Ausstellungseröffnung im Kunstturm
Von zusammengeklebten Stühlen

Greven -

Gleich mehrere Stühle stehen während der Eröffnung einer neuen Ausstellung im Kunstturm in der Mitte. Sich setzen – das kann trotzdem niemand. Denn: Alle Stühle sind mit Klebepapier zusammengeklebt, dazu mit weißer Farbe bemalt – von oben, von unten, von links, von rechts. Kein Wunder: Die Stühle sind Teil der neuen Ausstellung unter dem Titel „Von Willkür und Ordnung – Arbeiten aus vier Jahrzehnten.“ Zu sehen sind auf drei Etagen zahlreiche Stücke eines Künstlers, der selber nicht mehr erscheinen kann: Herbert Zangs, der 2003 verstarb.

Sonntag, 10.11.2019, 13:40 Uhr
So sehen die Kunstwerke von Herbert Zangs aus. Der Grevener Kunstverein lädt zur neuen Ausstellung ein.
So sehen die Kunstwerke von Herbert Zangs aus. Der Grevener Kunstverein lädt zur neuen Ausstellung ein. Foto: pal

Stephan Kube, erster Vorsitzender des lokalen Kunstvereins, sprach von einer „absolut außergewöhnlichen Ausstellung“, der verstorbene Künstler selber wurde von Schulkameraden einst als „Naturgewalt“ bezeichnet.

Passt sehr gut – findet auch Sandra Pulina aus dem Vorstand des Kunstvereins, die sich lange und intensiv Zeit für die Vorbereitung der Ausstellung genommen hatte. Im Gespräch mit dieser Zeitung gab sie zu, dass „die Vorbereitungen zwar sehr intensiv waren“, sie aber gleichzeitig „so viel Spaß gemacht haben, weil man sehen konnte, wie viele Menschen der Künstler heute noch zusammen bringen kann.“ So etwa Dr. Susannah Cremer-Bermbach, die sich in ihren Recherchen von 1993 bis 1996 drei Jahre mit der „faszinierenden Persönlichkeit“ Zangs beschäftigte.

Zangs, geboren in Krefeld, kehrte nach vier Jahren im Krieg schnell in seinen Heimatort zurück – damals bereits mit dem festen Wunsch Maler zu werden. Ein vierjähriges Kunststudium in Düsseldorf unter widrigsten Bedingungen der Nachkriegszeit folgte. Cremer-Bermbach: „Da hat er wohl auch seine Spontanität und Improvisation herausgebildet.“ Was folgte, ist längst eine Erfolgsgeschichte: „Unzählig sind seine Werke, sicher über 10  000“, berichtete Cremer-Bermbach in ihrer Eröffnungsrede.

Zu Beginn sei seine Kunst n och sehr gegenständlich gewesen. Später zeigte seine Kunst eine „überwältigende Vitalität“ – getrieben durch Neugier, Begeisterung und seiner Leidenschaft zu Reisen und der Natur. Auch auf Reisen habe er Unterkünfte oft mit Gemälden statt mit Geld bezahlt. Aber nicht nur die Atmosphäre von Fern- und Nahlandschaften habe ihn begeistert, auch Werkstätten und Fabriken. Generell sei er ein Künstler mit „schnellem Auge“, dem „nötigen Mut“ und „einem besonderen Hang zur Ordnung.“

Zum Thema

Die Ausstellung ist bis zum 14. Dezember immer samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am Samstag, 16. November, um 15 Uhr folgt ein Ausstellungsgespräch mit Prof. Dr. Erich Franz. Die Finissage findet am Samstag, 14. Dezember, um 17 Uhr statt.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7054603?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker