89-Jährige hat Führerschein abgegeben
„Ich komme gut ohne Auto klar“

Greven -

Katharina Wilpsbäumer ist 89 Jahre alt. Seit vielen Jahren fährt sie Auto. Aber jetzt hat sie ihren Führerschein abgegeben. Das wurde nach dem Umzug von der Gronenburg in die Senioren-Wohnanlage an der Lindenstraße möglich. „Hier kann ich alles zu Fuß erreichen.“

Donnerstag, 07.11.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 12:06 Uhr
Noch besitzt Katharina Wilpsbäumer ihren Führerschein. Aber den gibt sie in den kommenden Tagen ab – genau wie schon zuvor ihr Auto.
Noch besitzt Katharina Wilpsbäumer ihren Führerschein. Aber den gibt sie in den kommenden Tagen ab – genau wie schon zuvor ihr Auto. Foto: Peter Beckmann

Klar ist: Das höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr haben Fahranfänger. In keiner anderen Altersgruppe werden mit dem Auto so viele Unfälle gebaut. Aber: Alle Autofahrer über 65 Jahren, die einen Unfall bauen, stehen direkt im Verdacht, nicht mehr in der Lage zu sein, das Auto im täglichen Verkehr zu beherrschen. Bei einigen ist das auch so, aber ganz viel wollen sich von ihrem Führerschein einfach nicht trennen. Katharina Wilpsbäumer macht diesen Schritt jetzt. Das Auto hat sie ihrem Sohn geschenkt, den Führerschein gibt sie in den kommenden Tagen bei der Stadtverwaltung ab. Und: „Die Entscheidung werde ich sicher nicht bereuen.“

Doch von Anfang an. Katharina Wilpsbäumer hat ihr Leben lang in der Gronenburg gewohnt, jahrelang zusammen mit ihrem Mann Otto das Restaurant und Hotel „Zur Gronenburg“ betrieben. Und dazu gehörten natürlich auch tägliche Fahrten mit dem Auto. „Mein Mann hatte keinen Führerschein“, erzählt die 89-Jährige. In die Stadt zum Einkaufen für Haushalt und Hotel, Fahrten nach Münster zum Großmarkt, Katharina Wilpsbäumer war viel unterwegs. „Die Autobahn habe ich aber immer gemieden“, erzählt sie.

Auch nachdem Hotel und Restaurant verpachtet worden waren, blieb sie in dem Haus neben dem Hotel wohnen – außerhalb und weit weg von Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten oder Bekannten. Und deswegen nutzte sie auch weiterhin ihr Auto.

Aber: Es änderte sich etwas. „Ich habe schon gemerkt, dass beim Fahren nicht mehr alles so hundertprozentig klappt, ich bin auch ängstlicher geworden.“ Fahrten wurden in die Mittagszeit verlegt. „Da ist nicht so viel Betrieb auf den Straßen“, erklärt sie.

Und dann kam eine entscheidende Veränderung. Katharina Wilpsbäumer zog in ein Apartment in der Senioren-Wohnanlage an der Lindenstraße. Und fast zeitgleich mit dem Umzug reifte ein Gedanke. Der Gedanke das Auto zu verschenken und den Führerschein abzugeben. „Ich habe jetzt ja alles in der Nähe. Einkaufsmarkt oder Ärzte kann ich zu Fuß erreichen, zum Friedhof fährt vom Rathausplatz ein Bus.“

Die rüstige Frau geht immer noch gerne spazieren, nimmt dafür immer zwei Stöcke. „Da ist man sicherer.“ Und zum Einkaufen hat sie sich einen Rollator gekauft. „Da kann ich meinen Einkauf gut mit transportieren.“

Seit September wohnt sie an der Lindenstraße und fast genau so lange fährt sie nicht mehr. „Ich komme wirklich ganz gut ohne klar, das Auto fehlt mir nicht, das ist so schon ganz in Ordnung.“ Der Entschluss, nicht mehr Auto zu fahren, sei bei ihr selbst gereift. „Es bedurfte da keiner Anregung von außen.“

Ein Jahres-Freiticket für den ÖPNV gibt es für die freiwillige Führerscheinabgabe in Greven nicht.

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