schmunzeln, dann zum Staunen.

Umso beeindruckender, wie technisch souverän die Mitglieder des „BuJazzO“ auch den zweiten Teil eröffneten, jetzt gemeinsam mit den Profis des WDR-Ensembles. Mit „A Night in Tunisia“ setzten sie den gemeinsamen Startpunkt für ein Set, in dem letztlich vor allem die 17 Vollprofis des WDR ein musikalisches Jazzfeuerwerk abbrannten. Da wurde der Name schon mit Joe Hendersons Werk „Recordame“ und den mitreißenden Soli an Trompete, Posaune und Co. zum Programm.

Zu verdanken hatte man das nicht zuletzt den auf den Punkt gebrachten Arrangements von Michael Philip Mossman. Der US-Amerikaner aus Philadelphia führte nicht nur das Grevener Publikum, sondern allen voran sein Ensemble als Bandleader mit gekonnter Präzision durchs hochklassige Programm.

Und so lernte man ganz nebenbei ein bisschen Musikgeschichte etwa über Mario Bauzá, den Urvater des Latin Jazz und Mitentdecker Ella Fitzgeralds, mit dem Mossman einst vor dessen Tod in den Neunzigern gearbeitet hatte. Die moderne Version von Bauzás „Lourdes‘ Lullaby“ geriert auf diese Art zu einem sehr persönlichen Statement.

Zum umjubelten Höhepunkt mauserte sich am Ende dennoch ein anderes Werk. Bei William Correas und Melvin Lasties „Fried Neckbones“ bekamen die Zuhörer die WDR Big Band jedenfalls sogar als kleinen Männerchor zu hören, der rhythmisch perfekt die titelgebenden Nackenknochen in Dauerschleife besang.

Währenddessen zauberte die einzige Frau der Band, Saxofonistin Karolina Strassmayer, an ihrem Instrument ein beeindruckendes, umjubeltes Solo auf die Ballenlagerbühne, ehe mit dem finalen „Partido Blue“ auch die „BuJazzO“-Musiker wieder auf die Bühne zurückkehrten, um einen Abend der Extraklasse zu beschließen.

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