Schlüter muss Haus in Wentrup abreißen
Zum Schluss kommt der Bagger

Greven -

Das Haus des Architekten Bernd Schlüter in Wentrup ist Geschichte. Nach jahrelangem Streit mit der Stadtverwaltung und mehreren Niederlagen vor Gericht musste Schlüter das Haus in der vergangenen Woche abreißen. Die Stadt Greven hatte ihm mit einem Zwangsgeld gedroht.

Samstag, 26.10.2019, 11:20 Uhr
Hier stand einmal das Haus, nur noch die Grundmauern sind zu sehen. Bernd Schlüter musste das Haus abreißen lassen.
Hier stand einmal das Haus, nur noch die Grundmauern sind zu sehen. Bernd Schlüter musste das Haus abreißen lassen. Foto: Peter Beckmann

Er musste es tun. Die Stadt Greven hat ihm ein Zwangsgeld angedroht. Und so hat Bernd Schlüter in der vergangenen Woche den Bagger bestellt, der alles platt gemacht hat. Der jahrelange Streit um das Schlüterhaus in Wentrup im Winkelhoek ist entschieden.

Für das Haus im Winkelhoek gab es eine Baugenehmigung. Die stammte aus dem Jahr 1930. Der Architekt Bernd Schlüter sanierte im Jahr 2012 das im Bauhaus-Stil gebaute Gebäude, er nannte das eine „energetische Sanierung“.

Gang vor das Bundesverfassungsgericht

Das aber sah die Stadt anders und warf dem Architekten vor, dass das Haus nach der „Sanierung“ deutlich größer als das ursprüngliche Gebäude sei und nur noch wenige Original-Steine vorhanden seien. Nach Ansicht der Stadt sei das Haus sogar fast komplett neu gebaut. Sie forderte Bernd Schlüter deshalb auf, das Haus innerhalb von drei Monaten abzureißen.

Gegen diesen Bescheid klagte Schlüter vor dem Verwaltungsgericht, verlor das Verfahren aber. Eine Berufung gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. Schlüters Vorwurf: „Alles wurde nur nach Aktenlage entschieden, niemand ist vor Ort gewesen und hat kontrolliert, was denn nun alt und was neu ist an dem Haus.“

Schlüter entschloss sich zum Gang vor das Bundesverfassungsgericht. „Das BVG hat die Klage nicht zur Entscheidung angenommen“, erklärte Uwe Kunze, Fachbereichsleiter Bürgerdienste und Recht bei der Stadtverwaltung. Das habe die Stadt aber erst auf eine entsprechende Nachfrage beim BVG erfahren.

Hoher finanzieller Schaden

Aber: Der Grevener Architekt wollte nicht aufgeben, sah sich im Recht. Schlüter klagte vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte – und war auch hier nicht erfolgreich. Konsequenz: Siehe oben.

Bernd Schlüter ist sich sicher: „Da sollte von Seiten der Stadtverwaltung ein Exempel statuiert werden.“ Schließlich sei sein Haus das Älteste rund herum gewesen. „Da müsste man bei den anderen Häusern genau so vorgehen.“ Der finanzielle Schaden für ihn sei sehr hoch, der emotionale natürlich auch.

Schlüter ist sich sicher: „Das Ganze hat mit persönlichen Animositäten zu tun.“ Und er setzt noch einen drauf. „Ich bin mir sicher, dass es im Vorfeld der Verhandlung Absprachen zwischen der Stadtverwaltung und dem Verwaltungsgericht gegeben hat.“

Wie es nun weiter geht müsse sich zeigen. „Wir hatten schon vorher ein nicht so gutes Verhältnis zur Stadtverwaltung. Das ist aber jetzt völlig zerrüttet. Wir müssen uns hier jetzt erst einmal sortieren und dann schauen, wie es weiter geht.“

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