Hand(weg)weiser in Westerode
Zwischen Hamburg und Berlin

Greven -

In einem alten Rechnungsbuch der Bauerschaft Westerode wird von einem Rechtsgeschäft aus dem Februar 1873 berichtet, das den „Depotgrund von dem Wege an Naberbäumer zum Handzeiger“ betrifft. Die Wegekreuzung „Am Handweiser“ oder auch „Am Handzeiger“ ist in Westerode bis zum heutigen Tage gut bekannt.

Dienstag, 01.10.2019, 17:26 Uhr
Der Handweiser om Westerode.
Der Handweiser om Westerode. Foto: Dieter Bez

Im Juni des vergangenen Jahres stellten Bewohner der Bauerschaft Westerode zusammen mit dem Heimatverein Nordwalde dort erneut einen Handweiser auf. Das Material spendeten Westeroder Alteingesessene, Mitglieder des Heimatvereins Nordwalde fertigten die Richtungsweiser. Die vier sich dort kreuzenden Wege führen zum Max-Clemens-Kanal, nach Reckenfeld und Emsdetten, nach Nordwalde und zur Straße Greven-Nordwalde. Drei junge Bäume und zwei Bänke stehen jetzt auch auf der Kreuzungsinsel.

Bis vor wenigen Jahren stand dort bereits ein hölzerner Wegweiser, ein Pfahl mit Richtungsarmen, den ein extremer Sturm zu Fall brachte. Aufgestellt hatte 1975 diesen Handweiser in der Rohlings Venne, an der Grenze Greven- Nordwalde, ebenfalls die Werkgruppe des Heimatvereins Nordwalde. Sie sorgte damals dort auch für eine Ruhebank. An dieser Stelle stand auch schon vor1975 ein Hand(weg)weiser. Ein Blick auf die Karte aus dem Jahre 1842 zeigt, von dieser Kreuzung führten Wege zum Max-Clemens-Kanal, nach Emsdetten, nach Westerode und Greven und nach Nordwalde.

Nur in Greven-Maestrup am Hof Brinkkötter, wo der Ostbeverner Damm von der Schmedehausener Straße abbiegt und noch heute ein Wegweiser mit dem üblichen rechteckigen weißen Schild „Ostbeverner Damm“ steht, ist ein Handweiser oder Handzeiger bekannt. Von Alfons Austrup ist zu erfahren, dass bis Mitte der 1960er Jahre, also bis zum Ausbau der Schmedehausener Straße, dort ein weiß gestrichener Handweiser „mit Finger“ stand, auf dessen Brett „Ostbevern“ zu lesen war.

Was diese Bezeichnung „Handweiser“, „Handzeiger“ oder „Armenwegweiser“ bedeutet, beantwortet die „Forschungsgruppe Meilensteine“: Es „sind hölzerne Wegmarkierungen, die durch Verfügung ab 1691 in Kursachsen aufgestellt wurden und nach einem Edikt vom 26.08.1704 in Preußen. Sie lösten die bis dahin übliche Baummarkierung ab und bestanden aus einem senkrechten Pfahl mit bis zu fünf beschrifteten hölzernen Armen. Die als Richtungsweiser dienenden Arme mit ausgestreckten Zeigefingern trugen schwarze Schrift mit Angaben zu dem nächst größeren Ort.“

Das Bemalung des Ständers des Handwegweisers sollte in Preußen gemäß des Ediktes von 1704 „mit blau / weiß und Orange Oehlfarbe“ erfolgen und auf dem Arm des Wegweisers sollte neben dem Ziel auch die Meilenzahl angezeigt werden. Diese Wegweiser waren die Vorläufer der Meilensteine. Die Farben Blau und Weiß stehen dabei für Preußen, das Orange vermutlich für die Niederlande, also für das Heimatland von Louise Henriette von Oranien, Gemahlin Friedrichs I.“

Seit dem Jahre 1812 wurden die Ständer gemäß eines neuen preußischen Ediktes zum Armenwegweiser schwarz-weiß-gestreift gestaltet, also mit den preußischen Nationalfarben, die Arme weiß, die Schrift darauf schwarz. So wird dann auch wohl der erste Handweiser auf der Kreuzung in Westerode ausgesehen haben.

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