Jüdische Autorin spricht vor Gesamtschülern über Antisemitismus und Apartheid
Ruth Weiss gegen Ausgrenzung

Greven -

Ruth Weiss ist 95. Sie hat unter dem Nazi-Regime und der Apartheid gelitten. In der Nelson-Mandela-Schule erzählt sie aus ihrem Leben.

Mittwoch, 27.11.2019, 12:25 Uhr aktualisiert: 27.11.2019, 12:40 Uhr
Ruth Weiss im Gespräch mit Schülern und Lehrern an der Nelson-Mandela-Gesamtschule.
Ruth Weiss im Gespräch mit Schülern und Lehrern an der Nelson-Mandela-Gesamtschule. Foto: NMG

Auf Einladung der Arbeitsgruppe der „Nelson-Mandela-AG“ unter der Leitung von Waltraud Zumbrägel-Lewandowski sprach die 95-jährige, jüdische Autorin und Wirtschaftsjournalistin Ruth Weiss vor den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12.

Weiss ließ im Dialog mit ihrem Begleiter und Lektor Lutz Kliche, der dazu passende Stellen aus ihrem Roman „Meine Schwester Sara“ vorlas, ihr bewegendes Leben Revue passieren.

Sie nahm die konzentriert zuhörenden Schüler mit auf ihre Reise aus dem nationalsozialistischen Deutschland bis nach Kapstadt und Johannisburg, heißt es in einer Pressemitteilung der Schule.

In Fürth geboren, wurde Ruth Weiss liberal erzogen, erlebte die ersten Repressalien der nationalsozialistischen Machthaber, Ausgrenzung in der Schule und unmenschlichen Druck auf Juden. Trotzdem hatte sie nach eigenen Worten Glück im Unglück, denn die schlimmsten Gräuel blieben ihr erspart, weil ihr Vater entlassen wurde und, von Not getrieben, mit der Familie 1936 nach Südafrika auswanderte.

Dort wurde sie allerdings mit den Anfängen der Apartheid konfrontiert.

Unter den Eindrücken der am eigenen Leibe in Deutschland erfahrenen Ausgrenzung war die Diskriminierung der schwarzen bzw. nicht weißen Bevölkerung Südafrikas für sie ein unerträglicher Zustand.

Wegen ihrer Kontakte zum Widerstand des ANC, wo sie auch Nelson Mandela kennen lernte, musste Ruth Weiss Südafrika in den 1960er Jahren verlassen und ging zunächst nach Südrhodesien, dem heutigen Zimbabwe, später nach Zambia und England.

Sie mahnte die Schüler, „nicht wegzusehen“ und rief zu mutigem Widerspruch und Toleranz auf. Auf die Nachfrage eines Schülers, wie das für sie gewesen sei, sich in keinem Land zuhause zu fühlen, weder in Deutschland noch in Südafrika, antwortete sie: „Zu Hause bin ich dort, wo ich Freunde habe und akzeptiert bin.“

Eine positive Lebenseinstellung habe sie sich immer bewahrt, so Ruth Weiss abschließend, weil sie frühzeitig fremde Kulturen kennenlernen durfte. „Mein teuerstes Ideal ist eine freie und demokratische Gesellschaft, in der alle in Harmonie mit gleichen Chancen leben können.“

Mit diesem Appell endete die zweistündige Lesung. Viele der jungen Erwachsenen reichten der von der Autorin zum Dank die Hand, und einige waren so bewegt, dass sie anschließend noch das persönliche Gespräch mit der Zeitzeugin suchten.

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