Google-Rezensionen für Reckenfelder Einrichtungen
„Falsche Adresse, bester Pastor“

Reckenfeld -

Dass Online-Kunden ihre Waren im Internet bewerten – daran hat man sich gewöhnt. Dass Mediziner auf speziellen Plattformen benotet werden: auch nichts (ganz) Neues mehr.

Freitag, 01.11.2019, 15:18 Uhr
Reckenfelder Sportvereine, Geschäfte, Restaurants, Apotheken, Kindergärten – ja sogar Kirchen: Im Internet wird heutzutage alles bewertet.
Reckenfelder Sportvereine, Geschäfte, Restaurants, Apotheken, Kindergärten – ja sogar Kirchen: Im Internet wird heutzutage alles bewertet. Foto: rbö

Aber Schulen? Und sogar Kirchen? Ja, auch dafür werden online inzwischen Bewertungen abgegeben. Google macht‘s möglich. Dort nennt sich das Rezension. Klingt nach Kultur. Ist es aber nicht. Wer es nicht für möglich hält, möge selber nachschauen. Beim Kartendienst des Online-Riesen wird man fündig.

Also zunächst zu den Reckenfelder Kirchen: Die katholische Franziskuskirche bekommt glatte fünf Sterne – die Höchstwertung. Allerdings haben nur zwei Nutzer eine Rezension abgegeben, die Aussagekraft somit: na ja, eingeschränkt. Einer dieser Nutzer geht es mit der Kirche ganz pragmatisch an: „Sehr hell und viel Tageslicht“, lautet sein Fazit.

Auch in der protestantischen Kirche kann man es offenbar aushalten. 3,9 Sterne für die Erlöserkirche im Schnitt – nicht schlecht, aber noch ausbaufähig. Auch hier haben einige Besucher bemerkenswerte Kommentare hinterlassen. Vor allem dieser: „Falsche Adresse aber bester Pastor“. Für die anderen Kirchen – in Reckenfeld durchaus zahlreich vertreten – gibt es im Übrigen keine Rezensionen.

Jedoch für das RBO. Das Reckenfelder Blasorchester wurde vier Mal bewertet – und muss sich angesichts der nur knapp verfehlten Höchstwertung (4,8) offenbar keine Sorgen machen. Genau wie die Freilichtbühne („Die Leute haben‘s echt drauf“), die ebenfalls gut abschneidet (4,6).

Der örtlichen Grundschule werden „nette Lehrer“ bescheinigt, die Grundhaltung der Schule sei „eher konservativ“. Ist letzteres als Lob oder Kritik gemeint? Man erfährt es nicht. Unter dem Strich vergeben die Nutzer 3,6 Sterne. Klingt nach „befriedigend plus“. Zum Vergleich: Die anderen Grevener Grundschulen landen zwischen 3,8 und 4,7 Sternen, die weiterführenden zum Teil deutlich darunter (2,7 bis 4,0).

Direkt neben der Grundschule liegt die Walgenbachsporthalle. Auch die wird natürlich bewertet. „Die Halle ist sehr rutschig, aber sonst ok“, lautet ein Urteil. Auch Bilder sind hinterlegt. Doch landet man hier – oh Wunder – im Wohnzimmer eines offenbar benachbarten Privathauses. Was ist denn da schief gelaufen?

Natürlich verteilen Google-Nutzer auch Noten, respektive Sterne, für Sportvereine, Kindergärten und Spielplätze. Ob das jenen ernsthaft hilft, die vor der Frage stehen, wo man die Kinder spielen lassen oder anmelden sollte?

Nachvollziehbarer ist da schon eher, dass sich hilfesuchende Nutzer tatsächlich an solchen Rezensionen orientieren, wenn es um die Inanspruchnahme von Handwerk, Handel oder Dienstleistungen geht. Etwa beim Friseur Abeler, wo offenbar alles stimmt, wie 4,8 Sterne (von 33 Kunden) verraten: „Nette Angestellte, leckerer Cappuccino“ – was will man mehr? Auch bei anderen Betrieben erhält man mitunter hilfreiche Hinweise auf die gebotene (oder fehlende) Qualität. Für Restaurants ist es ja schon fast eine Selbstverständlichkeit, in Rankings aufzutauchen und (im besten Fall) mit Sternen dekoriert zu werden. Bei Google schließt die Bewerteritis auch Pizzerien und Imbisse ein. Auch Einzelhandelsgeschäfte, Autohäuser, Tankstellen und Apotheken werden rezensiert.

Manche kommen gut weg, manche weniger. Wer Inhaber, Betreiber, Geschäftsführer ist, sollte vielleicht mal nachschauen . . .

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