Christian Ahlert über die Entwicklung in der Innenstadt
„Die Parkgebühren abschaffen“

Greven -

Mit Christian Ahlert, 43-jähriger Kaufmann, sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning über die Entwicklung der Grevener Innenstadt und die Chancen des stationären Handels in den Zeiten des Internets.

Freitag, 18.10.2019, 19:09 Uhr
Christian Ahlert in seinem Modehaus mit Blick auf den Niederort.
Christian Ahlert in seinem Modehaus mit Blick auf den Niederort. Foto: Günter Benning

Der Niederort hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Ahlert: Sehr positiv. Der Niederort war vorher sehr dunkel durch die Kastanien dort. Jetzt ist es heller, freundlicher, die Leute verweilen hier. Das „Täglich“ befeuert diese Entwicklung noch.

Und kommen die Leute auch vermehrt in Ihren Laden?

Ahlert: Auf jeden Fall. Die Leute bummeln wieder mehr als früher. Sie schlendern auch mal durchs Geschäft, nutzen die Abkürzung durchs Erdgeschoss. Man ist wieder etwas mehr in den Fokus gerutscht.

Rundherum sind einige Modeläden entstanden. Ist Konkurrenz eigentlich gut oder schlecht?

Ahlert: Wettbewerb ist auf jeden Fall gut. Man kann sowieso nicht jeden Kunden bedienen. Aber je mehr Auswahl da ist, umso mehr Leute kommen auch von außerhalb. Die sagen dann, in Greven kauft man nicht nur bei Ahlert oder Wieschhörster ein, sondern es gibt auch andere Läden.

Was kann sich in dieser Richtung in der Stadt noch entwickeln?

Ahlert: Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir haben ja auch noch einige Flächen, die entwickelt werden können. Zum Beispiel an der oberen Marktstraße, wo schon mal ein Edeka entstehen sollte. Das kann immer noch was werden – dadurch würde man einen ganz guten Rundlauf hinbekommen. Ansonsten bin ich ein Freund davon, Fußgängerzonen aufzuweichen und als Einbahnstraßen für den Verkehr freizugeben. Dadurch kommt mehr Leben rein – und die Ladenlokale werden gefüllt.

Bei ihnen gibt es ja eine Mischform. Der Niederort mit seinen Ruhezonen, aber auch etwas Autoverkehr vor der Tür.

Ahlert: Ich empfinde das nicht als störend, sondern als Vorteil, weil die Kunden vom Land doch gewohnt sind, mit dem Auto vorzufahren. Ich glaube übrigens, wenn man den Bereich an der Marktstraße von der Barkenstraße bis zum Schuhhaus Robbers zur Einbahnstraße machen würde, dann hätten wir da oben auch nicht die großen Leerstände.

Sie leben nicht allein von den Grevenern? Wo kommen ihre Kunden her?

Ahlert: Ein Drittel kommt aus Greven, viele aus dem Umland und ein Großteil aus Münster. Und zwar, weil sie hier die bessere Beratung finden. In Münster gibt es kaum noch inhabergeführte Läden. Wir haben dagegen Mitarbeiter, die teilweise 50 Jahre bei uns sind. Die kennen das Sortiment perfekt, kennen die Kunden. Der Kunde wünscht diese Beratungsleistung.

Also Beratung ist auch in Zeiten des Internets wichtig?

Ahlert: Sehr. Die Textilien an sich sind ja vergleichbar. Wir machen nichts selber und stricken keine eigenen Pullover. Bei uns ist der Markenmix für unsere Kunden vielleicht etwas anders als in der Großstadt. Aber die Beratung macht es aus: Dass man für den Kunden das Richtige raussucht, dass man sie nicht durch ein zu großes Angebot überfordert.

Empfinden Sie das Internet als eine bedrohliche Konkurrenz?

Ahlert: Ich glaube, die Leute besinnen sich langsam darauf, dass der stationäre Handel zum Überleben der Innenstadt beiträgt. Dafür braucht man eine attraktive Gastronomie und funktionierenden Einzelhandel. Wenn das wegfallen würde, würden auch viele andere Attraktionen fehlen. Nehmen Sie mal Greven an die Ems – das sind viele Mittelständler und lokale Händler, die das unterstützen.

Aber junge Leute kaufen schnell mal online ein?

Ahlert: Die sollten mal den Versuch wagen, in der Innenstadt einzukaufen. Wir besorgen auch Sachen. Sie kriegen die Beratung – und gehen mit dem Passenden nach Hause.

Wie gehen Sie selber mit dem Internet um?

Ahlert: Wir bauen unsere Internetseite um. Wir präsentieren dort künftig unser Sortiment. Da wird sich der Kunde auch Teile reservieren können. Aber wir machen keinen klassischen Online-Shop.

Was tun Sie für die Pflege ihrer Kundenbeziehungen?

Ahlert: Wir haben viele Kunden, die sich anmelden und die unser „private Shopping“ in Anspruch nehmen. Viele fragen gleich nach ihrer Stammverkäuferin oder ihrem Stammverkäufer. Die suchen dann schon was aus, der Kunde kommt, trinkt schon mal einen Kaffee. Manche verbringen hier einen halben Tag bei uns.

Das ist ja schon Erlebnisshopping, wie man es bei L&T in Osnabrück kennt?

Ahlert: L&T ist mittlerweile auch der größte Gastronom in der Stadt durch seine Genussmeile im Haus. Der hat mittlerweile eine Eventmanagerin eingestellt, um die Aufenthaltsqualität im Haus zu erhöhen.

Da hätten Sie einen Vorteil, wenn man die Stadt als Kaufhaus betrachtet. Dann gehört die Gastronomie im Niederort auch dazu.

Ahlert: Ja, und darum funktioniert es auch nur, wenn alle Hand in Hand zusammenspielen. Es wäre wünschenswert, wenn die Kooperation besser funktionieren würde. Das Problem ist, dass wir hier auch Kettenläden haben. Sie ziehen sich aus der Verantwortung, nehmen aber den Umsatz mit.

Wie wichtig sind die verkaufsoffenen Sonntage für Sie?

Ahlert: Die sind extrem wichtig, die ziehen Kunden von außerhalb, die sonst nicht da sind. Den Umsatz könnten wir auch nicht ersetzen.

Wenn Sie einen Wunsch an die Stadt und die Politiker hätten, was wäre das?

Ahlert: Die Parkgebühren abschaffen, das wäre ein Pfund, mit dem Greven noch mal punkten könnte. Man könnte ja die Dauerparker abschrecken, indem man eine Begrenzung von vier Stunden einführt. Für die Kunden und die gesamte Innenstadt wäre es viel schöner ohne Gebühr.

Jetzt haben Sie noch einen Wunsch frei.

Ahlert: Wir sind auf einem guten Weg, da müssen wir am Ball bleiben, um die Aufenthaltsqualität und den Sortimentsmix in der Innenstadt weiter zu verbessern. Das Kerngebiet der Stadt muss sich entwickeln. Und dafür wären weitere Baugebiet interessant. Wir merken, dass viele neue Grevener aus Münster zu uns kommen, die zum Beispiel in der Wöste gebaut haben. Und die sagen, dass unsere Stadt sehr schön ist. Einige Grevener sehen das oftmals anders.

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