Wilde Spekulationen und ganz viel Gerüchte
Die Jagd nach den Kandidaten

Greven -

Wer tritt im kommenden Jahr bei der Bürgermeisterwahl an? Welche Parteien schicken überhaupt Kandidaten ins Rennen? Ein Jahr vor der Wahl sind in Greven noch viele Fragen offen. Zumindest offiziell.

Samstag, 26.10.2019, 16:21 Uhr aktualisiert: 26.10.2019, 16:30 Uhr
Wenn niemand etwas sagen will, nicht man Namen nennen oder über mögliche Kandidaten spekulieren will, dann muss eben der Blick in die Kugel gewagt werden. Oder: man hört ganz genau hin, was der Flurfunk so sagt. Und nicht zuletzt gibt es ja auch noch Gerüchte, die beachtet werden wollen.
Wenn niemand etwas sagen will, nicht man Namen nennen oder über mögliche Kandidaten spekulieren will, dann muss eben der Blick in die Kugel gewagt werden. Oder: man hört ganz genau hin, was der Flurfunk so sagt. Und nicht zuletzt gibt es ja auch noch Gerüchte, die beachtet werden wollen. Foto: dpa

Unglaublich: Keine Namen, keine Kandidaten, und das, wo in nicht mal einem Jahr – genau am 13. September – gewählt werden darf. Im Gegensatz zu anderen Kommunen ist in Greven noch kein Bürgermeister in spe in den Ring gestiegen. Was bleibt da einem armen, neugierigen Journalisten? Fragen oder ein Blick in die Kugel einer Wahrsagerin werfen – oder als letzte Möglichkeit dem Flurfunk lauschen. Dann man los.

Die Gemengelage in Greven ist aber auch sowas von kompliziert. Der amtierende Bürgermeister Peter Vennemeyer will nicht mehr. Amtsbonus kann sich die SPD also abschminken und muss seit langem mal wieder einen neuen Kandidaten aus dem Hut zaubern. Aber: Das ist nicht so ganz einfach. Denn ideal wäre ein Kandidat mit Grevener Wurzeln und ganz viel Verwaltungserfahrung. Aber: Woher nehmen?

Trotzallem: Es soll zwei Grevener Sozialdemokraten geben (so der Flurfunk), die gerne Bürgermeister werden würden: Christian Haefs und Stevens Gomes – letzterer als Favorit des aktuellen Bürgermeisters. Ihr Makel: Verwaltungserfahrung haben beide nicht. „Unsere Findungskommission ist noch aktiv, Ergebnisse kann ich noch nicht vermelden“, sagt der SPD-Ortsvereins-Vorsitzende Marc Ickerott und verweist für weitere Infos eben an diese Findungskommission. Nur: Wer das ist, sagt er auch nicht. Geschwätzig ist anders.

Bei der CDU könnte man meinen, dass sie schon weiter voran gekommen ist. Aber auch hier gilt: Man mag noch keinen Namen nennen. Jung und dynamisch soll er sein, wahrsagen die gut informierten Kreise, sprechen von einem Juristen aus dem Dunstkreis des Rheinenser CDU-Bürgermeisters. „Eine ganz heiße Spur“, ist aus der Politik zu hören. „Stimmt aber nicht“, reagiert der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Alfons Schulze Jochmaring, auf zwei Namen, die kursieren.

Namen nennen will er nicht. Aber: „Wir haben einen hochkarätigen Kandidaten gefunden, der all den Kriterien entspricht, die wir für die Kandidatur aufgestellt haben.“ Den Grevenern soll er Anfang des kommenden Jahres vorgestellt werden. Das ist doch schon mal etwas.

Ein Thema wird die ganze Szenerie noch stark beeinflussen. Gibt es eine Stichwahl bei der Bürgermeisterwahl oder gibt es keine? Die Landes-CDU hat bekanntlich zusammen mit der FDP ein neues Wahlrecht geschlossen. Das besagt, dass es bei der Bürgermeisterwahl künftig reicht, die meisten Stimmen zu bekommen. Heißt: Eine Stichwahl gibt es dann nicht mehr. Dagegen haben wiederum SPD und Grüne vor dem Landesverfassungsgericht geklagt, das ein Urteil weit vor der Wahl verkünden will.

