Lebenshilfe reagiert auf Vorfall mit Rollstuhlfahrerin und der Eurobahn
„Wir sind zu wenig achtsam“

Greven -

Der Bericht über die Rollstuhlfahrerin Melanie Gniesser, die vergangene Woche von einem Zugführer der Eurobahn nicht mitgenommen wurde, bringt die Lebenshilfe auf den Plan. Renate Kühlert aus dem Aufsichtsrat des Vereins, der sich um Menschen mit Behinderung kümmert: „Bei Bahnfahrten ist es eigentlich immer spannend.“

Samstag, 30.11.2019, 09:50 Uhr aktualisiert: 30.11.2019, 10:49 Uhr
Marita Dirks-Kortemeyer und Renate Kühlert klagen darüber, dass im Bahnverkehr zu wenig Rücksicht auf Behinderte genommen wird.
Marita Dirks-Kortemeyer und Renate Kühlert klagen darüber, dass im Bahnverkehr zu wenig Rücksicht auf Behinderte genommen wird. Foto: Günter Benning

Kühlerts Tochter Miriam ist selbst Rollstuhlfahrerin. Und allein darüber könnte sie schon viel erzählen: „Manchmal sind Mobilitätshilfen, die man bestellt, dann doch nicht da.“ Oder die Aufzüge am Gleis fallen aus. Neulich sei ihre Tochter in Köln eine Rolltreppe hochgefahren. Natürlich mit Unterstützung ihrer Begleiterin und Passanten. „Aber gut ist das nicht.“

„Wir sind zu wenig achtsam“, bestätigt Marita Dirks-Kortemeier vom Lebenshilfe-Vorstand. Dass die Bahnen Probleme hätten, wisse jeder. Aber bei Menschen mit Behinderung sei es trotzdem deutlich schlimmer, wenn etwas nicht richtig laufe.

Zu dem konkreten Fall von Melanie Gniesser gibt es mittlerweile genügend Zeugen, die der ersten Darstellung der Eurobahn widersprechen. Dirks-Kortemeyer: „Eine Kollegin war im Zug, die hat sie am Bahnsteig gesehen – und es war noch ausreichend Platz vorhanden.“

Oft sind die Probleme nicht so spektakulär, aber trotzdem einschränkend. Vor einiger Zeit habe ein angemeldete Reisegruppe von Behinderten nach Hamburg fahren wollen. Der Zug war überfüllt, die Reisenden mussten zwei Stunden warten: „Das ist für Menschen mit geistiger Behinderung oder Rollstuhlfahrer wirklich schwierig.“

Problematisch sei es auch, dass in vollen Zügen die für Rollstuhlfahrer reservierten Flächen häufig besetzt seien. Und die anderen Fahrgästen zeigten oft wenig Entgegenkommen. Im Freizeitbereich hat die Lebenshilfe bereits Konsequenzen gezogen. Man wolle mehr Bus fahren.

Das allerdings hat finanzielle Auswirkungen. Während Menschen mit Behinderung den Nahverkehr kostenlos benutzen dürfen – oft auch mit Begleitperson – müssen Reisebusse bezahlt werden. Für Menschen mit geringem eigenen Einkommen ist das eine Hürde.

„Neulich hat mich eine Geschichte fassungslos gemacht“, sagt Marita Dirks-Kortemeyer, „ein Busfahrer, der eine verwirrte Frau im Wagen hatte, blieb 20 Minuten stehen, bis eine Lösung gefunden wurde.“

In Deutschland, ist sie sicher, wäre der Fahrer ausgebuht worden. Die Geschichte spielte in Kanada: „Da sind die Menschen gelassener.“

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