Marco Scheil leitet den Fachdienst für Stadtplanung im Rathaus
„Auf den Mix kommt es an“

Greven -

Marco Scheil ist seit vier Monaten neuer Fachdienstleiter für Stadtplanung in Greven. Für ihn wichtig: Die Stadt soll nicht nach außen wachsen. Und im Innenbereich muss man mit der Verdichtung vorsichtig umgehen.

Donnerstag, 14.11.2019, 12:47 Uhr aktualisiert: 14.11.2019, 13:00 Uhr
Marco Scheil ist Stadtplaner und für die Bebauungspläne in Greven zuständig.
Marco Scheil ist Stadtplaner und für die Bebauungspläne in Greven zuständig. Foto: Günter Benning

Sein Fachdienst ist für die städtische Bebauungspläne zuständig. Seit vier Monaten ist Marco Scheil Stadtplaner im Grevener Rathaus. Dabei kümmert er sich um die 16 Hektar großen Erweiterungsfläche im Airportpark ebenso wie um das vergleichsweise kleine Fiege-Stammhaus-Gelände am Grünen Weg, bei dem es jüngst nach langen Diskussionen zu einer Einigung mit den Anwohnern gekommen ist. Ein vorbildliches Beteiligungsverfahren.

Der neue Stadtplaner kommt gebürtig aus Wipperfürth im Bergischen Land. Studiert hat er in Dortmund Raumplanung, danach hatte er seine erste Stelle in einem Ahauser Planungsbüro.

Als Planer war er danach in Steinfurt für den Ortsteil Steinfurt zuständig. Er lebt mit seiner Frau im münsterischen Kreuzviertel: „Bei jedem Jobwechsel“, sagt er, „habe ich die Pendelzeit verkürzt.“

Zunehmend werde heute das Bauen im Bestand ein Thema. „Wir können nicht mehr nach außen expandieren“, sagt Scheil.

Bauland vor den Toren der Stadt gebe es und wolle man nicht mehr. Aber er weiß auch, dass der Ersatz alter Gebäude in gewachsenen Wohngebieten durch moderne Mehrfamilienhäuser häufig zu Konflikten führt. Oft gehe es dabei um die gewünschte Dachhöhe. Wobei aber auch schon normale Einfamilienhäuser auf Höhen von zehn bis elf Metern kommen. Höher sind die typischen zweigeschossigen Neubauten mit aufgesetztem Pultdach auch nicht.

Grundsätzlich gebe es auch bei den Ansprüchen der Häuslebauer ein Umdenken.

„Das Idealbild geht in den Köpfen vieler Menschen noch vom Einfamilienhaus aus“, sagt er. Aber es würden kaum noch Grundstücksgrößen über 500 Quadratmeter gefordert.

Einerseits, weil die Grundstückspreise in Greven hoch sind, andererseits, weil sich viele junge Familien mit der Pflege großer Gärten überfordert fühlen. Eher gefragt sind da Grundstücke – wie in Münster üblich – von etwas über 200 Quadratmeter. Was alleine schon zu einer verdichteten Bebauung führt.

Was wichtig sei, sagt Scheil, „ist der Mix“. Und zwar der zwischen einer Bebauung mit Einfamilienhäusern und der mit Mehrfamilienhäusern im bezahlbaren Mietsektor. Wobei der Stadtcharakter erhalten bleiben müsse: „Wir können nicht alle alten Wohngebiete überplanen.“

Eines der wichtigen Themen für das kommende Jahr wird die bauliche Entwicklung an der Mühlenstraße sein. Sein Fachdienst bereitet eine „informelle Planung“ vor. Er will in dem Entwurf, wie er sagt, „Angebote machen, damit sich die Anwohner da wiederfinden“.

Die Mühlenstraße ist ein schönes Probe-Exemplar für jemanden, der wie Scheil neu in der Grevener Stadtplanung ist. Ein Investor hat dort auf familieneigenem Gelände eine Planung für Wohnbebauung entwickelt, die Nachbarn zeigten sich skeptisch, vor allem wegen des Verkehrs. Entlang der Bahngleise soll dort ein mehrgeschossiges Gebäude mit Wohnungen entstehen, dahinter zur Mühlenstraße hin, sind Reihenhäuser vorgesehen.

Vor Monaten hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt von der Verwaltung gleich einen kompletten Rahmenplan für die Straße hinter dem Bahnhof gefordert, um auch die Flächen zwischen Bahnhof und Nordwalder Straße ins Visier zu nehmen. Gleich bei seiner ersten ASU-Sitzung erlebte Scheil, wie die Fetzen flogen: „Das ist das Phänomen der Lokalpolitik, da wird schon mal Tacheles geredet.“

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