Besuch aus China in der Bibliothek
Selbstverständliche Technik

Greven -

Langsam, aber ganz sicher bewegt sich der kleine Roboter vorwärts. Interessiert wird er von einem Sechsjährigen beobachtet, seine Mutter schaut mindestens genau so fasziniert zu – wenn auch ein wenig Skepsis in ihrem Blick mit schwingt. In der Stadtbibliothek bewegen sich Roboter, daneben können Kinder an einem Greenscreen Bilder mit virtuellen Tieren knipsen, und an anderer Stelle werden Modelle für den 3D-Drucker eingerichtet. Der Make IT-Tag am vergangenen Samstag machte all dies möglich.

Sonntag, 10.11.2019, 13:40 Uhr
Mit Roboter spielen und sie sogar programmieren ist für Kinder fast selbstverständlich, für die Eltern dagegen oft ein Problem.
Mit Roboter spielen und sie sogar programmieren ist für Kinder fast selbstverständlich, für die Eltern dagegen oft ein Problem. Foto: Luca Pals

Am frühen Vormittag hatten 25 Lehrkräfte aus China dem bunten Wuseln im Keller des Gebäudes einen Besuch abgestattet. Sie alle sind zurzeit im Rahmen einer Bildungsreise an der Uni Münster. Sigrid Högemann, Leiterin der Bibliothek, musste sich verständlicherweise viel von einem Dolmetscher übersetzen lassen, nahm aber viele gute Erfahrungen mit – wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung verriet. „Es war ein reger Austausch, bei dem viele Unterschiede zu erkennen waren. Auch Klischees haben sich bewahrheitet.“

So seien die Lehrkräfte aus dem fernen Lande über die Art und Weise des „Lernens“ in der Bibliothek erstaunt gewesen. Högemann: „In China werden die Kinder schon im frühesten Alter mit Frontalunterricht zugeschüttet. Der Lehrplan in vielen Fächern ist sehr eng getaktet, es herrscht viel Disziplin und Ordnung.“ Im Gegensatz dazu sei das offene Angebot des Make IT-Tages, der einmal im Monat in Greven angeboten wird, „sehr chaotisch“ rüber gekommen.

Der Hintergrund: „Wir fördern die Kreativität der Kinder. Und zeitgleich ist uns die Verantwortung im Umgang mit neuen Medien einfach sehr wichtig.“ Schon seit vielen Jahren geht die Stadtbibliothek den Weg, neue Medien einzubauen. Für die Leiterin ist dies – und damit auch der Make IT-Tag – eine Selbstverständlichkeit. „Wir leben in einer Zeit, in der einfach super viel möglich. Natürlich kann man denken, dass einiges verloren gehen kann. Aber wir müssen die Möglichkeiten hinter all dem sehen: Uns sind so viele Türen geöffnet.“

Das Faszinierende sei dabei zu sehen, wie „selbstverständlich“ die jüngsten Kinder den Umgang mit Tablets oder 3D-Druckern beherrschen. „Die Kids sind damit einfach groß geworden. Oft bekommen wir mit, wie die Eltern dabei ratlos daneben stehen.“ Das Angebot am Samstag war auch deshalb an die ganze Familie gerichtet. Von den ganz Kleinen bis zu Jugendlichen waren alle vertreten, über drei Stunden seien 300 Interessierte durch die Räumlichkeiten gewuselt.

Eine von ihnen ist Jana aus der 6d des Gymnasiums. Sie entwarf – wie selbstverständlich – Skizzen für den 3D-Drucker und sagte: „Hier kann ich ganz einfach Dinge herstellen, die sehr schön sind. Und die Arbeit gefällt mir sehr.“

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