Heinrich Schlütz war Lehrer in Gimbte
Autor, Chronist und Regisseur

Gimbte -

Heinrich Schlütz wurde am 27. April 1875 in Erwitzen (Nieheim) als Sohn eines Waldarbeiters geboren. Nach dem Besuch der Präparandie in Paderborn und des Lehrerseminars in Warendorf unterrichtete er als Volksschullehrer zunächst in verschiedenen Orten des Münsterlandes. Von 1906 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1935 war er Lehrer in Gimbte.

Samstag, 02.11.2019, 08:11 Uhr aktualisiert: 02.11.2019, 08:20 Uhr
Teil der Vita von Heinrich Schlütz ist auch dessen Verbundenheit mit der NSDAP.
Teil der Vita von Heinrich Schlütz ist auch dessen Verbundenheit mit der NSDAP. Foto: Privat

Am 23. April 1953 starb Heinrich Schlütz in Paderborn, bestattet wurde er in Erwitzen. Seine Vita wäre unvollständig, würde man nicht auf seine Verbundenheit mit der seit 1933 auch im katholischen Münsterland stark werdenden NSDAP hinweisen.

In Gimbte war Heinrich Schlütz von Anfang an in das Dorfleben eingebunden. Er war hier nicht nur als Lehrer und Schiedsmann tätig, sondern auch als Organist der Kirchengemeinde, als Leiter des Cäcilienchores und als Regisseur eines Laientheaters. Darüber hinaus war er der Verfasser einer Schulchronik, des Gimbter Heimatliedes und etlicher Zeitungsartikel, etwa zum Schützenwesen in Gimbte.

Als im Oktober 1936 die Gemeinden zur „Anlegung einer Gemeindechronik“ verpflichtet wurden, sandte Bürgermeister Wilhelm Vorndamme (NSDAP) auch die Gimbter Schulchronik an den Landrat, um zu erfahren, ob die geforderte Gemeinde-Chronik inhaltlich so gedacht sei. Das Urteil des preußischen Staatsarchivs über seine Schulchronik hat Heinrich Schlütz hoffentlich nicht erfahren. „Nicht als Muster für die Führung von Gemeindechroniken geeignet“, hieß es, und weiter: „Der sich zu stark in den Vordergrund drängende Chronist mit seinen selbstgefälligen poetischen Versuchen war nicht in der Lage, schlicht die Ereignisse des stillen Dorfes zu berichten … fehlen auch vollständig alle die Mitteilungen aus dem Leben seiner bäuerlichen Miteinwohner.“ So wurde dann als Chronist für Greven letztlich Joseph Prinz engagiert, ein Glücksgriff.

In den 1920er und 1930er Jahren galt die besondere Liebe des Heinrich Schlütz den Inschriften an Wohnhäusern und an Scheunen. In den Jahren 1925 bis 1931 schrieb er darüber mehrere Aufsätze (z.B. „Die Neubelebung der Hausinschriften“), die in Heimatkalendern, aber auch im „Geschäftsanzeiger des Amtes Greven“ veröffentlicht wurden.

Die „Westfälische Zeitschrift“ veröffentlichte 1967 den Aufsatz „Die westfälischen Hausinschriften im Spiegel ihres Schrifttums“ von Johannes Vincke. Darin heißt es: „… seit 1916 hatte sich Heinrich Schlütz als Lehrer in Gimbte für die Wiederaufnahme der Hausbeschriftung in seinem Schulbezirk eingesetzt. Seit 1925 hat er verschiedentlich über seine Erfahrungen berichtet und anhand selbst verfasster Haussprüche Vorschläge für die Durchführung seiner Pläne gemacht.“

Schlütz verfasste viele solcher Hausinschriften und überredete die Haus- bzw. Hofbesitzer, diese Inschriften anbringen zu lassen. Erfolg hatte er damit vor allem in Gimbte selbst, aber auch in den angrenzenden Bauerschaften. Nicht alle Inschriften konnten bisher ermittelt werden. Bekannt sind zurzeit 23 Hausinschriften, die von ihm stammen.

Überraschend ist, dass die Hausinschriften sich inhaltlich von den ursprünglich christlichen mehr und mehr zu persönlichen und weltlichen Inhalten entwickelten. Nicht zu übersehen ist auch, dass etliche solcher Hausinschriften mit Abbildungen versehen wurden.

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