Carion-Ensemble im Ballenlager
Klang-Jonglage und Performance

Greven -

Toller Auftritt des dänisch-lettischen Carion-Ensembles: Was die sympathischen Musiker dem Publikum boten, war kein „normales“ Konzert, sondern Musikperformance der Extraklasse.

Dienstag, 01.10.2019, 10:31 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 11:00 Uhr
Für die fünf Musiker des dänisch-lettischen Carion-Ensembles wurde die Bühne gleichsam zur Aktionsfläche. Was die sympathischen Musiker dem Publikum boten, war eben kein „normales“ Konzert, sondern schon eine Musikperformance der Extraklasse.
Für die fünf Musiker des dänisch-lettischen Carion-Ensembles wurde die Bühne gleichsam zur Aktionsfläche. Was die sympathischen Musiker dem Publikum boten, war eben kein „normales“ Konzert, sondern schon eine Musikperformance der Extraklasse. Foto: Axel Engels

„Eine Nacht im Theater“ hieß der Titel des Konzertes im Rahmen von Greven-Klassik am Sonntagnachmittag im Ballenlager. Mit dem dänisch-lettischen Carion-Ensemble war ein Bläserquintett verpflichtet worden, das international in den vergangenen Jahren schon für großes Aufsehen gesorgt hat.

Auch wenn die Resonanz bei den Musikliebhabern größer hätte ausfallen können, war dieses ungewöhnliche Bläserquintett auf höchstem musikalischen Niveau eine Bereicherung für die Konzertreihe. Denn was die sympathischen Musiker dem Publikum boten, war eben kein „normales“ Konzert, sondern schon eine Musikperformance der Extraklasse.

Da wurde die Bühne gleichsam zur Aktionsfläche für Musiker, die sich einfach bestens verstanden, deren Dialog bis ins kleinste Detail stimmte und die mit Klängen gleichsam jonglierten. Allesamt sind die Mitglieder von Carion renommierte Musiker, die sich mit versierter Spielkunst einen Namen gemacht haben.

Dóra Seres konnte an der Querflöte ihre ganzen Qualitäten einbringen, der Oboist Egils Upatnieks wusste mit warm timbrierten Ton zu glänzen und auch Egils Séfers an der Klarinette sowie Niels Anders Vedsten Larsen am Fagott passten klanglich zueinander. Am Horn „erlebte“ man David M.A.P. Palmquist, der sich auch als Arrangeur einbrachte.

Mit den „Sechs Bagatellen für Bläserquintett“ von György Ligeti eröffnete das Ensemble ein Konzert, bei dem der Raum auf der Bühne klanglich einbezogen wurde und so diese innovative Musik zu einem einzigartigen Musikerlebnis wurde. Da stimmte jedes noch so kleine Detail, wurden die einzelnen Stimmungen der Bagatellen in ein jeweils charaktervolles Gewand gekleidet.

Wie angenehm und wohltuend Musik für Bläser klingen kann, zeigte sich danach bei der „Serenade Ex-Dur KV 375“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Eleganz und Grazie prägten die Interpretation durch das Carion-Ensemble, man genoss die exquisite Melodiegestaltung beim langsamen Mittelsatz ebenso wie die Lebendigkeit und Spielfreude beim abschließenden Rondo. Das war eben kein „normaler“ Mozart, sondern dieses Werk erklang wie vom Staub der Zeit befreit.

Im zweiten Konzertteil ging es dann noch etwas „moderner“ zu. Mit der eigentlich für Kammerorchester geschriebenen „Suite No.2“ von Igor Stravinsky gelang dem Ensemble eine ganz große musikalische Umsetzung der Tanzweisen. Das 1921 entstandene Werk erklang spritzig und lebendig, bei wohl eingesetzter Virtuosität konnte das Ensemble den Spannungsbogen immer halten.

Die bekannten „Rumänischen Volkstänze für Violine und Klavier“ von Béla Bartók hat man mit solch klanglichen Finessen wohl noch nie gehört. Da entdeckte man kleine Kostbarkeiten in den einzelnen Tänzen, die in anderen Instrumentierungen so oftmals untergehen.

In cineastische Welten entführte das Ensemble mit der „Schauspiel Suite“ von Dmitri Schostakowitsch, deren Teile ja sehr klangmalerisch und stimmungsvoll angelegt, wie für dieses Ensemble geschrieben, schienen. Was die fünf Musiker im großen Finale aus der „Grand études de Paganini No. 6“ von Franz Liszt machten, verdient Respekt und Bewunderung. Schon auf dem Klavier zählt diese Verarbeitung der Caprice Nr. 24 von Niccolò Paganini zu den anspruchsvollsten Etüden des großen Klaviervirtuosen.

Dieses an Lebendigkeit und Spielfreude reiche Werk erklang in einer spritzigen Art, die einfach jeden Besucher in ihren Bann zog.

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