Fünf Jahre nach dem Untergang läuft Grevens größte Modellbahn wieder rund
Die Eisenbahn ist nie fertig

Greven -

Eisenbahnfreunde kommen auf ihre Kosten. Im Ballenlager stellen Grevens Bastler ihr Projekt vor.

Samstag, 07.12.2019, 11:42 Uhr aktualisiert: 07.12.2019, 12:00 Uhr
Alles wie echt: Die Loks sehen teilweise aus wie aus der alten Dampflokomotivenzeit. Die parkenden Autos sind Käfer und Bulli – aber im Hintergrund steuert Jochen Zeranka die ganze Bahn in der elektronischen Leitstelle.
Alles wie echt: Die Loks sehen teilweise aus wie aus der alten Dampflokomotivenzeit. Die parkenden Autos sind Käfer und Bulli – aber im Hintergrund steuert Jochen Zeranka die ganze Bahn in der elektronischen Leitstelle. Foto: Sven Thiele

Sobald der Strom eingeschaltet und der Rechner hochgefahren ist, setzt sich der Zug wie von Geisterhand in Bewegung. 13 Güterwaggons zieht die Lokomotive mühelos hinter sich her, wenn sie die kleine Ortschaft umrundet, danach im Tunnel unterhalb der Landschaft verschwindet und anschließend in den Bahnhof einfährt. Der Zug mit Waggons Grevener Unternehmen und Institutionen feiert am kommenden Wochenende beim Weihnachtsmarkt im Ballenlager Premiere.

Zusammen mit acht weiteren Zügen dreht er seine Runden auf der komplett neuen Anlage des Modelleisenbahntreffs. Zum ersten Mal nach fünf Jahren präsentieren Grevens Modulbauer, was sie in über 5000 Arbeitsstunden geschaffen haben. Und das kann sich sehen lassen.

Zahlen veranschaulichen, was sich beim bloßen Betrachten der Bahn nur erahnen lässt. Für die 40 Meter lange Gleisstrecke mit ihren 14 Weichen wurden 600 Meter Kabel verlegt. Bis zu neun Züge bewegen sich durch die mit viel Liebe zum Detail gestaltete Miniaturlandschaft mit einer Ortschaft, einer Häuserzeile und einem großen Bahnhof.

Der längste Zug bringt es auf stattliche 1,80 Meter Länge. Abseits der Bahn ist eine hügelige Landschaft entstanden. Ein Dorf mit Bäcker, Kirche und Marktplatz ziert die eine Seite der zehn Meter langen Anlage. Ihr gegenüber befindet sich eine Baustelle. Die Botschaft: Eine Modellbahn ist nie fertig.

Fünf Jahre ist es her, als die Anlage des Eisenbahntreffs im wahrsten Sinne weggespült wurde. Der Starkregen, der weite Teile Grevens unter Wasser setzte, machte vor der in jahrelanger Arbeit entstandenen Bahn nicht Halt. „Die Elektronik war total kaputt“, erinnert sich Jochen Zeranka.

Der Schaden war immens, die Trauer über den Verlust groß. Da wundert es nicht, dass sich die Modellbauer lange Zeit nahmen, bevor sie den Entschluss fassten, ihre Bahn wieder aufzubauen. Mit neuer Streckenführung, verbesserter Technik und in Modular-Bauweise. Die schon jetzt stattliche zehn Meter lange Bahn soll weiter wachsen, verrät Zeranka den Plan. Zeranka, seit fast 40 Jahren leidenschaftlicher Eisenbahnfreund mit eigener Anlage im Keller, ist Vorsitzender des Eisenbahntreffs.

Jeden Donnerstag treffen sich er und 13 weitere Modellbauer im Dachgeschoss des ehemaligen Möbelgeschäftes Verlage, um an ihrer Anlage zu werkeln. In diesem Sommer fassten sie den Entschluss, ihr wenn auch nicht fertiges Werk der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Den Betrachtern wird Einiges geboten: Züge, Autos und Lkw, wie sie ihre Runden drehen. Illuminierte Häuser und eine Landschaft, bei der es viel zu entdecken gibt. Überdies ist ein Blick hinter die Kulissen erlaubt und gewünscht.

Das Herzstück der Anlage, die ausgefeilte Elektronik, bleibt für den Zuschauer nämlich unsichtbar. Modellbau ist nicht nur eine Sache von Geduld und Ausdauer. Ohne Technik bewegt sich nichts. Selbst die Autos, die sich ebenso wie die Züge wie von Geisterhand über die Straßen bewegen, sind vollgestopft mit Elektronik.

Und die hat ihren Preis: Alleine ein Lkw kostet stattliche 300 Euro. Dafür fährt er nicht nur mühelos und unfallfrei. Beleuchtung, Bremslichter und Blinker gehören zur Serienausstattung. Geleitet werden sie durch ein Magnetband unterhalb der Straßen. Weichen ermöglichen das Abbiegen. Am Computer werden Routen programmiert.

Wie genau das funktioniert, wollen die Modellbauer am Samstag und Sonntag demonstrieren. Außerdem basteln sie auch beim Weihnachtsmarkt an ihrer Anlage weiter. Denn Pläne zur Erweiterung liegen längst in der Schublade. „Viele Attraktionen sind noch nicht fertig“, verrät Jochen Zeranka. Auf der Wunschliste ganz oben steht eine Kirmes. Und weitere Streckenabschnitte. Und Knöpfe, die Aktionen in Gang setzen.

Zum Thema

Modelleisenbahn beim Weihnachtsmarkt im Ballenlager, Samstag 12 bis 20 Uhr, Sonntag 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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