Fragebogen-Test für ein wichtiges Problem bei Parkinson-Patienten
Wechsel kann Probleme machen

Greven -

Johanna Weitzel ist Apothekerin in Steinfurt. Gerade arbeitet sie an einer Doktorarbeit am Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Uni Münster. Beim jüngsten Treffen der Regionalgruppe für Parkinsonkranke testete sie einen Fragebogen. Interessantes Thema: Was passiert, wenn Parkinson-Kranke ihr Medikament wechseln müssen? Bisher gibt es nur Klagen über Nebenwirkungen, aber Weitzel will es genau wissen. Mit ihr sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Sonntag, 27.10.2019, 09:22 Uhr aktualisiert: 27.10.2019, 09:30 Uhr
Johanna Weitzel ist Apothekerin und promoviert berufsbegleitend. Bei Wauligmann ließ sie die Parkinson-Gruppen aus dem Kreis einen Fragebogen testen, bei dem es um den Wechsel von Medikamenten geht.
Johanna Weitzel ist Apothekerin und promoviert berufsbegleitend. Bei Wauligmann ließ sie die Parkinson-Gruppen aus dem Kreis einen Fragebogen testen, bei dem es um den Wechsel von Medikamenten geht. Foto: Günter Benning

Sie machen eine Untersuchung mit Parkinson-Patienten. Das klingt sehr speziell. Wenn Betroffene von einem bestimmten L-Dopa-Medikament auf ein anderes umsteigen, kann es Probleme geben?

Weitzel: Genau, das betrifft nicht nur Parkinson-Patienten, sondern auch viele andere. Aber so ganz abstrakt ist das gar nicht. Das hat sicher der ein oder andere auch erlebt, dass man immer von einem bestimmten Hersteller ein Präparat bekommen hat, dann kommt man in die Apotheke und erhält eine ganz andere Packung. Dann sehen die Tabletten auch noch anders aus. Da ist meistens eine Verunsicherung da. Das Ganze hat etwas mit den Rabattverträgen im deutschen Gesundheitswesen zu tun. Wir müssen dann die Firma abgeben, mit der die Krankenkasse einen Vertrag geschlossen hat.

Die Apotheker pflegen aber zu sagen, macht nichts, da ist das Gleiche drin. Oder?

Weitzel: Jein, das ist auch erstmal nicht so nicht total verkehrt. Die Präparate enthalten ja alle den gleichen Wirkstoff und unterscheiden sich nur in den Hilfsstoffen. In Ausnahmefällen kann es immer zu Unverträglichkeiten kommen. Das besondere bei L-Dopa-Präparaten ist, dass Parkinson-Patienten unmittelbar eine Abhängigkeit von dem Arzneistoff haben. Sie nehmen die Tablette ein und wissen genau, nach 20 Minuten wird die Bewegungsfähigkeit besser, dann hört das Zittern auf. Und in diesem Zusammenhang gibt seit Jahren Berichte von Betroffenen, dass ein Firmenwechsel mit Veränderungen einhergehen kann. Das kann besser sein, das kann schlechter sein. Es gibt auch Patienten, die sagen, dass es ist ihnen egal ist, sie bemerken keinen Unterschied.

Gibt es denn Nebenerscheinungen?

Weitzel: L-Dopa an sich hat das Problem, dass die Wirkung im Laufe der Erkrankung abnimmt. Das ist eine Komplikation, dass das Medikament schon sehr genau eingestellt sein muss. Und wenn dann noch ein Wechsel hinzukommt, kann es problematisch werden.

Daraus vernimmt man, dass es immer Berichte gibt, aber keine systematische Untersuchung. Ist es das, was Sie jetzt vorhaben?

Weitzel: Mein Projekt ist ein Kooperationsprojekt zwischen der pharmazeutischen Technologie und der klinischen Pharmazie. Ich habe einen Fragebogen erstellt, mit dem die Patienten nach dem Wechsel und damit verbundenen Änderungen befragt werden. Gibt es Nebenwirkungen, wie geht es den Leuten mit den Medikamenten? Da suchen wir nach Mustern. Und im zweiten Teil wollen wir im Labor untersuchen,  ob es wirklich so ist, dass sich Tabletten unter Realbedingungen unterschiedlich auflösen. L-Dopa hat die Eigenart, dass man es eine halbe Stunde vor dem Essen geben muss, damit es keine Wechselwirkungen mit den Proteinen der Nahrung gibt. Wenn man sich vorstellt, man bekommt sechsmal am Tag ein Medikament und man möchte auch noch Mittagessen und Kaffeetrinken, dann wird das schwierig. Wir testen tatsächlich im künstlichen Darmsaft, um zu gucken, ob es bei den einzelnen Firmen Unterschiede gibt. Dann können wir vergleichen, ob die Wahrnehmungen der Patienten mit dem übereinstimmen, was wir im Labor feststellen.

Und das machen Sie mit einer Umfrage, die Sie der Parkinson-Verbandszeitschrift „Leben mit Zukunft” beilegen wollen?

Weitzel: Genau, das machen wir im März. Der Test hier bei Wauligmann dient vor allem dazu, zu klären, ob der Fragebogen richtig konstruiert ist. Stimmt die Schriftgröße? Sind die Fragen verständlich? Verstehen die Patienten überhaupt, was ich von ihnen wissen möchte?

Da hat ja jeder Erfahrungen mit Steuererklärungen. Haben Sie das Gefühl, Sie haben Ihre Fragen klar formuliert?

Weitzel: Das hoffe ich, ich habe mich viel unterhalten mit Psychologen und Fachleuten, die sich mit der deutschen Sprache beschäftigen. Da muss man schon gucken, was denn patientengerecht ist. Es nützt mir nichts, wenn ich einen fachlich perfekten Fragebogen mit hochgestochenen Fragen habe, den aber leider der normale Patient nicht versteht. Ich bin offen für Kritik.

Und die Parkinson-Gruppen aus dem Kreis Steinfurt sind Ihre Versuchskaninchen?

Weitzel: Ja, es ist ein Vortest. Und ich finde es schön, dass sich die Parkinsongruppen aus Ibbenbüren, Rheine und Greven hier zusammengeschlossen haben, um mich dabei zu unterstützen. Ich möchte mich daher bei allen Beteiligten bedanken. Es gab schon einmal einen Versuch zu erreichen, dass dieses Medikament nicht ausgetauscht werden darf. Dafür muss der Arzt einen entsprechenden Vermerk auf dem Rezept machen. Damals wurde geurteilt, dass Parkinson-Patienten nicht speziell genug sind.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7021955?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker