„Wegen des Geldes macht das keiner“
Jugendamt sucht weitere Pflegefamilien

Greven -

Wer Pflegekinder aufnimmt, der ist in aller Regel ein Idealist. Im Jugendamt betreuen Lisa Northoff und Madlene Höffker Pflegefamilien. Sie werden gründlich auf ihre Aufgaben vorbereitet und während der Zeit als „neue“ Eltern von den Jugendamtsmitarbeiterinnen betreut.

Freitag, 15.11.2019, 10:29 Uhr
Lisa Northoff (l.) und Madlene Höffker sind im Jugendamt für die Betreuung von Adoptiv- und Pflegefamilien zuständig.
Lisa Northoff (l.) und Madlene Höffker sind im Jugendamt für die Betreuung von Adoptiv- und Pflegefamilien zuständig. Foto: Günter Benning

Sie sucht Menschen mit Herz. „Menschen, die Pflegeeltern werden“, sagt Lisa Northoff, „sind in der Regel Paare, die wirklich Eltern werden wollen.“ Northoff betreut seit über 30 Jahren Adoptiv- und Pflegefamilien in Greven. Im Jugendamt an der Rathausstraße ist sie zusammen mit Madlene Höffker die Anlaufstelle. Hier wird vermittelt, hier erhalten Pflegeeltern Tipps. Hier werden regelmäßig Kontakte gepflegt. „Derzeit haben wir rund 35 Familien mit Pflegekindern in der Stadt“, sagt die Jugendamtsmitarbeiterin.

Der spektakuläre Missbrauchsfall in Lügde hat unlängst zu Diskussionen in Jugendämtern geführt. Wie konnte es sein, dass ein allein stehender Mann, der auf einem Campingplatz lebt, jahrelang mit einem Pflegekind wohnen konnte? „Dort hatte die Mutter des Kindes den Mann selbst vorgeschlagen“, sagt Madlene Höffker.

Schulungen und regelmäßige Gespräche

Elternwille, der zählt auch in der Vermittlungsarbeit des Grevener Jugendamtes. Aber ständiger Kontakt zu den Pflegefamilien, sagt sie, sei hier ebenso wichtig. Nicht nur, dass sie umfassend geschult werden, bevor sie ein Pflegekind bekommen. Die Mitarbeiterinnen des Jugendamtes führen auch regelmäßig Gespräche in den Familien.

Die Trennung von Eltern und Kindern, der Entzug des Sorgerechts, das ist in der Jugendpflege die ultima ratio, die letzte Lösung. „Das Kontrollnetz für Kinder ist heute viel dichter als früher“, sagt Lisa Northoff. Ob in der Kita oder beim Kinderarzt – überall werden Kinder von pädagogisch geschultem Personal beobachtet. Sozial auffälliges Verhalten falle früh auf, es gebe viele Hilfen für Familien, die Erziehungsprobleme haben. Erst wenn alles scheitert, kommt die Pflegefamilie ins Spiel.

Wir achten darauf, dass Pflegeeltern und Kind zueinander passen.

Lisa Northoff

„Wir achten darauf, dass Pflegeeltern und Kind zueinander passen“, sagt Northoff. Manchmal sind die Kinder noch im Babyalter, wenn sie zu ihren neuen Eltern kommen, aber es wurden auch schon Zehnjährige vermittelt. Nicht selten werden Pflegekinder später auch adoptiert.

Pflegeeltern sind oft hochmotivierte Idealisten. Sie wünschen sich Familienleben, können manchmal keine eigenen Kinder bekommen. Und sie sind bereit, Zeit und Energie in die Erziehung eines Kindes zu investieren. „Wegen des Geldes“, sagt Lisa Nordhoff, „macht das keiner.“

Tatsächlich erhalten Pflegefamilien nur einen relativ niedrigen Pflegesatz, der im Wesentlichen den Unterhalt des Kindes abdeckt. Anders verhält es sich, wenn Kinder in pädagogischen Wohngruppen untergebracht sind.

Herzensangelegenheit

In Zeiten der Vollbeschäftigung und einer hohen Frauenerwerbsquote ist die Suche nach Pflegefamilien nicht einfacher geworden. „Wir suchen immer“, sagt Madlene Höffker.

Auch hier ändert sich das Familienbild. „Wir hatten einen Mann, der seine Arbeit für einige Zeit aufgeben hat, um sich um das Kind zu kümmern“, sagt Lisa Northoff. Ärgerlich dabei: Wegen des Pflegegeldes hatte er keinen Anspruch auf das übliche – und höhere – Erziehungsgeld. Aber für viele Pflegeeltern, „geht es um eine Herzensangelegenheit“.

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