Und das wird dann sehr wichtig, wenn nicht entscheidend, bei der Kandidaten-Kür. Warum, zeigt der Blick zurück. Denn bei der Bürgermeisterwahl 2007 bekam der CDU-Kandidat Jörg Hußmann im ersten Wahlgang 36,6 Prozent aller Stimmen, Peter Vennemeyer nur 30,5 Prozent. Nach dem neuen Wahlrecht hätte also Hußmann klar gewonnen und wäre Bürgermeister geworden. Aber: Das galt eben damals noch nicht und Hußmann unterlag in der Stichwahl dem SPD-Kandidaten Vennemeyer recht deutlich.

Wichtig war in diesem Zusammenhang die Kandidatur von Dr. Michael Kösters-Kraft (Grüne, 20 Prozent) und Ernst Reiling (Reckenfeld direkt, 12,8 Prozent). Deren Stimmen aus dem ersten Wahlgang gingen in der Stichwahl zum allergrößten Teil an Vennemeyer.

Was dann wiederum die Frage aufwirft: Wollen die „Kleinen“ im kommenden Jahr wieder antreten? Ernst Reiling hat da eine klare Aussage. „Gibt es keine Stichwahl, trete ich nicht an. Das wäre kontraproduktiv. Gibt es eine Stichwahl, muss ich mir das noch mal überlegen.“

Der Grüne Michael Kösters-Kraft ist da noch nicht so weit. „Wir sind noch im Beratungsprozess, das wird noch bis Mitte Dezember dauern.“ Es habe aber auch schon ein Nachdenken darüber gegeben, ob man in Greven eine große Lösung finden könne, also ein Kandidat, der von mehreren Parteien unterstützt wird. „Aber in Zeiten, in denen die Grünen so erfolgreich sind bei den Wählern, wäre es sicherlich angebracht, grüne Politik auch im Grevener Rathaus zu etablieren.“ Sprich: Eine eigene Kandidatur wäre nicht schlecht. Ob er es dann selber wird, sei dahin gestellt. Der Mann ist dann schließlich 64 Jahre alt.

Also ein klares sowohl als auch von den Grünen. Aber Kösters-Kraft liefert zumindest Argumente dafür, einen Bürgermeister-Kandidaten erst recht spät bekannt zu geben. „Führen Sie mal ein Jahr lang Wahlkampf, das steht keiner durch.“ Das werden sich auch andere denken.

Bleibt der Name, der im Hintergrund immer wieder genannt wird. Der hat ein schwarzes Parteibuch, ist aber in Teilen der Grevener CDU nicht gut gelitten. Und doch ist er ein möglicher Kandidat, der als Neu-Grevener und Verwaltungsfachmann zwei wichtige Kriterien erfüllt. Aber: Will der Erste Beigeordnete der Stadtverwaltung, Cosimo Palomba, überhaupt Bürgermeister werden? Und: Für wen sollte er antreten?

Zur ersten Frage: Keine Ahnung, wir konnten ihn nicht fragen. Cosima Palomba befindet sich in dieser Woche im sicherlich wohlverdienten Urlaub. Aber schon vor Wochen hat er erklärt, er trete nicht gegen Peter Vennemeyer an. Als der bekannt gab, dass er nicht wieder antreten würde, suchte Palomba Kontakt zu verschiedenen Parteien, darunter den Grünen und den Linken. Sein Credo: „Ein Bürgermeister braucht Verwaltungserfahrung.“ Die habe er.

Für die SPD wäre es ein Affront gegenüber Peter Vennemeyer, wenn sie Palomba aufs Schild heben würden. Die beiden können bekanntlich nicht miteinander. Und sowieso: Ein CDU-Mann als Kandidat der Sozen? Das ginge ja gar nicht. Bleiben Grüne, Linke, FDP und Grüne. Bei denen ist Palomba gut angesehen, aber ob das für eine Kandidatur reicht?

Da muss wohl noch viel hinter den Kulissen diskutiert und verhandelt, das ein oder andere gemeinsame Bier getrunken werden. Und nicht zuletzt könnte ja auch noch ein völlig unerwarteter Kandidat aus den Büschen kommen, vielleicht sogar einer aus dem blauen Rechtsdraußen-Lager?

In der Politik – auch im Lokalen – ist schließlich alles möglich . . .

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