„Ossi-Party“ ist ausverkauft
Auch „Wessis“ wollen dabei sein

Reckenfeld -

Es geht ihnen keineswegs darum, die DDR zu verherrlichen. „Das darf man auch nicht tun“, sagt Ilona Weigel. Aber die DDR – sie war und ist nun mal ein wichtiger Teil ihres Lebens. Ihre Kindheit und Jugend hat sie dort verbracht. Als die Mauer fiel, war sie Mitte 30.

Samstag, 26.10.2019, 09:20 Uhr
Frank und Ilona Weigel zeigen einige Ausstellungstücke aus der DDR-Zeit, die im Rahmen der Ossi-Party in einer Art Museum präsentiert werden.
Frank und Ilona Weigel zeigen einige Ausstellungstücke aus der DDR-Zeit, die im Rahmen der Ossi-Party in einer Art Museum präsentiert werden. Foto: Oliver Hengst

Kein Wunder, dass sie auch heute noch, rund 30 Jahre nach dem Mauerfall, lebhafte Erinnerungen an die DDR hat – und an die Musik, die Mode, das Essen, die Rituale. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das Land, in dem sie aufwuchs, ein Unrechtsstaat war, eine Diktatur.

Wenn sie also am 9. November zusammen mit ihrem Mann Frank und weiteren Mitstreitern zur „Ossi-Party“ einlädt, dann geht es nicht darum, dort die DDR auf ein goldenes Schild zu heben oder das Unrecht zu verharmlosen. Sie will vielmehr einen Anlass schaffen, sich gemeinsam zurückzuerinnern, zu klönen, sich auszutauschen. Die alten Zeiten sollen nicht verherrlicht, aber eben auch nicht vergessen werden.

Das Wort Party gibt vor, dass es dabei durchaus lustig zugehen soll und darf. Das Konzept überzeugte so viele Reckenfelder, dass Ilona Weigel und Wirt Michael Hillmann vom Deutschen Haus inzwischen „ausverkauft“ melden können. Die 120 Karten sind weg. „Größer soll es auch nicht werden. Ganz bewusst nicht.“

Wer vermutet, dass sich ausschließlich Ossis mit Karten eingedeckt hätten liegt falsch. „Etwa fifty-fifty“, sagt Ilona Weigel. Tanzen zur Musik von City oder Karat – das spricht offenbar auch „Wessis“ an.

Zumal der Abend noch viel mehr zu bieten hat. Unterhaltsame Beiträge im sächsischen Akzent etwa, typisches ostdeutsches Essen, und ein kleines Museum mit Alltagsgegenständen.

Einen davon hält Frank Weigel in Händen: eine Kompaktkamera aus DDR-Fertigung. Sie galt für damalige Verhältnisse als fortschrittlich und bot dem Fotografen komfortable Möglichkeiten, die Belichtung zu steuern. „Etliche Dia-Filme“ habe er damit gefüllt, sagt Frank Weigel. „Das war mein erstes Geschenk an meinen Mann“, ergänzt Gattin Ilona. Auch ein kompaktes Kofferradio und eine Sandmännchen-Figur haben sie aus jener Zeit noch aufgehoben. Dinge, die zusammen mit etlichen anderen Exponaten am Party-Abend im Deutschen Haus ausgestellt werden und vermutlich etliche Gespräche auslösen, die mit „Weißt Du noch . . .“ beginnen.

Vor dem Deutschen Haus wird ein Trabi geparkt, am Eingang wird eine Grenzkontrolle am Schlagbaum stattfinden.

Und drinnen? Gibt es keine Stehparty. „Das gab es früher bei uns auch nicht. Wir wollen das an dem Abend so aufziehen wie auf den Partys früher bei uns. Da haben alle an Tischen gesessen“, sagt Ilona Weigel. Natürlich mit Ausnahme der Tanzfläche.

Dass diese belebt sein wird, dafür sorgt DJ Uwe Alsleben. Von ihm erwartet sich nicht nur Ilona Weigel „gute Mucke“. In Kombination mit gutem Essen und netten Gästen sollte es ausreichend Gelegenheit für interessante Gespräche geben.

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