Gerichte aus aller Welt: Karniyarik
Ein Rezept aus der Seldschukenzeit

Greven -

Liebe geht durch den Magen, sagt man. Der Advent ist die Zeit vor Weihnachten, dem christlichen Fest der Liebe. In unserer traditionellen Adventsserie schauen wir in diesem Jahr bei vielen Menschen in die Töpfe. Was mögen unsere Nachbarn? Wie kochen Sie? Geschichten, bei denen uns das Wasser im Mund zusammenläuft.

Samstag, 30.11.2019, 12:50 Uhr aktualisiert: 30.11.2019, 13:00 Uhr
Havva Erdal-Yaman in der kleinen Küche des Webikul. Sie benötigt etwa eine halbe Stunde für Karnıyarık (Karniyarik).
Havva Erdal-Yaman in der kleinen Küche des Webikul. Sie benötigt etwa eine halbe Stunde für Karnıyarık (Karniyarik). Foto: Günter Benning

Sehr lecker, dieses Gemüse. „Das Rezept soll auf einen Seldschuken-Sultan zurückgehen. Sein Koch musste etwas mit Auberginen und mit Fleisch erfinden“, erzählt Havva Erdal-Yaman. Heraus kam Karnıyarık (im Deutschen mit „i“ geschrieben). Übersetzt heißt das „aufgeschnittener Bauch“.

Havva Erdal-Yaman kocht in der kleinen Küche des Westfälischen Bildungs- und Kulturvereins (Webikul) an der Alten Münsterstraße. Sie kam vor zweieinhalb Jahren mit Mann und zwei kleinen Kindern aus der Türkei nach Saerbeck: „Aus politischen Gründen“, sagt die Lehrerin für Informatik und Mathematik aus Izmir an der Ägäisküste.

Gemeinsam essen, das ist für die Türkin wichtig. „Wir frühstücken immer zusammen“, sagt sie, „das Hauptgericht gibt es am Abend.“

Die Familie hat in Deutschland politisches Asyl erhalten, Havva Erdal-Yamans Mann nimmt derzeit an dem Lehrkräfte-Plus-Programm teil, das ausländische Lehrer für die deutsche Schule fit macht. Derzeit macht er ein Praktikum in der Gesamtschule. „Wenn er damit fertig ist“, sagt die 35-Jährige, „werde ich das auch machen.“

Die Zutaten für das türkische Nationalgericht sind fix geschnibbelt. Spezifisch türkische Lebensmittel gibt es in Greven gleich in zwei Geschäften, das eine wird von einer türkischen, das andere von einer syrischen Familie betrieben. „Nur Fleisch gibt es da nicht“, sagt Erdal-Yaman, „das bringt mein Mann manchmal aus Oberhausen mit.“ Dort läuft seine Ausbildung. Natürlich gibt es in der türkischen Küche kein Schweinefleisch. Man isst Rind, Huhn oder Lamm.

Havva Erdal-Yaman hat viereinhalb Jahre in den USA an einer halbstaatlichen Schule gearbeitet, danach war sie in Kasachstan tätig und hat dort Englisch unterrichtet. In ihrer neuen Heimat hat sie schnell Sprachkurse belegt und arbeitet im Webikul ehrenamtlich mit. „Wir haben hier eine eigene Gruppe“, sagt sie, „ich bin zuständig für die Frauen-Plattform.“

Hier kommen Frauen aus aller Welt zusammen, von Pakistan bis Eritrea. Man macht gemeinsame Ausflüge, neulich gab es ein Seminar über Hautpflege, man hat sich mit Filografie befasst, einer alten osmanischen Handwerkskunst.

Religion spielt hier keine Rolle, auch nicht Flucht und ihre Gründe. „Bei den meisten Frauen wissen wir darüber gar nichts“, sagt Havva Erdal-Yaman, während sie die Auberginen in den Backofen schiebt.

Gedeckt ist im spartanischen Seminarraum von Webikul, mit geblümten Geschirr und rosa Servietten. Das Karniyarik duftet wunderbar, dazu gibt es Zaziki. „Das mache ich auch selbst“, sagt die Köchin, „das türkische ist flüssiger als das griechische Zaziki.“

Das Rezept für Karniyarik

Zutaten (4 Personen) : 4 Auberginen, 200 Gramm Rinderhack, 1 gr. Zwiebel, 2 grüne Peperoni, 1 gr. Knoblauchzehe, 2 Tomaten, Tomatenmark, 1 Bd. Petersilie, Olivenöl, Paprika scharf und süß, schwarzer Pfeffer, Salz.

Zubereitung : Die Auberginen halb schälen, 15 Min. in Salzwasser geben, 12 Esslöffel Öl erhitzen, Auberginen abtrocknen und in der Pfanne anbraten, leicht gebräunt herausnehmen und Öl abtupfen. Gehackte Zwiebel goldgelb anschmoren, Hackfleisch hinzugeben, köcheln lassen. Knoblauch zugeben, 1 kl. Löffel Salz, dann die gehackten Tomaten. 1 Peperoni klein schneiden und zugeben. Würzen: ½ Löffel scharfer Paprika, 1 Löffel süßer Paprika, etwas Petersilie hinzugeben.

Backofen auf 170 Grad vorheizen. Auberginen in Auflaufform geben, aufschneiden, mit dem Rinderhack-Gemisch füllen, jeweils mit einer ¼ Peperoni garnieren. 1 Esslöffel Tomatenmarkt mit 1 kl. Glas Wasser mischen. In die Auflaufform geben. 20 Minuten backen.

Servieren : Mit Petersilie garnieren, mit Reis oder Brot servieren. Zaziki schmeckt gut dazu.

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