Schöneflieth
Eine Burg wird zum Steinbruch

Dienstag, 01.10.2019, 17:26 Uhr
Dieses Flugblatt aus dem 17. Jahrhundert zeigt den Überfall auf den Grevener Markt. Im Hintergrund die Burg Schöneflieth.
Dieses Flugblatt aus dem 17. Jahrhundert zeigt den Überfall auf den Grevener Markt. Im Hintergrund die Burg Schöneflieth. Foto: Stadtarchiv

Von Hans-Dieter Bez

Das Wort „Schöneflieth“ steht heute für die Reste der domkapitularischen Burg Schöneflieth und deren Umgebung nördlich und südlich der Ems in Aldrup.

Ritter Franco von Schönebeck, Lehnsmann des Bischofs von Münster, Freigraf über 15 Kirchspiele, zu denen auch Greven, Gimbte und Hembergen gehörten, baute dort in einer durch Dämme abgeriegelten Emsschleife auf einem künstlichen Hügel einen steinernen Wohnturm („Motte“). Im Jahre 1257 wurde der Name dieser Burg erstmals urkundlich genannt: „Sconevlete“, später Schöneflieth.

Sein Sohn Dietrich von Schönebeck wohnte dort zusammen mit Familie und Gefolgschaft nachweislich seit 1269. 1276 eroberte Bischof Everhard von Diest die Burg und zwang Dietrich, auf alle seine Lehen, Zehnten und Rechte zugunsten des Domkapitels zu verzichten, Auf die Zerstörung dieser ersten Burg Schöneflieth weist eine Sage hin, in deren Mittelpunkt ein angeblicher Priestermord steht.

Zwischen 1365 bis 1390 ließ das münsterische Domkapitel an gleicher Stelle eine neue Burg Schöneflieth errichten, eine auf zwei Inseln stehende Vor- und Hauptburg. Der frühere Standort der Motte wurde zum Standort der Vorburg, die Hauptburg lag südlich davon. Vor- und Hauptburg waren durch eine Brücke verbunden, die Vorburg konnte durch eine an ihrer Nordseite gelegene Brücke betreten werden.

Die Burg mit ihrer Nähe zu Münster war Schutz für Bischof und Domkapitel, den Emshafen, den Emsübergang mit Zollstation und den berühmten Grevener Markt. Die Burg war Amtssitz des Thesaurars (Finanzminister) des Fürstbistums Münster. Er war verpflichtet, die Burganlagen instand zu halten. Ihm standen dafür neben den erheblichen Zolleinnahmen für die Nutzung der Emsbrücke auch die Hand- und Spanndienste und die beträchtlichen Einnahmen aus dem Beifang der Burg zu, der etwa 40 Höfe in mehreren Bauerschaften umfasste. An der Spitze des Beifangs stand der Schultenhof Aldrup. Hinzu kamen noch die Erlöse aus der Eigenwirtschaft und aus den Jagd- und Fischereirechten. Sogar einen eigenen Go-Gerichtsbezirk bildete der Beifang. Durch die Eigenwirtschaft wurden die Besatzung und das Dienstpersonal der Burg ernährt und unterhalten.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurden an der Burganlage erste größere Reparatur- und Baumaßnahmen vorgenommen. In dieser Zeit entstand u.a. das Prinzipalhaus mitsamt seinem Prunkgiebel neu.

In den Jahren 1534 (Angriff der Wiedertäufer) und 1589 (Überfall auf den Grevener Markt) hielt die Burg noch feindlichen Angriffen stand. Aber danach verlor sie ihre militärische Bedeutung, denn gegen den Einsatz von Kanonen war sie nicht geschützt.

Zuerst 1591 und im 30jährigen Krieg (1618-1648) wurde sie mehrmals erobert und völlig ausgeplündert. Ihre Kanonen (seit 1534 verbürgt) wurden bereits 1769 entfernt und verschrottet.

Ende des 17. Jahrhunderts hielten sich die Burgherren immer häufiger wegen des schlechten baulichen Zustandes der Burg in Münster auf, kamen nur noch zur Jagd hierher. Nachhaltige Reparaturen wurden nicht mehr durchgeführt.

Ende des 18. Jahrhunderts war die Burg endgültig abbruchreif. Bereits 1778 mussten der Vorburg-Turm und einige sich daran anschließende Gebäude abgerissen werden. Im Jahre 1806 wurden der am Emsübergang stehende Zollturm für 410 Taler und der sich daran anschließende Torbogen für fünf Taler „auf Abbruch“ an zwei Grevener verkauft.

Am 13.11.1812 liest man Münsterischen Intelligenzblatt: „Verkauf von National-Gütern durch die Amortisations-Casse. An eben dem Tage 12.12.1812 wird daselbst auch das in der Commüne Greven am Ufer der Emse gelegene Gut Schoneflieth verkauft. Dieses Guth eignet sich vorzüglich zur Anlage einer Fabrick.“

Vier Grevener Kaufleute, unter ihnen Johann Christoph Biederlack, erwarben das gesamte Gut Schöneflieth, die Burg, die dazu gehörenden Ländereien und sonstigen Rechte.

Und am 04.06 1813 liest man in derselben Zeitung: „Am Dienstag den 8. Juni des Morgens um 9 Uhr sollen zu Schoneflieth bei Greven folgende Baumaterialien als: 1) Das Holz des

Daches vom Hauptgebäude daselbst, bestehend in Latten, Sparren, Balken, Plathen und Pfosten, sämmtlich gut conservirtes, fast durchgängig ganz kantiges, zu jedem Hausbau und auch zum Theil für Tischler brauchbares Eichenholz. 2) Mehrere Thüren und Fenster-Rahmen mit dem darin befindlichen Glase, und 3) Eine Quantität Dachpfannen, wie auch Ziegel- und Bruchsteine öffentlich durchs Meistgeboth unter in Actu bekannt zu machenden Bedingungen verkauft werden, wozu Kauflustige eingeladen werden.“

In den folgenden Jahren erfolgte dann der Abbruch der Burggebäude, das Material diente als Baumaterial für Gebäude aller Art in Greven und Umgebung.

Erst 1974 wurde der südliche Teil der Burggräfte mit Müll zugeschüttet, danach aufgefüllt und mit Bäumen bepflanzt.

Wir wissen nicht, wie die Burg Schöneflieth in den verschiedenen Zeiten aussah. 1603 hat Heinrich von Trier ihre Umrisse auf einer Karte ungenau dargestellt. Nur einige Detailzeichnungen und der Grundriss des Prinzipalhauses sind überliefert. Das Urkataster (1828) gibt jedoch gute Hinweise zum Grundriss der Gesamtanlage.

Auf einem „Flugblatt“ aus dem Jahre 1589, das den Überfall auf den Grevener Markt am 28. August 1589 darstellt, ist auch die Nordseite der Vorburg abgebildet.

Seit 1987 steht der Bereich „Burg Schöneflieth“ unter Denkmalschutz.

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